Monika Vogel

Foto eines Bibers im Wasser.
Ein Biber, der Wasser trinkt – die Lehrbücher bieten verschiedene Beispiele für Eselsbrücken (hier „Pontes“ S. 254), verlassen sich aber weitgehend auf die Kreativität der Schüler., Sokolov Alexey / Shutterstock.com

Monika Vogel

Mnemotechnische Verfahren beim Vokabellernen eine Bestandsaufnahme

Da beim Erlernen der lateinischen Sprache das Gedächtnis gerade im Bereich des Wortschatzes in besonderem Maße herausgefordert wird, sind Gedächtnisschulung und das Einüben entsprechender Hilfen zu einer erfolgreichen Unterrichtsarbeit noch dringender nötig als in den modernen Fremdsprachen, deren methodische Mittel im altsprachlichen Unterricht nur begrenzt zur Verfügung stehen. So steht den im modernen Fremdsprachenunterricht typischen aktivsprachlichen Elementen und der dadurch intensiveren Umwälzung des Vokabulars die niedrige Frequenz vieler Wörter in lateinischen Lehrbüchern mit entsprechend unzureichender (aktiver) Umwälzung gegenüber. Dies ist ein erhebliches Hindernis im Hinblick auf das langfristige Behalten des Wortschatzes. Trotzdem scheint ein gezielter und systematischer Einsatz von Mnemotechniken insbesondere im Lateinunterricht noch wenig Anwendung zu finden.1 Auch wurde er noch nicht hinreichend empirisch auf Alltagstauglichkeit, Effektivität und vor allem im Hinblick auf die nachhaltige Verankerung des Wortschatzes im Gedächtnis untersucht.
Der Beitrag widmet sich daher der Frage, inwieweit mnemotechnische Verfahren der allgemeinen Klage über die mangelhafte Merkfähigkeit vieler Schülerinnen und Schüler Abhilfe schaffen können. Er versucht, einige der zahlreichen gutgemeinten Ratschläge aus der Praxis vor dem Hintergrund der Erkenntnisse aus Lernpsychologie und Fremdsprachendidaktik sowie eigener empirischer Befunde genauer zu beleuchten. Ausgehend von den Anregungen, welche die Lehrbücher zum besseren Einprägen von Vokabeln geben, wird im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten mnemotechnischen Verfahren gegeben, die beim Vokabellernen eine Rolle spielen (dazu gehören v.a. die Visualisierung der Wortbedeutung, die Ausführung von Bewegungen und die Schlüsselwortmethode). Entscheidend für den Einsatz in der Praxis ist dabei die Frage nach ihrer Effizienz und – damit verbunden – die Frage, welches Verfahren als besonders schülergerecht und schließlich erfolgversprechend erscheint. Dies führt abschließend zu einigen Überlegungen, die sich daraus für die Praxis des Lateinunterrichts ergeben.
Zum Begriff
Unter „mnemotechnischen Verfahren oder kurz „Mnemotechniken werden hier „assoziative Merk- und Lernhilfen verstanden, „durch die sich der Lernstoff leichter einprägen und abrufen lässt (z.B. durch räumliche Vorstellungen, Bilder, Schlüsselwörter, Bewegungen, Melodien o.ä.).2 Strukturierende Verfahren (z.B. Wörternetze) seien dabei nicht einbezogen. Umgangssprachlich verbreitet und gerade aus dem Lateinunterricht bekannt ist der Begriff „Eselsbrücken, der zum Teil auch nur für bestimmte Mnemotechniken gebraucht wird (s.u. die Beispiele der Lehrbücher).
Die Lehrbücher
Werfen wir zunächst einen Blick auf die Ausgangslage: Welche konkrete praktische Hilfe bieten die Lehrwerke den Schülern? Eine Durchsicht aktueller Lehrbücher zeigt, dass der Anteil an expliziten mnemotechnischen Hilfen eher gering ist und diese vorwiegend in Form von Lerntipps vermittelt werden.3 So findet man zahlreiche Empfehlungen für Lernstrategien im weiteren Sinne:
  • Eselsbrücke (Bildung von Sätzen, s.u.)
  • Bilder/eigene Zeichnung
  • Bewegung/Pantomime
  • Geschichte erfinden
  • Lied/Melodie/Rhythmus/Reim
  • Lernumgebung beschriften
  • Komposita, Wortbildung
  • Gegensatzpaare
  • Wort-/Sachfelder, Wortarten, Wortfamilien
  • Mindmap
  • Lehn- und Fremdwörter
  • andere Sprachen
  • Auswendiglernen/Wiederholen/Abfragen
  • Lesen/Sprechen/Hören/Schreiben
  • Vokabelkartei
  • Vokabelheft
  • Lernprogramm
Die meisten dieser Lernstrategien sind – mit Ausnahme der ersten sechs – keine Mnemotechniken im engeren Sinne, sondern betreffen mechanische Verfahren zur Wiederholung und Festigung sowie intra- und interlinguale Vernetzungen. So lautet eine gängige und zweifellos sinnvolle Empfehlung, an verwandte Wörter im Lateinischen, Deutschen und...

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Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 2 / 2018

Wortschatzarbeit 3

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Methode & Didaktik Schuljahr 5-10