Martin Bastkowski | Theresa Summer

Grammatik bewegungsreich vermitteln

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Martin Bastkowski | Theresa Summer

Wie sich sprachliche Phänomene motivierend einführen lassen

Ein flexibles Drei-Phasen-Modell bietet die Möglichkeit, Grammatikpensen in lebendiger Weise zu trainieren. Dabei stehen Kontextualisierung und Kommunikation im Vordergrund, um das Interesse der Lernenden zu wecken und die Anwendung in authentischen Situationen zu gewährleisten.

„Grammar teaching has always been one of the most controversial and least understood aspects of language teaching, konstatierte Scott Thornbury 1999 in seiner Einleitung zu How to teach grammar. Dieser Umstand erweist sich bis heute als unverändert. Das Thema Grammatik bleibt ein heiß umstrittener Dauerbrenner in der Fremdsprachendidaktik.
Aber wie sollen Englischlehrkräfte auch einen Konsens finden, wenn bundesweit unterschiedliche Vorgaben existieren? Man betrachte nur die schriftlichen Abschlussprüfungen, in denen die Einbindung grammatischer Phänomene stark variiert. In Baden-Württemberg beispielsweise werden sie explizit, in Niedersachsen hingegen integriert geprüft. Dementsprechend ist auch der Unterricht in den Bundesländern unterschiedlich ausgelegt.
Nach wie vor sind insbesondere folgende Fragen Gegenstand kontroverser Diskussionen:
  • Soll Grammatik induktiv oder deduktiv gelehrt werden?
  • Wie hoch sollte der Grammatikanteil im Unterricht sein?
  • Welche grammatischen Phänomene sind überhaupt relevant?
  • Was sind die effektivsten Wege, um grammatische Kompetenz im Unterricht zu entwickeln?
  • Welche Übungen und Aufgaben eignen sich für das Trainieren von Grammatik?
Das Pendel in der Grammatikvermittlung
Man kann sich die Grammatikvermittlung seit der Einführung des Englischunterrichts an staatlichen Schulen im 19. Jahrhundert in Form eines hin- und herschwingenden Pendels vorstellen. Jeder Pendelausschlag bedeutet die Hinwendung zu anderen Ansätzen und Methoden. Das Spektrum geht von der Umsetzung sprachlicher Phänomene durch reine Grammatikübersetzungen über pattern drills bis hin zur ausschließlich kommunikativen Anwendung von Strukturen, bei der die Bewusstmachung von Regeln kaum eine Rolle spielt. Die Abgrenzungen sind dabei stellenweise fließend. In der Wissenschaft ist man sich heute jedoch weitgehend einig, dass es keine perfekte Lösung gibt. Verschiedene Aspekte, darunter das Alter der Lernenden, ihr individuelles Lernprofil, ihre Leistungsstärke und die Komplexität eines grammatischen Phänomens, sind ausschlaggebend bei der Entscheidung, wohin das Pendel schwingen sollte.
Das Alter und Grammatiklernen
Ein Faktor, der gerade in den Jahrgangsstufen 5 bis 10 einen erheblichen Einfluss auf den Lernerfolg haben kann, allzu häufig aber ignoriert wird, ist das Alter der Lernenden. Während Menschen in den ersten sechs Lebensjahren eine Sprache in allen Kompetenzbereichen wie ein native speaker erlernen können, wird der Spracherwerb bis zum Alter von 16 Jahren stetig schwieriger. Dabei schwindet allerdings nicht das Vermögen an sich, eine Sprache und ihre Grammatik zu erlernen, sondern vielmehr die Fähigkeit, diese implizit zu erwerben (DeKeyser 2017). Kinder sind gut darin, eine Sprache ohne Bewusstmachung von Regeln zu lernen; sie saugen sprachliche Mittel regelrecht auf. Teenager hingegen sind zunehmend in der Lage, sich explizites Wissen über Sprache und ihre Grammatik anzueignen und es dann anzuwenden.
Aufgrund dieser Beobachtungen ist es sinnvoll, in den Klassen 5 und 6 Grammatik durch Bereitstellung von zahlreichen chunks und viel audiovisuellem Material vorrangig lexikalisch zu vermitteln, während in den folgenden Schuljahren mehr Kognitivierungen ergänzt werden sollten. Mit anderen Worten: Es ist wichtig, Grammatik in einer Weise zu vermitteln, die den Lernenden in ihren verschiedenen Entwicklungsphasen gerecht wird.
Notwendigkeit eines flexibel nutzbaren Paradigmas
Seitens vieler Englischlehrkräfte besteht der Wunsch, ein praktikables Modell zur Einführung grammatischer Phänomene zu...

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Fakten zum Artikel
aus: Englisch 5-10 Nr. 51 / 2020

Grammar in motion

Friedrich+ Kennzeichnung Theorie Schuljahr 5-10