Elias Hoffmann

Discipule, intende! Laetaberis.

Symbolbild: Suppenkelle mit Buchstabenwürfeln - davor ergeben die Würfel das Wort "Wortschatz".
Kurze Erklärungen oder Verweise auf bekannte Synonyme helfen den Schülern beim Dekodieren., © blende11.photo/stock.adobe.com

Elias Hoffmann

Über Lust und Unlust bei der Wortschatzarbeit am Beispiel einer Lehrbuchlektion

Wortschatzarbeit kann sowohl gegenstands- als auch tätigkeitszentriert motivierend gestaltet werden. Anhand eines Beispiels aus dem Lehrbuch „VIVA 1 wird gezeigt, wie mithilfe von Bildern Spannung erzeugt und die Schüler damit neugierig gemacht werden können. Durch ein „Vokabel-Activity-Certamen testen sie spielerisch ihre Wortschatzkenntnisse.

Dass Interesse provozierende und nachhaltige Wortschatzarbeit – insbesondere in den Fremdsprachen Latein und Griechisch – eine scheinbar unlösbare Herausforderung für die Unterrichtspraxis darstellt und bisweilen vielmehr zur Resignation aufrufen mag, begründet sich aus Schülerperspektive zunächst unkompliziert: Denn welches Lernmaterial vermag sinnärmer erscheinen als eine fremdsprachliche Vokabel, welche weder für den alltäglichen Gebrauch noch für den Urlaub im Ausland einen unmittelbaren Nutzen verspricht? Berücksichtigt man nun gängige Konzepte aus der pädagogischen Psychologie, welche darauf verweisen, dass erfolgreiches Lernen nicht nur von den kognitiven Voraussetzungen eines Schülers abhängig ist, sondern auch von seinem Interesse und seiner Begeisterung,1 boykottiert diese grundlegende Position bereits einen fundierten Lernerfolg, bevor der eigentliche Lernprozess überhaupt initiiert wurde. Doch wie lässt sich intrinsische Motivation für die Wortschatzarbeit evozieren? Welches Schwierigkeitsniveau der Lernanforderungen ist der Motivation zuträglich? Und was kann man gegen das Vergessen tun? Dieser Artikel will den aufgeworfenen Fragen anhand eines Praxisbeispiels begegnen. Ausgangspunkt ist das Lernvokabular der Lektion 7 des Lehrbuches VIVA 1.
Am Anfang: Ein Cliffhanger aus Bild und Wort
Wie angedeutet, besteht ein Grundprinzip erfolgreichen Wissenserwerbs darin, dass der Lernende den Reiz verspüren muss, einer Information – hier also dem Vokabular der Lektion – Beachtung zu schenken.2 Für Lektion 7 des VIVA-Lehrbuches gelingt dies anhand einer Komposition aus Bild und Wort, welche gleichermaßen zur Auseinandersetzung mit Lexik und Inhalt auffordert.
Die Darstellung bietet den Schülern mit dem ersten Blick eine Verbindung aus Bekanntem und Unbekanntem. Zwei ihnen vertraute Protagonisten der vorherigen Lehrbuchlektionen, Marcus (linke Bildecke) und der Sklave Gallus (Bildmitte), erscheinen in einem bis dahin unbekannten Kontext: Sie werden Zeugen eines Hausbrandes. Das eingefügte Lektionsvokabular bietet nun weiterführende Informationen zum Bildmaterial (u.a.: der weinende Mann auf dem Boden ist der Ladenbesitzer, mercator) und suggeriert zugleich mögliche Handlungsverläufe, welche sich aus dem Erschließen der einzelnen Wortbedeutungen ergeben. Der Zugang zu einem Wort kann den Schülern über den visuellen Impuls gelingen (clāmor verweist mit einem Pfeil auf den rufenden Jungen – das Rufen, Geschrei), sie können aber auch ihr semantisches Wissen nutzen und auf Grundlage ihnen bekannter Sach- bzw. Wortfelder oder -arten die lexikalische Bedeutung eines Wortes entschlüsseln (clāmor als Substantiv zu clāmāre). Kurze Erklärungen (mercator: emit et vendit) oder Verweise auf bekannte Synonyme (iuvāre = adesse) können Schülern ebenfalls beim Dekodieren helfen. Auf diese Weise schenken die Schüler sua sponte den Angaben ihre Aufmerksamkeit, um den Bildinhalt weiterführend entschlüsseln und Mutmaßungen über den Fortlauf anstellen zu können. Da das eingefügte Lernvokabular heterogene Aufgabenniveaus impliziert, erlaubt dies den Schülern gemäß Risiko-Wahl-Modell,3 eine Aufgabenschwierigkeit zu wählen, die sie persönlich motiviert. Nach der Klärung der Wortbedeutungen können die Schüler abschließend unter der Abbildung Hypothesen bzw. Erwartungen formulieren.
Vom Wort zum Satz: Junkturen als Spannungsbogen
Damit das erarbeitete Vokabular unmittelbar wiederholt wird, sich möglichst vielfältig mit dem lexikalischen Vorwissen vernetzt und zugleich elaboriert...

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Fakten zum Artikel
aus: Altsprachlicher Unterricht Nr. 2 / 2018

Wortschatzarbeit 3

Premium-Beitrag aus "Der Altsprachliche Unterricht" Unterricht (< 2 Std.) Schuljahr 5-8