Roswitha Henseler

Unmute yourself!

Distanzunterricht bedeutet nicht, dass Lernende abtauchen und stumm bleiben – auch in Videokonferenzen lassen sich ihre Sprechkompetenzen fördern, wenn man die Vorteile des Mediums nutzt
Distanzunterricht bedeutet nicht, dass Lernende abtauchen und stumm bleiben – auch in Videokonferenzen lassen sich ihre Sprechkompetenzen fördern, wenn man die Vorteile des Mediums nutzt, Forto: istock.com/strmko

Roswitha Henseler

Kommunikation und Interaktion in Videokonferenzen fördern

Unterricht lebt von einer mündlichen Interaktion, die sich nicht eins zu eins auf Videokonferenzen übertragen lässt. Doch die Sprechkompetenz der Lernenden lässt sich auch in der Online-Kommunikation fördern, wenn man bewährte Unterrichtsmethoden für die digitale Kommunikation adaptiert und um solche ergänzt, die die spezifischen Vorteile digitaler Medien für die Sprechförderung nutzen. 15 Methodenkarten für die Lehrerhand geben Tipps zum classroom management im Distanzunterricht.

Unterricht lebt von der mündlichen Interaktion. In Videokonferenzen ist es jedoch ungleich viel mühsamer als im Klassenzimmer, die Sprechkompetenz der Lernenden zu entwickeln: Die Interaktion ist reduziert. Wenn die Kameras der Teilnehmenden ausgeschaltet sind, fehlen die für die Kommunikation so wichtigen nonverbalen Signale. Sprechhemmungen, die auch im Präsenzunterricht auftreten, verstärken sich im Online-Unterricht: Die Lernenden benötigen viel Zeit, bis sie sprechen, oder antworten gar nicht. Oft sind technische Probleme der Grund dafür. Die Übertragungsqualität ist schlecht oder die Lernenden vergessen, ihr Mikro anzustellen. Sie trauen sich nicht, per Video vor der gesamten Lerngruppe zu sprechen. Die häusliche Umgebung lenkt ab und Lehrende können nicht überprüfen, inwieweit sich die Schülerinnen und Schüler auf den Unterricht einlassen, wenn deren Kameras aus sind.
Um den Online-Unterricht weniger lehrerzentriert zu gestalten und um Kommunikation und Interaktion in der Lerngruppe zu ermöglichen, müssen sich Lehrende von der Vorstellung verabschieden, Präsenzunterricht eins zu eins auf den Online-Unterricht übertragen zu können. Es gilt, neue Wege zur Strukturierung und methodischen Ausgestaltung von Videokonferenzen zu gehen.
Strukturen schaffen, Regeln für Videokonferenzen vereinbaren
Videokonferenzen mit der gesamten Lerngruppe, die fest im Stundenplan verankert sind, bieten den Lernenden eine verlässliche Struktur. Um die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler zu sichern und konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen, sollten video chats zeitlich begrenzt und durch Pausen und ausgelagerte schülerzentrierte Erarbeitungsphasen in Kleingruppen gegliedert sein (Senftleben 2020:274).
Da der Online-Unterricht für viele ungewohnt ist und anders als der Präsenzunterricht abläuft, ist es unerlässlich, gemeinsam mit den Lernenden Regeln zu vereinbaren und Erwartungen an die Teilnahme zu kommunizieren (worksheet 1). Diese Regeln betreffen zum einen den Arbeitsplatz zu Hause und zum anderen das Verhalten während der Videokonferenz (video chatiquette). Zum Arbeiten benötigen die Lernenden einen ruhigen Platz, die Arbeitsmaterialien liegen bereit, das Smartphone ist aufgeladen. Ebenso müssen sie mit der Organisation und dem Ablauf von Videokonferenzen vertraut gemacht werden entweder durch video tutorials oder mittels einer Einführung in das Konferenztool. So müssen die Lernenden wissen, dass sie sich per Handheben (es gibt dafür ein Symbol bei Microsoft Teams und Zoom) oder mit Hilfe von Signalkarten (worksheet 2) zu Wort melden oder andere Rückmeldung zum Verlauf der Konferenz geben können (Methodenkarte 4). Sie loggen sich kurz vor dem Meeting ein und stellen ihr Mikrofon aus. Je nach Vereinbarung wird auch die Kamerafunktion deaktiviert. Zudem sollten Datenschutzfragen geklärt werden.
Die Videokonferenz vorbereiten
Es empfiehlt sich, die Agenda und gegebenenfalls Impulsfragen im Vorfeld einer Videokonferenz zu kommunizieren. Das schafft Transparenz über deren Ziel und Ablauf. Mit Hilfe der Diskussionsfragen können sich die Lernenden vorbereiten und müssen nicht spontan reagieren. Sie notieren eigene Fragen. So haben sie sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt und sind eher bereit sich einzubringen. Mündliche Aufgaben wie Präsentationen und Interviews können ausgelagert und entweder alleine oder gemeinsam mit einem...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Englisch Nr. 167 / 2020

Distanzunterricht: Digitales Lernen

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 5-13