Mündliche Prüfungen

What makes a good speaker of English?

Mündliche Prüfungen finden in den meisten Schulen aller Bundesländer regelmäßig statt. Ob am Ende einer Unterrichtseinheit, punktuell im Unterricht oder als Ersatz für eine Klassenarbeit, ob in Form einer Präsentation oder als Diskussion mit einem Partner oder in der Gruppe – eine mündliche Prüfung soll ergründen, wie gut jemand eine Sprache spricht. Doch was müssen kompetente Sprecher können? Wie muss die Prüfung vorbereitet und aufgebaut sein, um dies herauszufinden? Wie lassen sich ihre Ergebnisse fair bewerten?

Personen mit Sprechblasen
Wie muss eine mündliche Prüfung gestaltet sein, damit ein Prüfling zeigen kann, wie gut er in der Fremdsprache mündlich kommunizieren kann? Foto: geralt/Pixabay

Bei der Bewertung mündlicher Prüfungen liegt der Fokus häufig auf dem Aspekt der Sprachrichtigkeit (accuracy), während der Flüssigkeit (fluency) und den Inhalten zumeist nur eine untergeordnete Bedeutung beigemessen wird. Das zeigt sich an den Bewertungsrastern der Länder für mündliche Prüfungen: Sprachliche und interaktionale Aspekte sind ausdifferenziert, während inhaltliche Aspekte nur wenig ausgeschärft sind. Ein Fokus auf die Sprachrichtigkeit rührt unter anderem daher, dass hier am ehesten Klarheit über die Bewertungskriterien bei den beteiligten Lehrkräften besteht. Dabei werden fälschlicherweise Korrektheitskriterien schriftlicher Sprache direkt auf mündliche übertragen und Eigenschaften gesprochener Sprache wie Wiederholungen, einfachere, parataktische Strukturen oder grammatikalische Inkongruenzen (z.B. durch false starts) außer Acht gelassen.

Ziele von mündlichen Prüfungen

Diese Reduktion auf Sprachrichtigkeit ist jedoch aus mehreren Gründen problematisch. Sie kann zu Sprechhemmungen führen, vor allem bei weniger selbstsicheren und kompetenten Lernenden, weil nicht das Gesagte, sondern die sprachliche Formulierung im Vordergrund zu stehen scheint. Dies bindet kognitive Kapazitäten, die für inhaltliche Überlegungen fehlen. Es ist auch nicht Ziel des Englischunterrichts, Lernende dazu zu befähigen, sich mündlich im unterrichtlichen Diskurs möglichst fehlerfrei auf (schriftliche) Ausgangstexte zu beziehen, diese zusammenzufassen, zu analysieren oder zu kommentieren. Bei der mündlichen Kommunikation muss es vielmehr darum gehen, sich angemessen, adressaten- und genregerecht und in Alltagssituationen zu bewähren.

Sinnvollerweise überprüfen mündliche Prüfungen deshalb zum einen systematisch aufgebaute Sprechkompetenzen und geben Lernenden eine Rückmeldung zu ihrem Leistungsstand. Zum anderen sollen sie aber auch backwash-Effekte auf den Unterricht langfristig Mündlichkeit stärken.

Mündliche Prüfungen bewerten

Die Bewertung mündlicher Kompetenzen stellt für ­Lehrkräfte eine große Herausforderung dar. Sie müssen selbst über umfassende fremdsprachliche Kompetenzen verfügen und mit den verschiedensten Formen und Genres mündlicher Kommunikation einschließlich moderner multimodaler Formate vertraut sein. Schließlich müssen sie aus der Fülle möglicher kriterialer Bewertungsraster das für die Lerngruppe und den konkreten Unterrichtskontext bestmögliche auswählen bzw. ggf. an die konkrete unterrichtliche Situation anpassen.

Zeitschrift
Unterricht Englisch Nr. 153/2018 Mündliche Prüfungen

Mündliche Prüfungen gibt es an (fast) allen weiterführenden Schulen. Doch was muss jemand können, der mündlich erfolgreich in der Fremdsprache kommunizieren will?

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Vor-und Nachteile von Bewertungsrastern

Bewertungsraster, die von den Bildungsbehörden der Länder vorgegeben oder aus standardisierten Testverfahren entlehnt sind, sind in der Prüfungssituation zeitökonomisch. Ihre großen Nachteile sind jedoch, dass ihre Kriterien für Lernende häufig nicht transparent sind. Meist sind sie nicht alters- oder lernniveauspezifisch und erst recht nicht aufgabenspezifisch konzipiert. Sie müssten also für eine konkrete Prüfung zeitaufwändig angepasst werden.

Besser ist es, Bewertungskriterien für Sprechaufgaben im vorbereitenden Unterricht gemeinsam zu erarbeiten. So können die Lernenden selbst ihren gegenwärtigen Leistungsstand einschätzen und übernehmen Verantwortung für die weiteren Lernprozesse.

Themenheft Mündliche Prüfungen

Die Mai-Ausgabe 2018 des Fremdsprachlichen Unterricht Englisch widmet sich dem Thema mündliche Prüfungen. Darin erfahren Sie, wie sie Sprechkompetenz mit mündlichen Prüfungen erfassen und geeignete Bewertungskriterien im Unterricht erarbeiten können. Wir stellen Ihnen eine große Bandbreite an Prüfungsformaten für den dialogischen und multilogischen Prüfungsteil vor, in denen sich die Lernenden zu Themen wie den australischen Sorry Day oder Nachhaltigkeit und Umweltschutz oder Jugendliteratur wie das Diary of a Wimpy Kid äußern. Sie diskutieren dafür in einer radio talk show oder in einem Buchclub-Treffen oder halten eine umwerfende Rede. In einer mündlichen Sprachmittlungsaufgabe sind die Prüflinge in diplomatischer Mission unterwegs: Sie tauschen sich mit einem amerikanischen Gastschüler über ein Titelbild des deutschen Nachrichtenmagazins Der Spiegel aus und vermitteln, warum das Bild für einen Deutschen nur halb so provokativ ist wie für US-Amerikaner. Last but not least müssen Prüflinge ihr Lampenfieber vor einer Prüfung überwinden, das so gut wie alle Menschen vor einem großen Auftritt haben – mit unseren Tipps bewahren sie einen kühlen Kopf.


Zum Themenheft Mündliche Prüfungen

Lösungsvorschlag und Bewertungsraster zu „A National Day of Healing“

Bewertungsraster zu „Trump Chopped Her Head Off“

Bewertungsraster zu "Why I lead a zero-waste life"

Fakten zum Artikel
Methode & Didaktik Schuljahr 10-13
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Englisch 5–10 Nr. 39/2017 Einfach sprechen! Es gibt immer wieder Situationen im Englischunterricht, in denen Lernende sprachlich nicht das aussprechen können, was sie inhaltlich mitteilen möchten. Dies kann an fehlenden sprachlichen Mitteln oder an fehlendem Mut liegen, sich in der Fremdsprache auszudrücken. Gute Vorbereitung hilft.

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