Amelie Firsching

On the train

In dieser Sprachmittlungsaufgabe kommen die Lernenden mit Menschen unterschiedlichen Alters oder unterschiedlicher (Sub-)Kulturen über das Thema Migration ins Gespräch und sprachmitteln für diese Adressatinnen und Adressaten einen Artikel über deutsche Migrationsgeschichte
In dieser Sprachmittlungsaufgabe kommen die Lernenden mit Menschen unterschiedlichen Alters oder unterschiedlicher (Sub-)Kulturen über das Thema Migration ins Gespräch und sprachmitteln für diese Adressatinnen und Adressaten einen Artikel über deutsche Migrationsgeschichte, Bild: © Davidpradoperucha / Photocase.com

Amelie Firsching

Deutsche Migrationsgeschichte für verschiedene Personen sprachmitteln

Das Schöne am Zugfahren sind die Zufallsbekanntschaften mit ganz unterschiedlichen Menschen. In dieser Sprachmittlungsaufgabe kommen die Lernenden mit verschiedenen Mitreisenden über deutsche Migrationsgeschichte ins Gespräch und vermitteln ihrem jeweiligen Gegenüber die Inhalte eines Zeitschriftenartikels zum Thema. Dafür müssen sie ihr Gegenüber treffend einschätzen, um dessen Interessenslage, Vorwissen, Einstellungen zu ergründen. Außerdem müssen sie den Grad der Formalität beachten und die eigene Position zum Thema einbringen.

Auf einer Bahnfahrt kommt man leicht mit den Mitreisenden ins Gespräch. Wenn diese kein Deutsch sprechen, dient meist Englisch als lingua franca der Verständigung. In dieser Sprachmittlungsaufgabe bittet ein/e Mitreisende/r die Lernenden, ihr oder ihm einen Artikel aus der Gratiszeitung der Bahn auf Englisch wiederzugeben. Der Artikel handelt von Migrationsbewegungen aus und nach Deutschland. Im Laufe der Unterrichtsstunde sollen die Lernenden ein Gespür dafür entwickeln, welche Faktoren in so eine Sprachmittlungssituation mit hineinspielen. Wer genau ist die Person vor mir? Welche Informationen sind für sie von Interesse? In welcher Form und in welchem sprachlichen Register sind diese zu vermitteln? Und welche Rolle spielt dabei meine eigene Position?
Migration nach Deutschland
Beim Thema Migration spielen sowohl die Rolle der fiktiven Englisch sprechenden Person als auch die Positionierung der Lernenden bei der Sprachmittlung dieses Themas eine Rolle: Im Englischunterricht sind die britische und US-amerikanische Einwanderungsgeschichte immer wieder Unterrichtsgegenstand. Insbesondere Kolonialgeschichte ist in den Köpfen vieler Lernender daher etwas, was eher im anglophonen oder frankophonen Kontext stattgefunden und wenig mit Deutschland und deutscher Geschichte zu tun hat. Doch über 20% der deutschen Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund und somit ist Migration nach Deutschland ein Teil gesellschaftlicher Normalität. Deshalb sollen Lernende nicht nur Fakten über die deutsche Migrations- und Kolonialgeschichte wissen, sondern auch eine eigene Haltung zur deutschen Geschichte entwickeln. Dazu ist es sowohl für Lernende mit Migrationsbiografie als auch für solche ohne Migrationsgeschichte von Bedeutung, sich die Einwanderungsbewegungen nach Deutschland anzuschauen und etwaige Versäumnisse der Integrationspolitik benennen zu können. Lernenden sollen die zum Teil auch mit Gewalt verbundenen historischen Zusammenhänge verstehen und lernen, sich in einer diversen Gesellschaft zu positionieren.
Unterrichtssetting
Das Setting (worksheet 1 ) ist folgendermaßen: Die Lernenden bekommen auf Rollenkarten jeweils unterschiedliche Personen zugeteilt (worksheet 2 ) , von der sie im Zug angesprochen und um eine Übertragung des Artikels zum Thema Migration (worksheet 3 ) ins Englische gebeten werden. Die Personen auf den Rollenkarten sind alle aus unterschiedlichen Gründen an deutscher Migrationsgeschichte interessiert. Es ist nun die Aufgabe der Lernenden, die Informationen aus dem Magazin-Artikel sinn- und adressatengerecht sowie situationsangemessen ins Englische zu übertragen. Die Nachfrage einer 80-jährigen US-Amerikanerin mit russischer Migrationsgeschichte beantworten die Lernenden vermutlich anders als die Nachfrage einer 17-jährigen Iranerin. Die Lernenden entscheiden, welche Informationen für die/den Mitreisende/n relevant sind. Hinzu kommt, dass auch die eigene Positionierung der Lernenden die Gesprächssituation beeinflussen kann. Eventuell reichern sie die Inhalte des Artikels mit eigenem Wissen an oder können durch gemeinsame Merkmale, beispielsweise ähnliches Alter oder eine ähnliche Migrationsgeschichte, eine besondere Verbindung zu ihrer/m Gesprächspartner/in aufbauen. Dadurch, dass die Lernenden in einem jeweils unterschiedlichen Verhältnis zu der Englisch sprechenden Person stehen, einige Merkmale mit ihr teilen und sich in anderen Merkmalen unterscheiden, sollen sie in besonderem Maße dafür sensibilisiert werden, was es bedeutet, den Text sinn-, situations- und adressatengerecht zu übertragen....
Unterricht Englisch
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Englisch Nr. 161 / 2019

Cultural mediation

Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-13