Lotta König

Kulturelle Sprachmittlungskompetenz aufbauen

Sprachmittlung ist ein komplexer Prozess, der verschiedene Kontextvariablen berücksichtigen muss
Sprachmittlung ist ein komplexer Prozess, der verschiedene Kontextvariablen berücksichtigen muss, Friedrich Verlag

Lotta König

Bei cultural mediation wird nicht nur gemittelt, was ausgedrückt wird, sondern auch wie es ausgedrückt wird. Um einschätzen zu können, wie eine Botschaft am angemessensten zu übertragen ist, muss die sprach-und kulturmittelnde Person zudem ein Verständnis davon haben
  • wer die Botschaft sendet
  • wer sie empfängt und
  • welche Form der Mittlungsleistung die aktuelle Situation
erfordert. Für eine kulturell kompetente Adressaten- und Situationsangemessenheit gilt es also, die individuellen Identitäten der Beteiligten und den Kontext ihres Zusammentreffens nachzuvollziehen.
Dabei sind kulturelle Bezüge stets Teil von Sprachmittlung. Zugleich kann ein einzelner Text nicht eine Kultur repräsentieren und Personen lassen sich nicht auf ‚ihre eine Ausgangskultur reduzieren. Daher bedarf es symbolischer Kompetenz (nach Kramsch, vgl. Basisartikel), um erkennen und darauf reagieren zu können, welche kulturellen Kategorien (wie z.B. age, gender, class, race, religion) oder auch Subkulturzugehörigkeiten gerade für die Person(en) in einer bestimmten Situation relevant sind. Bei einem Text gilt es zu erkennnen, welcher Blickwinkel eingenommen wird, welche kulturellen Bezüge also hergestellt werden. Diese kulturelle (Re-)Konstruktionsleistung erfolgt über den Inhalt, aber auch in der Form der Äußerung, in den Bildern, im Stil und Register einer Textform und bei Personen auch in der nonverbalen Kommunikation. In dieser ‚Verschlüsselung stecken zudem nicht nur neutrale Botschaften, sondern auch Informationen über diskursive Machtverhältnisse und Statusaushandlungen in Interaktionen.
Sprache und Kultur, Form und Inhalt sind integral
Im Sinne einer Förderung von fremdsprachiger Diskursfähigkeit (vgl. Basisartikel) sind die Vermittlung von Sprache und Kultur, Form und Inhalt integral zu verstehen. Dies gilt grundsätzlich für kulturelles Lernen im Allgemeinen. In der Situation der Sprachmittlung erhöht sich die Komplexität jedoch noch, da die mittelnde Person kulturell kompetent für (mindestens) zwei sein muss. Die eigene fremdsprachige Diskursfähigkeit wird also um die Anforderung erweitert, andere an diesen Diskursen zu beteiligen. Dafür bedarf es einer hohen Perspektivendifferenzierung, -übernahme und -koordination. Die sprachmittelnde Person muss nicht nur selbst die kulturellen Bedeutungskonstruktionen dekodieren, sondern außerdem erkennen, welche kulturellen Diskurse bei allen anderen vorausgesetzt werden können und welche nicht, um dann auf dieser Grundlage erst sprachlich und kulturell mitteln zu können.
Wenn man z.B. auf einer Bahnfahrt eine ältere Dame trifft, die erzählt, dass sie als Kind von Russland in die USA ausgewandert ist, kann man im Gespräch über einen Artikel über Einwanderung nach Deutschland bei ihr voraussetzen, dass sie die Geschichte des Kalten Kriegs kennt. Die Auswirkungen auf Deutschland und die Situation der Spätaussiedler könnte sie besonders interessieren. Als Jugendliche/r wäre gegenüber dieser Dame ein respektvoller, höflicher Umgangston angemessen, der durchaus informeller werden kann, je leutseliger die Dame reagiert. Bei einer gleichaltrigen Mitreisenden kommt man sicherlich informeller ins
Gespräch. Hier sind vor allem aktuelle Informationen über die Situation der Geflüchteten in Deutschland von Interesse usw.
Ein Bewusstsein für die Erfordernisse des Sprachmittlungsprozesses erlangen
Diese komplexe Mittlungskompetenz will geübt sein. Auch wenn die hohe Kunst der Sprachmittlung ist, bei Bedarf in einer sozial anspruchsvollen Situation in beide Richtungen mündlich zu mitteln, können diese komplexen Anforderungen zunächst heruntergebrochen werden. Die Lernenden müssen zunächst einmal ein Bewusstsein für die verschiedenen kognitiven, affektiven und pragmatischen Bestandteile von Sprachmittlung erlangen. Diese lassen sich mithilfe von worksheet 1 und worksheet 2 an Fallbeispielen oder im Rückblick auf eine Sprachmittlungssituation visualisieren. Diese bereiten...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Englisch Nr. 161 / 2019

Cultural mediation

Methode & Didaktik Schuljahr 5-13