Jule Inken Müller

She doesn’t want to go to bed

Als die amerikanische Babysitterin das jüngste Kind zu Bett bringen will, weigert dieses sich  und fängt an zu schimpfen. Die Lernenden vermitteln hier sprachlich, denn die beiden sprechen  die ­Sprache des jeweils anderen nicht, und finden ein Lösung für den Konflikt
Als die amerikanische Babysitterin das jüngste Kind zu Bett bringen will, weigert dieses sich und fängt an zu schimpfen. Die Lernenden vermitteln hier sprachlich, denn die beiden sprechen die ­Sprache des jeweils anderen nicht, und finden ein Lösung für den Konflikt, Bild: Hendrik Kranenberg

Jule Inken Müller

Familienregeln sprachmitteln, Konflikte lösen

Wann ist es Schlafenszeit? Darf man vor einer Mahlzeit Süßigkeiten essen oder nach 20 Uhr noch fernsehen? In den meisten Familien gibt es Regeln, die das Miteinander organisieren und ein Machtgefälle zwischen Eltern und Kindern widerspiegeln. An diesem Abend sind die Eltern jedoch ausgegangen und die Lernenden müssen der englischsprachigen Babysitterin die Familienregeln erläutern und im Konflikt zwischen ihr und der kleinen Schwester vermitteln. Diese spricht noch kein Englisch und wehrt sich mit Schimpfwörtern dagegen, ins Bett geschickt zu werden.

Sprachmittlung wird in den unteren Jahrgängen meist eine geringere Bedeutung zugeschrieben als den anderen kommunikativen Teilkompetenzen, deren Erwerb in der Anfangsphase zunächst vorrangig sei. Die Leistung im Bereich der Sprachmittlung spielt folglich eine kleinere Rolle und wird seltener überprüft (vgl. z.B. Niedersächsisches Kultusministerium 2015:21). Gleichzeitig wird jedoch gefordert, dass die Sprachmittlungskompetenz ab Eintritt ins Gymnasium systematisch aufgebaut wird (vgl. ebd.: 37). Wie dieser zunächst mündliche, dann nach und nach schriftliche Aufbau vonstattengehen soll, wird jedoch im niedersächsischen Kerncurriculum nicht konkretisiert: Für die Sprachmittlung werden dort keine spezifischen Lernziele in Form von Kann-Beschreibungen für die Jahrgänge 6, 8 und 10 formuliert, so wie dies bei den anderen kommunikativen Teilkompetenzen der Fall ist. Stattdessen sind diese jahrgangsübergreifend. Dies erschwert das Erstellen von Lernaufgaben für die unteren Jahrgangsstufen, zumal Sprachmittlung produktive und rezeptive kommunikative Kompetenzen erfordert, die dort noch im Aufbau sind. Diese Unterrichtsidee zeigt, wie sich Sprachmittlungskompetenz in der Anfangsphase dennoch schulen lässt an einem Thema, das in allen Familien für Konflikte und Aushandlungssituationen steht: Die Familienregeln wie z.B. eine geeignete Bettgehzeit für Kinder, die das Zusammenleben organisieren und in denen es ein Machtgefälle zwischen Eltern und Kindern gibt.
Durch Sprachmittlung Regeln aushandeln
In dieser Aufgabe vermitteln die Lernenden zwischen ihrem jüngeren Geschwister und der 16-jährigen Nachbarstochter Zoe aus Alabama, die an diesem Abend in der Familie babysittet: Zoe schickt das kleine Geschwisterkind ins Bett. Dieses möchte jedoch nicht schlafen gehen und beginnt, auf Deutsch über die Babysitterin zu schimpfen. Kulturell diverse Nachbarschaften kennen viele Lernende, so dass die Situation, zwischen zwei Personen mit unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Hintergründen zu mitteln, für die Lernenden vorstellbar ist. Dabei werden unterschiedliche Erwartungen, Vorstellungen, Normen und Werte deutlich, die Anlass für kulturelle Aushandlungen sind und eben auch Konflikte nach sich ziehen können. Das Aushandeln von Regeln und damit zusammenhängende Streitereien dürften Sechstklässler kennen. Dabei entsteht ein Bewusstsein davon, dass sich die scheinbar selbstverständlichen Regeln zu Hause von Familie zu Familie unterscheiden können.
Sprache, Register und Pragmatik
Im Hinblick auf die Schulung sprachlicher Mittel spielt in der Aufgabe besonders der Wechsel der Personalpronomina eine Rolle: Die Lernenden müssen Aussagen in der ersten Person Singular umwandeln und über die Sprechenden in der dritten Person Singular sprechen. Dabei gilt es, das Verb zu konjugieren und das -s am Ende nicht zu vergessen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt beim Mitteln zwischen zwei Personen in unterschiedlichen Positionen in denen sich die Babysitterin und das betreute Kind befinden ist der Registerwechsel, der für die Sprachmittlungskompetenz trainiert werden muss. In der 6. Klasse gestaltet sich dieser für die Lernenden noch schwierig, da sie mit ihrem geringen sprachlichen Ausdrucksvermögen noch nicht zwischen verschiedenen Registern differenzieren können. Jedoch ist es wichtig, dass sie sich...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Englisch Nr. 161 / 2019

Cultural mediation

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-6