Sebastian M. Herrmann

“Voting Doesn’t Count For a Goddamn Thing”?

Sebastian M. Herrmann

Inszenierungen der politischen Meinungsbildung im Film Swing Vote untersuchen

Stellen Sie sich vor, eine einzige Wählerstimme würde über die Wahl des nächsten US-Präsidenten entscheiden welchen Aufwand würde die Politikmaschinerie dann betreiben, um diesen Wähler für sich zu gewinnen Genau dieses Szenario spielt der Film Swing Vote durch. Die Lernenden analysieren, welche Rolle Bilder und Inszenierungen bei dieser „Überzeugungsarbeit leisten, und wie der Film seinerseits politisch wirkt.

Der Film Swing Vote (s.Kasten) erzählt die Geschichte von Bud Johnson, einem in einfachen Verhältnissen lebenden alleinerziehenden Vater, der am Tag der Präsidentschaftswahl versäumt, seine Stimme abzugeben.
















Swing Vote der Film
Swing Vote der Film
Swing Vote.
USA 2008.
Regie: Joshua Stern; Hauptrolle: Kevin Costner.
120 Minuten.
Swing Vote ist auf den ersten Blick ein demokratie-bejahender feel-good movie über die Wichtigkeit des Wählens, in dem sympathische Figuren nach Höhen und Tiefen ein Happy End erleben. Die Handlung gliedert sich in klar erkennbare, ca. 20-minütige Akte, er ist ohne aufwendige Effekte und überwiegend im ‚realistischencontinuity editing gefilmt. Dieser visuelle Realismus erschwert den Blick auf die politische und kulturelle Arbeit, die der Film leistet, und naturalisiert die vermeintlich selbstverständliche Verbindung von Männlichkeit, Politik und dem Heartland Amerikas.
Die moral fantasy im Kern des Films lautet, dass jede Stimme zählt eine Vorstellung, ohne die es keine repräsentative Demokratie geben kann. Sie ist gerade in den USA, wo Individualismus ein hoher Wert ist, wichtig. Gleichzeitig entspricht sie natürlich nicht der Realität der USA, wo die Wahl im Jahr 2000 von den Gerichten entschieden wurde, wo durch das Wahlmännersystem des Electoral College ein Großteil der Stimmen bedeutungslos bleibt und wo letztlich nur die Stimmen in den sogenannten swing states entscheidend sind. Der Film verschleiert diesen Widerspruch.
Der vermeintlich unpolitische Unterhaltungsfilm zeichnet letztlich ein politisch aufgeladenes, demokratie-skeptisches und konservatives Bild, indem er seine zentrale Frage nach dem Sinn von Wahlen („Voting doesnt count for a goddamn thing sagt ein kindlich-trotziger Bud am Anfang des Films) sehr ambivalent beantwortet: Da keiner der beiden Kandidaten Buds Situation (oder die der working poor generell) verbessern wird, ist es letztlich egal, wen er wählt. Die Fantasie, dass jede Stimme zählt, ist wichtiger als der eigentliche Ausgang der Wahl. Auch so lässt sich das Ende, das Buds letztliche Wahlentscheidung verschweigt, interpretieren.
Als seine schlaue und engagierte achtjährige Tochter Molly versucht, an seiner Stelle zu wählen, fällt der Wahlautomat aus, so dass die Stimme nicht gewertet werden kann. Bei der Auszählung liegen beide Kandidaten gleichauf; Buds Stimme würde den Ausschlag geben. Vertreter der Wahlbehörde suchen ihn auf und bitten ihn, seine ungültige Wahl in zwei Wochen zu wiederholen zwei Wochen, in denen beide Parteien alle Energie aufbieten, um Bud auf ihre Seite zu ziehen
Zusammenhang zwischen Visualität und Politik diskutieren
Der Film erlaubt es, den Zusammenhang von Visualität und Politik auf zwei Ebenen zu diskutieren: Innerhalb des Films nutzen die Politiker Visualität für ihre eigenen, in sich widersprüchlichen Zwecke: um ihre Macht(ansprüche) zu zeigen und zu untermauern und um sich als Normalbürger (common man) darzustellen. Der Film leistet aber auch nicht zuletzt in seiner Bildsprache selbst kulturelle Arbeit und ist politisch aufgeladen (s. Kasten 1). Durch die Arbeit an diesen beiden Ebenen erwerben die Lernenden ein analytisches Vokabular für visuelle Medien und deren politische Wirkmacht. Sie ergründen, wie der Film innerhalb der Kultur, in der er konsumiert wird, wirkt, ohne auf die oft unproduktive Frage nach der Autorintention zurückzufallen. Sie diskutieren...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Englisch Nr. 141 / 2016

American Presidency

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 11-13