Roswitha Henseler | Monika Schäfers

MySELFIE and I

Ein Selfie ist ein neues Bildgenre, eine Art des Selbstporträts, das soziale Interaktion, Körpersprache, Selbstwahrnehmung, Privatsphäre, Humor und das Verhalten in der Öffentlichkeit verändert hat
Ein Selfie ist ein neues Bildgenre, eine Art des Selbstporträts, das soziale Interaktion, Körpersprache, Selbstwahrnehmung, Privatsphäre, Humor und das Verhalten in der Öffentlichkeit verändert hat , Bild: iStock.com/AleksandarGeorgiev

Roswitha Henseler | Monika Schäfers

Fotografien und Selbstdarstellung in sozialen Medien reflektieren

Ein Selfie kommuniziert, wo wir sind, was wir tun, wer wir glauben zu sein und wer wir glauben sich unser Selfie anschaut. Mittlerweile haben sich viele Unterformen dieses Bildgenres entwickelt: Petsie/pelfie, ussie, shelfie, handface, fish gape, T-Rex und viele mehr. Hier spüren die Lernenden neuesten Selfie-Trends hinterher und reflektieren, welche Wirkung damit erzielt werden soll und warum. Dazu erstellen sie ein Selfie, das eine auf einer Rollenkarte beschriebene Person zeigt, und schreiben umgekehrt eine fiktive Biografie für die Person auf einem vorgegebenen Selfie.

Selfies im Englischunterricht? Kann man ein solches Projekt überhaupt durchführen? Sind Jugendliche denn bereit, über die eigene Identität, das eigene Selbstbild nachzudenken und darüber im Unterricht zu sprechen? Auch wenn sich die meisten Jugendlichen regelmäßig ablichten, heißt das noch nicht, dass sie ihre Selfies auch gerne anderen zeigen oder dies im Kontext Schule tun möchten. Schließlich ist ein Hauptanreiz der Selfie-Produktion die Kontrolle: Wann poste ich was, wie und wo? Ertragreicher erscheint daher eher eine exemplarische Untersuchung von Selfies und die Erstellung von Porträts, die Rücksicht auf die Scheu vieler Schülerinnen und Schüler nimmt, sich selbst zu fotografieren oder die eigene Selbstinszenierung zu reflektieren.
Dazu erhalten die Lernenden Rollenkarten und erstellen ein Selfie, das die auf der Rollenkarte beschriebene Person zeigt. Sie nutzen Trends und Grundtechniken der Fotografie, die zuvor erarbeitet werden. Auf diese Weise reflektieren die Schülerinnen und Schüler, wie welche Trends respektive fototechnischen Elemente auf sie wirken bzw. welche Botschaften bei deren Verwendung gesendet werden. So können sie die verschiedenen Parameter der Selfie-Produktion in ihrem persönlichen Lebensumfeld dann kompetent einsetzen oder verwerfen. Zusätzlich schützt der Einsatz der Rollenkarten davor, im Kontext Schule zu viel Privates über sich preiszugeben.
Selfie-Trends auf der Spur
Im Unterrichtsgespräch oder in Partnerinterviews wird zunächst erforscht, wer Selfies macht, wie oft, zu welchen Anlässen und welche typischen Selfie-Trends gerade unter Jugendlichen angesagt sind.
Anschließend arbeiten die Schülerinnen und Schüler nach einer kurzen Einzelarbeitsphase zu zweit: Sie betrachten die Bildauswahl und notieren, welche Selfie-Trends sie dabei entdecken. Im folgenden Partnergespräch tauschen sie sich über ihre Notizen aus und klären zusätzlich: Welche Trends benutze ich? Warum? Wie stelle ich mich selbst dar? (worksheet 1 und 2 ).
Bei der Auswertung im Plenum werden gemeinsam Bezeichnungen für die Selfie-Typen gefunden und an der Tafel oder auf Flipchart-Papier gesichert. Oder die kleinen Bilder (worksheet 1) werden einzeln auf DIN A3-Papier kopiert und bei der Auswertung mit Trendbezeichnung versehen. Diese so entstandenen Poster visualisieren die Ergebnisse für die die Weiterarbeit. Es wird deutlich, welche Trends bereits bekannt sind und auch von den Lernenden oder ihren Peers verwendet werden. Folgende Arten werden vermutlich genannt: Grimassen-Selfie, Ussie (von „us), Shelfie (ein Selfie vor einem Bücherregal), Suglie (Man versucht, möglichst hässlich auszusehen, von „ugly), fish gape, T-Rex hand, mirror selfies, handface, footsie oder petsie/pelfie (Selfie mit einem pet). Es wird hinterfragt und gesichert, welche codes welche Wirkung erzielen (sollen).
Stummes Schreibgespräch
Alternativ bietet sich hier ein Schreibgespräch an. Dazu werden die Bilder so auf Flipchart-Papier geklebt, dass genügend Platz bleibt, Kommentare drum herum zu schreiben. Die Bilder werden auf Tischen im Klassenraum ausgelegt. Außerdem liegen Stifte in diversen Farben bereit. Die Lernenden gehen in unbestimmter Reihenfolge von Tisch zu Tisch, äußern sich schriftlich zu den mündlich gegebenen Arbeitsaufträgen...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Englisch Nr. 158 / 2019

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Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 9-10