Freebie: Dokumentarfoto-Ausstellung planen

How to turn reality into fiction like Martin Parr

Fotografie spielt in der Welt von Jugendlichen, vor allem in sozialen Netzwerken, eine große Rolle. Während es bei Selfie & Co um die Selbstinszenierung geht, erzählt Dokumentarfotografie Geschichten, ist kritisch oder humorvoll. Inspiriert von dokumentarische Fotoserien des britischen Fotografen Martin Parr richten die Lernenden die Kameralinse auf ihr persönliches Umfeld und präsentieren ihre Fotos mit Begleittexten in einer Ausstellung. Mit kostenlosem Portfolio.

Man belädt eine Waschmaschine im Waschsalon
Dokumentarfotografie fängt die kleinen Szenen des Alltags ein und ermöglicht einen frischen Blick auf scheinbar Selbstverständliches Bild: Thomas Leuthard CC BY 2.0

Die Dokumentarfotografie hält Szenen aus dem Alltag fest – weil sie witzig sind, exemplarisch, denkwürdig oder ästhetisch ansprechend oder weil sie eine Geschichte erzählen. Die Kameralinse macht das Geschehen zu einem bewusst gestalteten Bild mit einer Aussage. Das setzt ein „unbedingtes Interesse für Menschen und Dinge, für Vorgänge und Strukturen“ voraus (Elisabeth Neudörfl). Die Dokumentarfotografie hat häufig eine sozialkritische Haltung. Sie hilft, Zusammenhänge aufzudecken und Dinge sichtbar zu machen, zu deren Wahrnehmung wir die Reduktion auf das Bild brauchen.

Grotesk, übertrieben und trotzdem sehr wahr

Die Arbeit des britischen Fotografen Martin Parr eignet sich besonders, eine kritische Reflexion der uns umgebenden Bilderwelt anzustoßen. Seine Bezeichnet er selbst doch die überwältigende Wirkung publizierter Bilder als „Propaganda“ und versucht dem durch seine eigenen Bilder entgegenzuwirken. Sie scheinen oft grotesk oder übertrieben, mit ungewöhnlichen und doch alltäglichen Motiven, grellen Farben und ungewohnten Perspektiven. So kann man auf seinen Fotos das bizarre Verhalten von Menschen am Strand oder die erstaunlich spießigen Vorlieben von schrill gekleideten Goth-Fans beim Festivalbesuch betrachten.

Parrs Bilder durchbrechen unsere Sehgewohnheiten. Viele von Parrs Themen – Freizeit, Konsum, Kommunikation – sind für Heranwachsende relevant. Seine Serien mit Fokus auf die britische Kultur erlauben das für den Fremdsprachenunterricht besonders relevante kulturelle Sehen. Dazu eigenen sich seine Serien Clacton, Southend, Whitby Goth Weekend oder Think of Scotland. Andere Serien wie Death by Selfie oder The Selfie Stick und The Facebook Problem sind explizit medienkritisch.

Zeitschrift
Unterricht Englisch Nr. 158/2019 Bilder lesen – Photography

Fotos sind ein eigenständiges Medium, für das Lernende Verstehensstrategien entwickeln müssen.

18,50 EUR Preise jeweils zzgl. Versandkosten

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Weitere Vorbilder

Im deutschsprachigen Raum ist der Schweizer Thomas Leuthard ein Vorbild für viele Straßenfotografen. Er fotografiert ganz in Schwarz-Weiß. Der Londoner Bob Mazzer fotografiert Mitreisende in der Tube, denen er auf seinem täglichen Arbeitsweg begegnet. “I love taking photographs of people on the tube, […] “I say to them, ‘You look fantastic, can I take your picture?’ and they say, ‘Yes.’”. Eine andere Idee wäre es, in regelmäßigem Abstand ein Foto von immer derselben Stelle in einer Stadt zu machen und darauf festzuhalten, was an diesem Tag genau dort gerade passiert. Nichts gestellt oder abgesprochen – Stephen Leslie fängt Momente aus dem Alltag ­einer großen Stadt oder an anderen öffentlichen Orten ein.

What is a family? What does a family look like? Das waren die Fragen, die sich die britische Fotografin Sian Davey für ihre Serie “Together” stellte. Sie sagt dazu: [The people I photographed] have chosen to enter into a relationship with each other; one that will – in some shape or form – last the duration of their lives. They have become a family.

Kein Bild ohne Text

Wie man auf Martin Parrs Website oder denen der anderen Dokumentarfotografen, auf Fotoausstellungen und sogar auf Instagram sehen kann, werden die Fotos meist von mehr oder weniger ausführlichen Texten begleitet. Diese kommentieren die Fotos auf ganz unterschiedliche Weise: Abgesehen von Aufnahmeort oder technischen Daten geben sie Informationen zu den Leitgedanken oder Themenstellungen, die den Aufnahmen zugrundeliegen oder fügen Sachinformationen oder Kontexte zum Abgebildeten hinzu. Sie informieren über die Situation, in der das Foto entstanden ist: Was war gerade zuvor passiert? Was geschah danach? Oder die Fotografen begründen in ihren Texten, warum gerade diese Situation sie dazu verleitet hat, auf den Auslöser zu drücken: Was möchten sie mit ihrem Bild transportieren? Wie hängt es mit anderen Fotos aus der Serie zusammen?

Eigene Dokumentarfoto-Ausstellung gestalten

Wenn Sie jetzt ihre Freude am Fotografieren und am Betrachten von Dokumentarfotos (wieder-)entdeckt haben, planen Sie doch mit Ihrer Klasse eigene Dokumentar-Fotoserien mit passenden Begleittexten für eine Ausstellung.  Wie man sie dazu anleiten kann, erläutern Thomas Müller und Claudia Bubel, Referentin für Englisch am Landesinstitut für Pädagogik und Medien Saarland in ihrem Unterrichtsvorschlag in der Ausgabe "Bilder leser: Photography" des Fremdsprachlichen Unterricht Englisch. Wir schenken Ihnen dazu Arbeitsblätter für ein Portfolio, in dem die Lernenden ihre Ergebnisse sammeln und ihren Arbeitsprozess reflektieren können. Außerdem enthält diese Ausgabe weitere erprobte Unterrichtsideen für alle, die gerne fotografieren und sich darüber austauschen und die visual literacy fürs Zeitalter der Bilder erwerben möchten.


Zur Unterrichtseinheit

Zum Heft Bilder lesen: Photography

Zum Portfolio

Fakten zum Artikel
Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 10-13
Zeitschrift
Kunst 5–10 Nr. 51/2018 Fotografieren

Fotografie und Bildbearbeitung begegnen uns in Zeiten massenmedialer Bilderflut Tag für Tag und häufiger denn je. Sei es beispielsweise in Zeitschriften, der Werbung oder im Rahmen sozialer Netzwerke. Digitalkameras sind mittlerweile fester Bestandteil unseres Alltags und Smartphones werden – gerade von den sogenannte „digital natives“ – viele Male täglich insbesondere für Fotozwecke genutzt.

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Digitalfotografie für den Biologieunterricht

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Zeitschrift
Kunst und Unterricht Nr. 319/2008 Digitale Fotografie

Digitale Fotografie ist bei Kindern und Jugendlichen eine selbstverständliche Kulturtechnik geworden. Die Bilder der Handys, Kameras und des Internets bestimmen ihren Alltag. Diese Ausgabe von Kunst+Unterricht löst bewusst die Fotografie aus dem Multimedia-Verbund, um ihre didaktischen Potentiale herauszuarbeiten und um kunstpädagogische Chancen und Probleme dieses Mediums zu verdeutlichen.

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