Stefan Möller

Mine Be Thy Love

Ein Liebeslied zur Laute – Shakespeares Zeitgenosse, der Komponist Nicholas Lanier (links) hätte die Inhalte von Sonnet 20 wahrscheinlich so mit Musik verstärkt
Ein Liebeslied zur Laute – Shakespeares Zeitgenosse, der Komponist Nicholas Lanier (links) hätte die Inhalte von Sonnet 20 wahrscheinlich so mit Musik verstärkt, Bild: Portrait of Nicholas Lanier playing a lute (unknown painter, 1613)/Wikimedia Commons

Stefan Möller

Vom Text zur Musik: Shakespeares Sonette vertonen

Musiker vertonen gerne Lyrik, weil Rhythmus, Reim, Klang und Betonung im Ausgangstext schon angelegt sind. Zu allen Zeiten besonders beliebt sind dabei Texte über die Liebe wie z.B. Shakespeares Sonette. Die Lernenden erkunden Inhalt und ästhetische Mittel von Shakespeares Sonnet 20 (A Womans Face) und dessen musikalische Umsetzung durch Rufus Wainwright und vertonen selbst ein Shakespeare-Sonett.

Shakespeares Sonette sind auch jenseits der Vorgaben für das Zentralabitur Teil des Literaturkanons der gymnasialen Oberstufe und werden gelegentlich auch schon in der Mittelstufe gelesen. Typische Anknüpfungspunkte sind Unterrichtsreihen zu den Dramen des Barden oder zu elisabethanischer Liebeslyrik, in denen häufig Sonette von Spencer zum Vergleich herangezogen werden. Denkbar sind aber auch Unterrichtssequenzen unter dem Motto „Make love, not war, in der Beispiele für Liebeslyrik und WW1 poetry etwa von Owen, Sassoon, Read oder Hodgson mit BIick auf die Darstellungsmittel kontrastiert werden. Shakespeares Sonette bieten sich aber auch für eine diachrone Betrachtung der Behandlung des Themas Liebe an und können leicht in einen fachübergreifenden Ansatz eingebettet werden. Beethovens Liederzyklus „An die ferne Geliebte oder Mahlers RückertLieder sind geeignete Gegenstände ebenso wie Darstellungen in der Malerei.
Produktionsorientierte Zugänge zu Shakespeares Sonetten
Shakespeares Sonette werden im Englischunterricht leider allzu häufig auf eine analytisch-kognitive Durchdringung reduziert. Die nächste Klausur übt einen zu großen Druck auf die Lehrkräfte aus, um auch alternative, produktionsorientierte Zugänge zu berücksichtigen (vgl. Volkmann 1998 oder Taubenböck 2004). In dieser Unterrichtsidee sollen nun Wege aufgezeigt werden, wie die musikalische Qualität lyrischer Texte produktionsorientiert zur Gestaltung eigener Vertonungen genutzt werden kann.
Inhalt und Form
In einem ersten Schritt erkunden die Lernenden sowohl inhaltliche als auch klangliche Aspekte von Shakespeares Sonnet 20 (worksheet 1 ) und die musikalische Umsetzung durch Rufus Wainwright. Shakespeares Sonnet 20 ist hierfür aus verschiedenen Gründen geeignet. Zum einen liegt eine aktuelle Vertonung von Rufus Wainwright vor, die auch Teil der 2009er-Inszenierung von 25 Shakespeare-Sonetten durch Robert Wilson am Berliner Ensemble war. Zum anderen gehört es inhaltlich zu den eher weniger gelesenen, aber gleichzeitig kontrovers diskutierten Sonetten, als Teil jener Texte, die an den Fair Youth gerichtet sind und als Beleg für Shakespeares Homosexualität genommen werden. Hilfestellungen für die inhaltliche Erschließung finden sich an verschiedenen Stellen im Internet.
Vertonung
Anschließend vertonen sie selbst gewählte Sonette des Barden, wobei „vertonen in diesem Unterrichtsvorhaben bedeutet, eine Klangvorstellung zu dem gewählten Text zu entwickeln und dann in Töne, Geräusche oder Melodien umzusetzen. Der Textinhalt kann so verstärkt, verfremdet, ironisiert werden: der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Der Text ist jedoch immer Ausgangspunkt und auch obligatorischer Teil des entstehenden Stückes.
Das finale Produkt soll als Tondatei mit der kostenlosen Software Audacity (www.audacity.de) erstellt werden, die es erlaubt, auch mehrere Tonspuren miteinander zu kombinieren und verschiedene Soundeffekte einzusetzen. Dieses Verfahren ermöglicht in Abgrenzung zu einer Live-Performance ein tatsächliches Komponieren und den Einsatz technischer Möglichkeiten zur Produktion einer sehr differenzierten Klangvorstellung. Die vorzügliche Webseite www.audacity.de bietet viele Hinweise zum Gebrauch der Software, so dass sich auch Nutzer mit keiner oder wenig Erfahrung schnell einarbeiten können und die Technik nicht die kreative und sprachproduktive Tätigkeit der Lernenden überlagert.
Lernzuwachs
Die Verbindung eines analytischen Ansatzes mit kreativen Verfahren,...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Englisch Nr. 152 / 2018

Music

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-13