Katalin Schober

“Hair as race metaphor”

Die Rastafaris verstehen den äthiopischen Kaiser Haile Selassie (l.) als neuen Heiland. Ihre Haare stehen für den Protest gegen rassistische Unterdrückung und für den Stolz auf die afrikanische Herkunft
Die Rastafaris verstehen den äthiopischen Kaiser Haile Selassie (l.) als neuen Heiland. Ihre Haare stehen für den Protest gegen rassistische Unterdrückung und für den Stolz auf die afrikanische Herkunft, Foto: © imago images/PanoramiC

Katalin Schober

Dürfen Menschen, die nicht zu den People of Colour zählen, Dreadlocks tragen oder ist diese cultural appropriation Rassismus? Die Lernenden recherchieren die kulturelle Bedeutung derFrisur und sammeln Argumente zu dieser Streitfrage aus einer TV-Diskussion, einem Zeitungsartikel und dem Roman Americanah der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie. Sie stellen ihre eigene Meinung in einem Blog ähnlich denen im Roman dar und begründen sie.

Anhand der Dreadlock-Debatte und des RomansAmericanah kulturelles Verstehen schulen
Im Frühjahr 2016 provozierte der Haarschopf des kanadischen Popstars Justin Bieber einen großen Aufschrei: Auf seinem Kopf spross etwas, das wie der Beginn einer veritablen Dreadlock-Frisur aussah obwohl Bieber nicht zu den People of Colour gehört. Denn für Afroamerikaner sind Dreadlocks nicht einfach nur eine Frisur unter vielen: Sie stehen für Identität und Protest gegen eine Mehrheitskultur, die sich die Geschichte und kulturellen Errungenschaften der Afroamerikaner aneignet und als die eigenen ausgibt.
Die dreadlock debate
Ursprünglich in der Tradition hinduistischer Mönche sowie im antiken Ägypten wurzelnd, erfuhren Dreadlocks im Nachgang der Dekolonialisierung Afrikas eine selbstbewusste Aneignung durch die jamaikanische Bewegung der Rastafaris (Kasten 1 , (vgl. McFadden 2016). Um ihre afrikanische Identität zu unterstreichen, beriefen sich diese auf das Ursprungsland der Dreadlocks, Äthiopien, und den früheren äthiopischen Kaiser Haile Selassie (Ras Tafari), der ihren Trägern den Namen und den Dreadlocks eine politische Bedeutung gab. Sie signalisierten Protest gegen rassistisch motivierte Unterdrückung und dienten als Zeichen einer Africanness, also des Stolzes auf die eigene, in Afrika wurzelnde Geschichte. Als der Popstar und Teenieschwarm Justin Bieber nun ohne politische Agenda und aus reiner Freude an einer Modeerscheinung Fotos von sich mit Dreadlocks veröffentlichte, wurde er der kulturellen Aneignung bezichtigt. Nach der geläufigen Argumentation teilen demnach Personen, die nicht zu den People of Colour gezählt werden können, keine gemeinsame afrikanische Identität. Auf diese können sie sich folglich auch nicht berufen: Eine afrikanische Identität sei People of Colour vorbehalten, die auf ein gemeinsames Erbe der (De-)Kolonialisierung zurückblicken, und die auch weiterhin vielfältige Formen rassistischer Diskriminierung ertragen müssen. Der Vorwurf der kulturellen Aneignung, der im Englischen als cultural appropriation noch viel schärfer anmutet, impliziert somit nichts weniger als den Tadel, kulturelle Machtansprüche und damit eine weitere Form des Rassismus im Alltag fortzuschreiben.
Rastafaris
Rastafaris
Der wohl bekannteste Rastafari dürfte sicherlich Bob Marley sein, der mit seiner Reggae-Musik das Bild des ungestümen, Marihuana konsumierenden Musikers nachhaltig geprägt und weitere Künstler, wie den Rapper Snoop Dogg, beeinflusst hat. Die Rastafaris sehen ihre Bewegung hingegen im Ursprungsland der Dreadlocks, d.h. in Äthiopien begründet. Sie berufen sich zugleich auf den früheren Kaiser Haile Selassie (Ras Tafari), der den Trägern der Dreadlocks den Namen (Rastafari) und ihrer Frisur eine virulente politische Bedeutung gab. So sehen sie in ihren Distinktionsmerkmalen einen Protest gegen rassistisch motivierte Unterdrückung sowie die selbstbewusste Behauptung einer Africanness, also eines Stolzes auf die eigene, in Afrika wurzelnde Geschichte.
Afropolitan, Africannessund Rassismus
Ihre Erfahrungen mit Formen des Alltagsrassismus hält die Protagonistin des Romans Americanah der nigerianischen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie fest (Kasten 2 ): Die junge nigerianische Studentin Ifemelu ist mit einem Stipendium in die USA eingereist und teilt in einem Blog ihre scharfsinnigen Beobachtungen über die feinen, oft rassistisch geprägten Distinktionen der US-amerikanischen Gesellschaft mit. Sie richtet sich an...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Englisch Nr. 166 / 2020

West Africa – Ghana & Nigeria

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-13