Präsenz- und Distanzunterricht oder Hybridunterricht

Digitalen Englischunterricht planen, Aufgaben konzipieren

Schülerinnen und Schüler schreiben und nutzen routiniert Instagram posts, tweets oder instant messenger-Nachrichten. Im Englischunterricht erwerben sie Schreibkompetenzen, mit denen sie diese digitale Kommunikation auch auf Englisch führen können. Komplexe Aufgaben steuern und fördern diese Kompetenzentwicklung. Was eine gute digitale Aufgabe ausmacht und wie man sie plant, erläutert Professor Hallet von der Universität Gießen hier.

Auszug aus einem Padlet für den digitalen Englischunterricht Boot Camp Morton Rhue
Foto: Dirk Beyer

Derzeit schreitet die Digitalisierung aller Lern- und Unterrichtsprozesse rasant voran. Das ist zum einen aus der Not während der Schulschließungen in der Corona-Pandemie geboren. Niemand weiß, ob auch in diesem Schuljahr das Vier-Stufen-Konzept der Kultusministerkonferenz wieder einen Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht erfordern wird. Zum anderen ist die Digitalisierung aus einem zeitgemäßen Englischunterricht nicht mehr wegzudenken. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Aufgaben für den digitalen Englischunterricht entwickeln, die alle Kompetenzen im Englischunterricht fördern und gleichzeitig die Vorteile digitaler Medien nutzen.

Digitale Kommunikation ist Alltag – auch im Englischunterricht

Jeden Tag nutzen Schülerinnen und Schüler zahlreiche digitale Formen und Genres der Informationsübermittlung, der persönlichen Kontaktaufnahme und der Netzwerkbildung etabliert, die spezifischen Kommunikationszwecken dienen. Beispiele sind Textnachrichten (z.B. WhatsApp) ebenso wie tweets oder instagram posts, aber auch blog posts oder audio podcasts. Deshalb muss auch moderner Englischunterricht Kompetenzen ausbilden, die die Schülerinnen und Schüler für das Verfassen dieser Kommunikationsformen benötigen.

Unterrichtseinheiten zum Thema digitaler Unterricht für das Fach Englisch

Wie Sie das Thema digitaler Unterricht auch in anderen Kontexten behandeln können, erfahren Sie in den folgenden Beiträgen, die über unser Angebot Friedrich+ Englisch abrufbar sind:

  • Wie sieht gutes classroom management für den digitalen Unterricht aus – besonders, wenn dieser auf Distanz erfolgen muss? Darauf sollten Sie achten.
  • Wie kann man die Sprechkompetenz der Schülerinnen und Schülerinnen in Videokonferenzen fördern? Diese 15 Methodenkarten geben Tipps für den Distanz- und den Präsenzunterricht.
  • Wie kann man die Vorteile digitaler Medien für die Arbeit mit Literatur nutzen? So funktioniert ein digitales tool, das Diskussionen über den Jugendroman Boot Camp strukturieren und anleiten kann.
  • Digitale Medien eignen sich für ein gezieltes Feedback zu Schülerprodukten. Erfahren Sie, wie man Lernende durch ein digitales Feedback motivieren kann.

Komplexe Aufgaben für den digitalen Englischunterricht

Wenn es um die gezielte Einübung solcher digitalen Formen der Kommunikation geht, sind komplexe Aufgaben das didaktische Instrument der Wahl. Denn komplexe Aufgaben definieren digitale Genres, die Teil der sozialen und kommunikativen Praxis der Lernenden sind, als Aufgabenziel und -produkt.. Komplexe Aufgaben modellieren lebensweltliche Kommunikationssituationen, in denen die Schülerinnen und Schüler ihre fremdsprachlichen Kompetenzen anwenden können. Dafür müssen sie all ihr fremdsprachliches Können und Wissen, aber auch ihr Welt- und sonstiges Wissen aktivieren– einschließlich der digitalen Kommunikation. Auf diese Weise entwickeln sie zugleich ihre Kompetenzen weiter. Da komplexe Aufgaben auf die möglichst selbständige Bearbeitung durch die Lernenden ausgelegt sind, eignen sie sich besonders auch für das Lernen auf Distanz; dies umso mehr, wenn auch die Zielprodukte digitaler Natur sind.

Aufgaben für den digitalen Englischunterricht konzipieren

Zu Beginn sollte sich eine Lehrkraft für ein Produkt entscheiden, das die Schülerinnen und Schüler erstellen sollen. Was ist das Ziel der Aufgabe? Das kann ein mündliches Produkt wie zum Beispiel eine voice mail ode ein schriftliches wie eine Textnachricht oder ein chat. Aufgaben für den digitalen Englischunterricht Art, üben also die elektronischen Varianten der herkömmlichen four skills in digitalen Umgebungen ein. Das Besondere digitaler Produkte ist häufig ihre Mischform bzw. Multimodalität: Instagram posts kombinieren Schrift und Fotos, Online-Videos kombinieren mündliche Sprache und bewegte Bilder.

Digitale Aufgabenprodukte lassen sich im Distanz- wie im Präsenzunterricht leicht veröffentlichen und mit anderen teilen und besprechen, zum Beispiel auf einer Lernplattform, einem Padlet oder einem andern passwortgeschützen Bereich im Internet. Die Liste der Beispiele, die sich als digitale Aufgabenprodukte eignen, ist lang:

  • blog posts
  • digitale photo stories
  • online video appliactions
  •  instagram poems
  • interaktive digitale stories mit Twine (https://twinery.org/)
  • video podcasts
  • digitale Bücher mit Book Creator
  • usw.

Digitaler Text-Input und digitales Scaffolding

Damit sich die Lernenden ein Thema selbstständig erschließen können, muss ihnen stets eine bestimmte Menge an Materialien und Texten bereitgestellt werden, mittels derer sie sich mit den Inhalten vertraut machen können. Digitale Medien dienen hervorragend dazu, Dateien zur Ansicht oder zum Download zur Verfügung zu stellen. Dort kann auch scaffolding hinterlegt werden, das sie bei der Arbeit anleitet und unterstützt – vor allem, wenn im Distanzunterricht die Lehrkraft oder Mitschülerinnen und Mitschüler nicht für eine Beratung zur Verfügung stehen. Aufgaben und Arbeitsblätter sollten (nicht nur) für den Distanzunterricht also so gestaltet sein, dass sie selbsterklärend sind. Dennoch sollten auch für den Distanzunterricht Kommunikationswege für Nachfragen, Klärungen oder Erläuterungen festgelegt sein, idealerweise per Video-Unterricht.

Die Aufgabeninstruktion

Die für den Distanzunterricht entworfene Aufgabeninstruktion muss im höchsten Maße präzise, vollständig und strukturiert. Rückfragen oder begleitende Erläuterungen sind in der Distanz schwieriger oder asynchron; daher müssen die Lernenden sich weitgehend auf die Aufgabeninstruktion stützen können. Im Grunde aber gelten die gleichen Prinzipien auch für den Präsenzunterricht: Je klarer und selbsterklärender die Instruktion, desto größer die Chance, dass die Lernenden selbstständig arbeiten.

 

Dieser Beitrag beruht auf

Wolfgang Hallet (2020): Digitale Aufgaben für den Präsenz- und Distanzunterricht konzipieren.“ In: Der Fremdsprachliche Unterricht Englisch, Ausgabe 167 [Distanzunterricht. Digitales Lernen]. 10 – 13.

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