Digitales Lernen im Englischunterricht

How to make best use of Tablets, Smartphones & Co

Seit Internet, Smartphone & Co immer und überall für jeden verfügbar sind, haben sich auch Unterrichtsprozesse gewandelt. Das Lernen ändert sich rasant und tiefgreifend. Thomas Strasser von der Pädagogischen Hochschule Wien erklärt, wie man digitales Lernen und gute Aufgaben zu einem erfolgreichen Unterrichtskonzept für den Englischunterricht verbindet.

Digitale Medien im Englischunterricht
So kann man digitales Lernen und gute Aufgaben zu einem erfolgreichen Unterrichtskonzept verbinden. Bild: Mudassar Iqbal / Pixabay

Digitale Medien im Englischunterricht: Immer stärker nimmt die Digitalisierung Einfluss auf Abläufe, Akteure und Materialien des Unterrichts. Sie verschiebt die Verhältnisse im didaktischen Dreieck zwischen Lehrenden, Lernenden und Lerninhalten. Nie zuvor war Wissen derart schnell und überall für den Lernenden und die Lehrkraft verfügbar. Nie zuvor gab es ein derart großes Angebot an digitaler Lern- und Übungssoftware, interaktiven Tools und internetbasierten Kooperations- und Kommunikationsplattformen.

Keep calm and use your smartphone - whenever it makes sense

Sie lieben und sie hassen es: Schülerinnen und Schüler von heute können sich ein Leben ohne Smartphone & Co nicht vorstellen. Lehrkräfte und Eltern haben Angst vor Überkonsum und Daddelei, die vom Lernen ablenken.

Die Wahrheit liegt wahrscheinlich wie immer in der Mitte. Englischdidaktiker Prof. Thomas Strasser von der Pädagogischen Hochschule Wien empfiehlt Folgendes: Für den Einsatz im Englischunterricht sollte man sich bei apps und digitalen Geräten immer folgende Fragen stellen:

  • Wie kann das Gerät oder die Software den Unterricht besser machen? Wie können sie das Lernen erleichtern? Gibt es eine Funktion, mit der sie den Unterricht bereichern, die traditionelle Lernmedien NICHT leisten können?
  • Wie muss die Arbeit mit den Geräten oder der Software in den Unterricht eingebunden sein. Welchen pädagogischen Überlegungen muss man dafür anstellen? Wie sehen didaktischen Konzepte aus? Wie kann man sie in gute Aufgaben und geeignete Übungstypen einbinden?
  • Wie lassen sich die digitalen Medien mit anderen bewährten Unterrichtsbestandteilen in einem blended learning-Konzept sinnvoll verknüpfen, so dass sie den Lernerfolg unterstützen?
  • Wie verändert sich die Lehrerrolle im digitalen Klassenzimmer?

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Digitale Medien im Englischunterricht: Von den Vor- und Nachteilen

Ja, die exzessive Nutzung von digitalen Medien kann Jugendlichen schaden. Digitale Medien können vom Wesentlichen des Unterrichts ablenken. Sie können Schülerinnen und Schüler beschäftigt halten, ohne dass sie einen Lernerfolg haben. Sie können durch schönes Design davon ablenken, dass Lernprodukte inhaltlich dürftig sind. Manche Lernsoftware bildet eine Art von Unterricht und ein Schüler*innen-Lehrkraft-Verhältnis ab, die heute nicht mehr als lernförderlich gilt. So unterstützen etwa multiple choice-Formate die Lernenden nicht darin, zu eigenständigen, für sie persönliche bedeutsamen Ergebnisse zu kommen. Sie killen den kommunikativen Unterricht. Deshalb sollte man sich immer kritisch die Frage stellen,

  • ob
  • in welchem Umfang und
  • zu welchem Zweck

Laptops, Smartphones und Tablets nun das Lehren und Lernen und speziell das (schulische) Fremdsprachenlernen vereinnahmen sollten.

Wie sich der Unterricht durch digitale Medien verbessern lässt

Andererseits ist es eine zentrale Aufgabe von Schulen und Lehrkräften, qualitativ hochwertige Lehr- und Lernumgebungen zu gestalten, um effektive Lernprozesse zu ermöglichen. Gekoppelt mit guten Lernaufgaben bereichern die digitalen Geräte und deren Anwendungen als Werkzeugkoffer fremdsprachliche Lehr-/ Lernprozesse.

Es geht somit nicht darum, bewährte Methoden des Fremdsprachenlehrens- und -lernens durch digitale Medien unreflektiert zu ersetzen. Vielmehr sollte man diejenigen Elemente des Fremdsprachenunterrichts identifizieren, in denen der Einsatz digitaler Medien tatsächlich einen klaren Mehrwert erzielt.

Digitale Medien im Englischunterricht haben diesen Mehrwert, wenn:

  • gut ausgebildete und in ihrer Mediennutzung kompetente, kritische und reflektierte Lehrkräfte
  • pädagogisch wertvolle apps
  • gut konstruierte mediale Nutzungsszenarien
  • mit den Inhalten und bewährten Methoden des Unterrichts verknüpfen und dafür
  • herausfordernde, kommunikative Lernaufgaben, Übungsgelegenheiten, Lern- und Projektarrangements entwerfen.

An welchen Stellen sich der Unterricht mit digitalen Medien verbessern lässt

Gelingt dies, können Lernende im Wort- und übertragenen Sinn ihr Lernen stärker selbst in die Hand nehmen. Didaktisch gut konzipiert und mit klaren Spielregeln für die Nutzung der Geräte können so etwa „Bring your own device“-Szenarien oder Tablets & Co dazu beitragen,

  • den Unterricht stärker von den Lernenden her zu gestalten und deren individuelle Bedürfnisse zu berücksichtigen
  • differenziert zu unterrichten
  • Gruppenarbeitsprozesse zu unterstützen, zu steuern und effizienter zu machen
  • Selbstlernen einzubinden
  • Übephasen zu integrieren
  • den bereits vorhandenen Kenntnisse im Medienumgang der Lernenden zu nutzen
  • die Kreativität der Lernende zu fördern
  • audiovisuelle Inhalte besser zu integrieren und
  • neue Inhalte in den Unterricht einzubringen

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Dabei darf man nicht der Gefahr erliegen, digitale Medien ihrer selbst willen einzusetzen. Man sollte sie vielmehr als Mittel zum Zweck sehen – dem Zweck der Verbesserung des Fremdsprachenlernens in ausgewählten Bereichen des Lernprozesses.

I have a stream 

Seine Empfehlungen zur Nutzung von digitalen Medien stellt Thomas Strasser in seiner keynote "I have a stream" vor. Sie können sich ein PDF des Vortrags hier herunterladen oder sich den Vortrag in ganzer Länge hier ansehen.

Konkrete Umsetzung im Unterricht 

Die Ausgabe „Digital Classroom“ des Fremdsprachlichen Unterricht Englisch stellt Beispiele für gelungenes digitales Lernen vor. Dabei machen alle Unterrichtsvorschläge deutlich, wie wichtig nach wie vor gute Lernaufgaben sind und welche Bedingungen gegeben sein müssen, damit kompetenzorientiertes, digital unterstütztes Lernen gelingt.


Literatur: Dieser Blogpost ist ein Auszug aus Torben Schmidt / Thomas Strasser (2016): „Digital Classroom.“. In: Der Fremdsprachliche Unterricht Englisch, Ausgabe 144 [Digital Classroom]. 2- 7.

Fakten zum Artikel
Methode & Didaktik Schuljahr 5-13
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