Zwei Alternativen zur Klassenarbeit vorgestellt von Pascal Schiebenes

Schülerleistungen im Distanzunterricht überprüfen

Zwei Alternativen zur Klassenarbeit vorgestellt von Pascal Schiebenes

Die Kultusministerkonferenz hat entschieden, dass im kommenden Schuljahr 2020/21 auch solche Leistungen bewertet werden dürfen, die die Lernenden zuhause in Phasen des Distanzunterrichts, während einer Quarantäne oder eines erneuten Lockdowns erarbeitet haben. Deshalb müssen auch Leistungsüberprüfungen möglich sein, die nicht als Klassenarbeit oder als Test im Klassenzimmer stattfinden. Sie müssen individuell und sowohl zeitlich als auch räumlich flexibel sein. Zwei Beispiele für geeignete Formate die sich auch für den Präsenzunterricht eignen.

Bevor man eine Form der Leistungsüberprüfung wählt, sollte man sich die Fragen stellen, was man mit deren Ergebnis anfangen möchte. Die Antwort sollte nicht nur lediglich sein, „um eine Note zu bekommen. Denn eine Leistungsüberprüfung ist auch als Rückmeldung für die Lernenden gedacht. Sie soll ihnen zeigen, ob und in welchem Maße sie ein Thema verinnerlicht haben. Dabei sagt eine Ziffernnote oft wenig aus. Sie hilft zwar, verschiedene Lernende zu vergleichen, macht aber den Kompetenz- und Wissenszuwachs eines einzelnen Lernenden nicht sichtbar.
Wie sinnvoll sind punktuelle Leistungsüberprüfungen?
In der Regel stellen Klassenarbeiten den Abschluss einer Einheit dar, was aus Schülersicht absurd ist: Wer in der Klassenarbeit eine schlechte Note hat, bekommt bescheinigt, dass er dieses Thema nicht richtig verstanden hat. Gleichzeitig ist klar, dass in der kommenden Stunde ein neues Thema beginnt und keine Zeit mehr dafür ist, alte Lücken zu schließen. Gerade in der Phase der Wiederaufnahme des Unterrichts nach dem Lockdown wurde deutlich, dass eine punktuelle Leistungsüberprüfung den individuellen Voraussetzungen der Lernenden nicht gerecht wird: Es wurden die extremen Unterschiede in der Ausstattung und Unterstützung zu Hause sichtbar.
Es gilt, neue Formen und Konzepte der Leistungsüberprüfung auszuprobieren und zu etablieren, in denen die Lernenden im Vorfeld des eigentlichen Tests ihren Wissensstand selbst kontrollieren können, ohne die Konsequenz einer Note. Es sollte auch der Prozess der Wissensaneignung sichtbar und honoriert werden, denn eine geeignete, strukturierte Herangehensweise ist bereits Teil der Leistung. Auf Basis solcher Tests entstehen dann individuelle Lernangebote, so dass jede/r der Lernenden nach den eigenen Bedürfnissen arbeiten kann. Hier zwei Vorschläge.
Das Lerntagebuch: Prozess im Blick haben
Eigentlich ist diese Methode ein alter Hut, aber dennoch wird sie nur selten umgesetzt. Doch das Lerntagebuch kann offenlegen
  • wie groß der Wissenszuwachs einer/s Lernenden war
  • auf welche Weise und mit welchem Zeitaufwand er oder sie sich das Wissen angeeignet hat oder
  • ob er oder sie gar in der Lage war, das Thema zu abstrahieren und zu hinterfragen.
In (digitalen) Lerntagebüchern oder Portfolios sammeln die Lernenden ihr Material zur Einheit und erarbeiten ein Thema selbstständig. Bereits in der Grundschule lernen Kinder Leporellos oder lapbooks kennen, in denen sie ein Thema ansprechend und mehrperspektivisch erarbeiten. Das Lerntagebuch eignet sich aber auch für höhere Klassen und komplexe Themen. Dafür erhalten die Lernenden einen Pool an Pflichtaufgaben, die die Basiskompetenzen überprüfen. Hinzu kommen Wahlaufgaben, die die Lernenden selbstständig bearbeiten. Die Lernenden führen ihr Lerntagebuch digital, z.B. auf einem Padlet (https://de.padlet.com/). Dort können sie ihre Ergebnisse hinterlegen, aber auch im laufenden Prozess Materialien verlinken, mit denen sie sich noch befassen möchten. Sie können per Passwort der Lehrkraft oder Mitschülerinnen und Mitschülern Zugang gewähren, die dort dann wiederum kommentieren, Vorschläge machen oder Hilfestellung geben können.
Lernvideos entwickeln: Erklären und verstehen
Wer etwas erklären kann, der hat es verstanden ihre Kenntnisse zu einem Thema könne die Lernenden im Distanzunterricht statt in einer...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Englisch Nr. 168 / 2020

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