Lotta König

Bildquellen lesen und kontextualisieren

Verschickt mit zärtlichen Gedanken an die Liebste zuhause – bestickte Feldpostkarte aus dem Ersten Weltkrieg
Verschickt mit zärtlichen Gedanken an die Liebste zuhause – bestickte Feldpostkarte aus dem Ersten Weltkrieg, Foto: Mrs C L Caulfield/Europeana 1914-1918, www.europeana.eu CC BY-SA

Lotta König

Bilder sind mehrfach kodierte Texte, in denen verschiedene Botschaften stecken, die entweder auf den ersten Blick oder auch erst beim genaueren Hinsehen erkennbar werden. Insbesondere, wenn Bilder in der Werbung oder zur politischen Propaganda eingesetzt werden, sind diese Absichten sehr bewusst gestalterisch umgesetzt  – im Ersten Weltkrieg ebenso wie heute. Die Botschaften dieser Bilder oder Text-Bild-Kombinationen entschlüsseln zu können und sie als gemacht zu erkennen, ist eine wichtige Fähigkeit für einen aufgeklärten Umgang mit Bildern in der hoch medialisierten Lebenswelt der Lernenden. Dafür brauchen die Lernenden Wissen über den Kontext des Bildes, bzw. die Fähigkeit, sich dieses Kontextwissen zu erarbeiten. Entsprechende Kontextualisierungsaufgaben werden hier als Verortung in historischen und kulturellen Kontexten, aber auch in den subjektiven Zugängen und Bezügen darauf verstanden.
Pictures with a purpose Was steckt in einem Bild?
Um die Bedeutungshaltigkeit von Bildern zu erkennen, erwerben die Lernenden zunächst Bildanalyse-Techniken (worksheet 1 ). Dazu wählen sie in Gruppen eine der Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg von worksheet 2 aus und beschreiben zunächst, was darauf zu sehen ist (Bildinhalte wie Personen, Objekte, setting). Anschließend analysieren sie die Bilddarstellungsverfahren wie Farb- und Lichtgestaltung, Perspektive und Rahmeneinstellung. Dieses Verfahren lässt sich auf andere Bilder übertragen.
Historische, kulturelle und individuelle Bezüge erkennen
Um die historischen und kulturellen Produktions- und Rezeptionskontexte der Bilder bzw. Bild-Textkombinationen miteinzubeziehen, überlegen die Lernenden, wer diese Postkarten wohl in Auftrag gegeben hat und welche(n) Adressaten er oder sie dabei wohl im Sinn hatte (published in/published to be bought by/sent to, worksheet 3 ). Dabei werden die Lernenden für das Zusammenspiel von Text und Bild sensibilisiert, sofern Text vorhanden ist (The text on or around the picture a. underlines the meaning of the picture, b. changes the meaning of the picture, c. contradicts the meaning of the picture, worksheet 3).
Auf der Grundlage der vorangegangenen Bildanalyse und des Produktionskontextes formulieren sie anschließend die Botschaft(en) (purpose/message), die sie aus ihrem Bild herausgelesen haben (worksheet 3). Bei Bedarf kann die Lehrkraft hier Beispiele für mögliche Absichten der Postkarten geben (z.B. trying to recruit soldiers, asking the population at home for support, encouragement, showing the superiority of their own forces/the inferiority of the enemy, thanking for the sacrifice, celebrating a victory, remembering someone etc.). Auf der Webseite https://www.worldwar1postcards.com/ können die Lernenden Näheres zu ihren und ähnlichen Postkarten herausfinden. Um die Propagandainhalte kritisch zu hinterfragen, überlegen sie, gegen welche Situationen, Probleme oder Argumente die Appelle der Postkarten wohl anschreiben bzw. -zeichnen.
Anschließend stellen sich die Lernenden ihre Feldpostkarten und die von ihnen analysierten Botschaften und möglichen Kontexte gegenseitig vor (z.B. in einem Gruppenpuzzle oder gallery walk). So entsteht in facettenreiches Bild von Kriegspropaganda und nationalistischen Diskursen im Ersten Weltkrieg.
Um die individuellen Bezüge auf diese kulturellen Diskurse nachzuvollziehen, imaginieren die Lernenden, was jemand denkt und fühlt, der/die diese Postkarten sieht und sich zugleich in der Situation befindet, auf die die Postkarte propagandistisch abzielt. Dazu machen sie sich zunächst Notizen und verfassen dann einen Text auf der Rückseite ihrer Postkarte aus Sicht eines/einer Engländer/in im Ersten Weltkrieg.
Aktuelle Beispiele in den sozialen Medien auswählen
Abschließend wird der Bezug zur Gegenwart hergestellt. Waren Postkarten das Medium der Wahl und massenhafte Modeerscheinung im Ersten Weltkrieg, so sind es heute die sozialen Medien...

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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Englisch Nr. 155 / 2018

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