World War I

(Not) playing the blame game

Der britische König George V. hielt gerade seinen Schönheitsschlaf, so schrieb sein Premierminister später, als er ihm die Nachricht von der russischen Mobilmachung am 1. August 1914 überbrachte – die George vielleicht mit einem Telegramm an seinen Cousin „Nicky“ aka Zar Nikolaus hätte stoppen können. Auch der deutsche König Wilhelm II. war seltsam teilnahmslos, als ihn sein Generalstabschef in derselben Nacht um Erlaubnis bat, die deutschen Truppen in Belgien einmarschieren zu lassen. Der Erste Weltkrieg  – ein Werk von Schlafwandlern?

Zar Nikolaus, König George V, Kaiser Wilhelm II
Zar Nikolas II. mit seinem Cousin König Georg V. (rechts) in deutschen (!) Militäruniformen in Berlin 1913, Kaiser Wilhelm II. als Großadmiral 1913 Foto: Ernst Sandau, Adolph Behrens (1913) / Wehrgeschichtliches Ausbildungszentrum der Marineschule Mürwik

Gibt es eine eindeutige Kriegsschuld? In einem Rollenspiel schlüpfen die Lernenden in die Rolle dreier zeitgenössischer Historiker und tauschen deren kontroverse Positionen zur Kriegsschuldfrage und ihre Perspektive auf die Julikrise 1914 in einer simulierten Fernsehdiskussion der BBC zum Jahrestag des Endes des Ersten Weltkrieges aus.

Komplexe Kompetenzaufgabe

In dieser komplexen Kompetenzaufgabe aktivieren die Lernenden ihr Wissen zum Ersten Weltkrieg, reorganisieren neu erworbenes fachliches Wissen und transformieren es selbstständig. Die ausgewählten Historikerpositionen spiegeln eine Interpretationsvielfalt und unterschiedliche Akzentsetzungen wider.

Drei Historiker, drei Meinungen

Der in Cambridge lehrende australische Historiker Christopher Clark sagt in seinem Buch The Sleepwalkers. How Europe Went to War und in seinen Vorträgen. dass es keinen Hauptschuldigen am Ersten Weltkrieg gab. Stattdessen habe es mehrere Staatsmänner gegeben, deren Handeln bzw. Nicht-Handeln und deren Unfähigkeit, die kommenden Gräuel zu antizipieren, die Welt ins Unglück gestürzt habe.

Zeitschrift
Unterricht Englisch Nr. 155/2018 World War I

Vor hundert Jahren endete der Erste Weltkrieg, doch in anglophonen Kulturen ist die Erinnerung daran in Texten, Kunst und Alltagskultur noch sehr lebendig.

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Dieses bewusst exkulpierende Bild wird von der kanadischen Historikerin Margaret MacMillan in ihrem Buch The War that Ended Peace. How Europe Abandoned Peace for the First World War konterkariert: Ihrer Ansicht nach haben sich einige Länder wie Österreich-Ungarn, Deutschland und Russland schuldiger gemacht als andere. Der britische Historiker Ian Kershaw gilt schließlich spätestens seit seiner zweibändigen Hitler-Biographie als einer der besten Kenner der deutschen und europäischen Geschichte dieses Zeitraums. Sein Epochenüberblick To Hell and Back. Europe 1914 – 1949 (2015) ist ein neues Standardwerk, das die Gemengelage der unterschiedlichen Interessen der einzelnen Mächte in der Krise des Sommers 1914 prägnant in wenigen Absätzen umreißt. Wie MacMillan sieht er in der bedingungslosen Unterstützung Berlins für Wien eine besondere Verantwortung der deutschen Reichsregierung. Er tritt damit revisionistischen Auslegungen des Titels von Clarks Studie entgegen, die das Verhalten der deutschen Politiker und Militärs zu relativieren suchen und dieses gleichsetzen mit dem bewusstseinslosen Handeln der „Schlafwandler“ in den anderen europäischen Hauptstädten. Die Einschätzung, dass Deutschland eine besondere Verantwortung in der Julikrise“ zukam, wird von den meisten Historikern geteilt.

Die Debatte

In der Debatte machen sich die Lernenden Perspektivität und Kontroversität in der historischen Diskussion bewusst. Sprachliche Unterstützungssysteme fördern und erleichtern dabei den Lernprozess im biligualen Geschichtsunterricht.

In der Printausgabe des Fremdsprachlichen Unterricht Englisch, Heft 155 findet sich ein ausführlich beschriebener Unterrichtsentwurf zu diesem Thema mit zahlreichen Materialien.


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Fakten zum Artikel
Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 10-13