Sustainable development goals

Where does all the e-waste go?

Ob Kühlschrank, Mikrowelle, Staubsauger oder Bügeleisen – kein Haushalt funktioniert ohne diese elektrischen Helfer. Auch Jugendliche verfügen über eigene Elektrogeräte von der elektrischen Zahnbürste bis zum Smartphone. Doch wohin kommen diese Geräte, wenn sie kaputt sind oder die Mode ein cooleres Modell erfordert? Im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung, die in allen Curricula verankert ist, erforschen die Lernenden den Lebensweg eines Handys. Ein aktueller Film zeigt Bilder von dessen Ende.

Junge sitzt inmitten von Elektroschrott
Eine Hölle wie das alttestamentarische Sodom - das ist für ihre Bewohner die Stadt Accra in Ghana, die vom Recycling von Elektroschrott aus der westlichen Welt lebt. Foto: Camino Film

Bis zu 50 Millionen Tonnen Elektrogeräte, so schätzt die UNO, werden jedes Jahr weltweit weggeworfen – weil sie durch noch modernere oder cooler ersetzt werden oder weil die Hersteller durch geplantes Kaputtgehen und die Unmöglichkeit einer Reparatur Geräte mit immer kürzeren Lebenszyklen auf den Markt werfen. Doch wohin kommen die Geräte dann? In Deutschland kostet es etwa 3,50 Euro, einen Computermonitor fachgerecht zu entsorgen – nur 1,50 Euro hingegen, ihn per Container auf die Müllberge der Dritten Welt zu bringen. Obwohl die sogenannte Basler Konvention von 1989 dies verbietet, landen allein aus Deutschland 100 000 Tonnen Elektroschrott (electronic waste, e-waste) auf Deponien in der Stadt Accra in Ghana, aber auch in Nigeria, Vietnam, Indien, China oder den Philippinen. Dort arbeiten Kinder und Jugendliche, die davon leben, die Wertstoffe aus den Kühlschrankleichen oder kaputten Computern zu recyceln. Dabei ruinieren sie ihre Gesundheit, denn deren Bestandteile wie Arsen, Blei (allein 1,5 kg in einem Röhrenmonitor), Cadmium (in Kontakten und Schaltern), verschiedene Kunststoffe (in Isolierungen und Beschichtungen) sind entweder selbst hochgiftig oder gehen beim Verbrennen in krebserregenden Rauch auf. Auch die Umwelt leidet unter den Abfallstoffen.

Vielen Konsumenten ist diese Kehrseite des elektrisch unterstützten Lebens eventuell nicht bewusst. Selbst wenn man argumentieren könnte, dass das Recycling Arbeitsplätze schafft – die meisten würden sicher zustimmen, weniger Elektroschrott besser für Mensch und Umwelt wäre. Die siebzehn sustainable development goals, die die UNO 2015 verabschiedet hat, regen unter anderem zur Reflexion über das eigene Konsumverhalten und dessen Folgen an. Mittlerweile ist ein Bewusstsein dafür ein Bildungsziel in den Curricula aller deutschen Bundesländer: Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Der Dokumentarfilm Welcome to Sodom zeigt die Lebensumstände von Menschen in der Recycling-Industrie der Dritten Welt. Er ist Aufhänger dafür, um Englischunterricht über die Folgen der Globalisierung und sustainable development goals wie good health, decent work and economic growth, responsible consumption und andere zu sprechen.

Vorbereitende Hausaufgabe

Als vorbereitende Hausaufgabe fertigen die Schülerinnen und Schüler eine Mindmap an, die alle elektrischen Geräte verzeichnet, die sie selbst besitzen und die im elterlichen Haushalt vorhanden sind. Die Bezeichnung dafür finden z. B. im kostenlosen Online-Bildwörterbuch von Merriam Webster unter „domestic appliances“.

Die Schülerinnen und Schüler entscheiden individuell, wie sie die Mindmap anordnen – ob sie die Geräte also nach Räumen sortieren, in denen sie aufbewahrt werden, nach Tageszeiten, zu denen sie verwendet werden oder nach Lebensbereichen wie Freizeit, Kosmetik, Haushalt usw. So entsteht ein individuelles Wörterbuch ‘electrical appliances’.

Zeitschrift
Englisch 5–10 Nr. 9/2010 Environment

In diesem Heft verstehen wir "Umwelt" nicht nur als "Natur" sondern als "Lebensumfeld" – und das ist für viele Schüler ein städtisches Umfeld.

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Für das Thema sensibilisieren

Die Lehrkraft bringt drei elektrische Geräte mit, die sie an diesem Tag schon benutzt hat, z. B. das Küchenradio, die elektrische Zahnbürste und das Handy. Die Schülerinnen und Schüler ergänzen, welche Geräte sie schon benutzt haben oder im Laufe des Tages noch benutzen werden. Diese werden an der Tafel gesammelt. So bringen sie die Ergebnisse ihrer vorbereitenden Hausaufgabe ein.

Die meisten elektrischen Geräte, z. B. Handys sind in ihrem Design Moden unterworfen oder werden in ihrer Funktionalität ständig weiterentwickelt. Moderne Geräte lassen sich häufig auch nicht reparieren, wenn sie kaputtgehen, oder die Reparatur lohnt sich aus Kostengründen nicht. Die Klasse bespricht deshalb die Fragen: How many different MP3 players, mobile phones etc. have you already owned in your lifetime? What happens to your mobile phone or to your CD player when they are broken?

Welcome to hell – your smartphone is already here

Vermutlich werden die Schülerinnen und Schüler nicht wissen, was mit ihren alten Geräten passiert. Sie sehen deshalb den Dokumentarfilm Welcome to Sodom, der 2018 im Kino lief. „Sodom“ nennen die Bewohner ihren Stadtteil Agbogbloshie, nach dem alttestamentarischen Sündenpfuhl. Dieses Gebiet von Ghanas Hauptstadt Accra, ein einstiger Sumpf, gehört zu den am schlimmsten verseuchten Orten der Welt und besteht aus einer riesigen Elektromülldeponie. In Off-Kommentaren schildern Bewohnerinnen und Bewohner ihren Alltag und die Bedeutung, die dieser Lebensort für sie einnimmt. Ruhige Bilder in langen Einstellungen zeigen, wie Frauen Wasser abkochen, das zum Trinken, Waschen und dem Ablöschen der Feuer dient. Auf der Suche nach Metallteilen schleifen Kinder Magnete über den Boden, die Männer zerlegen alte Rechner und brennen die Plastikumhüllungen der Kabel ab, um an Rohstoffe zu kommen, die sich weiterverkaufen lassen. Bei diesen Arbeiten, die mit einfachsten Mitteln und ohne Schutzbekleidung im Freien stattfinden, werden giftige Substanzen in die Luft, den Boden und das Grundwasser freigesetzt. Die Folgen für die Bewohner und die Umwelt sind katastrophal. Und doch ist Sodom für seine Bewohner neben einer Hölle auch ein Ort der Hoffnung – ein Ort, der Arbeit bietet und die Aussicht auf ein gutes Geschäft, das einen schließlich von dort wegführt, vielleicht schon morgen.

Wenn weniger Unterrichtszeit zur Verfügung steht, sehen die Schülerinnen und Schüler den nur etwa siebenminütiger Film von Greenpeace Where does the e-waste end up?, der Elektromüll-Recycling in Indien zeigt.

Abschluss und Anschluss

In einer kurzen Blitzlichtrunde sagt jeder, was ihn am Thema am meisten interessiert hat, was ihn am meisten beeindruckt hat usw. Es stellt sich die Frage: Was kann die sogenannte Erste Welt tun, um verantwortungsvoller mit dem Elektromüll umzugehen? Dazu sammelt die Klasse Ideen wie z. B. alte Geräte professionell recyceln lassen, nicht ständig neue Geräte kaufen, darauf achten, von welchen Unternehmen man seine Geräte kauft etc. Mehr Ideen dazu finden sich auf Seite Stories from a small planet des Fernsehsenders PBS.

Die Hausaufgabe kann eine Recherche auf einem Wertstoffhof sein: Die Schülerinnen und Schüler könnten einen Mitarbeiter eines Wertstoffhofs interviewen und in Erfahrung bringen, wie viel Elektroschrott im Monat angeliefert wird, was für Geräte das hauptsächlich sind und was mit ihnen dann passiert usw.

Ältere Schülerinnen und Schülern können sich ausgehend von dem Dokumentarfilm mit verschiedenen Formen des dokumentarischen Erzählens beschäftigen, Unterschieden zwischen den filmischen Mitteln in Welcome to Sodom und anderen Dokumentarfilmen untersuchen und überlegen, welche Haltung der Filmemacher in der Art und Weise des filmischen Erzählens zum Ausdruck kommt.


Literatur

visionkino.de

planet-wissen.de


Bildergalerie 

Zum Trailer 

Unterrichtstipps zum Film und Sachinformationen

Mehr Unterrichtsvorschläge zu Ecodidactics

Fakten zum Artikel
Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 7-8
Zeitschrift
Unterr. Wirtschaft + Politik Nr. 3/2016 Jugendkonsum

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Englisch 5–10 Nr. 47/2019 Global Goals

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Unterr. Wirtschaft + Politik Nr. 3/2012 Nachhaltigkeit

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