Gerd Kampen

(Not) playing the blame game

Gerd Kampen

Die Kriegsschuldfrage in einer TV-Debatte diskutieren

Der britische König George V. hielt gerade seinen Schönheitsschlaf, so schrieb sein Premierminister später, als er ihm die Nachricht von der russischen Mobilmachung am 1.August 1914 überbrachte die George vielleicht mit einem Telegramm an seinen Cousin „Nicky aka Zar Nikolaus hätte stoppen können. König Wilhelm II. war seltsam teilnahmslos, als ihn sein Generalstabschef in derselben Nacht um Erlaubnis bat, die deutschen Truppen in Belgien einmarschieren zu lassen. Der Erste Weltkrieg  – ein Werk von Schlafwandlern? Gibt es eine eindeutige Kriegsschuld? diskutieren die Lernenden hier.

Wer hat Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges? Diese Standardfrage des Geschichtsunterrichts steht auch im Zentrum von Christoper Clarks Studie The Sleepwalkers. How Europe Went to War in 1914 (2012). Diese geschichtliche Abhandlung wurde zu einem Erfolg weit über das Fachpublikum hinaus: Offensichtlich entsprach das Sachbuch dem Wunsch deutscher Leser, die Rolle des kaiserlichen Deutschlands in der Julikrise erneut auf den Prüfstein zu stellen und die gängige These von einer Hauptverantwortlichkeit Deutschlands für den Ersten Weltkrieg zu hinterfragen (vgl. z.B. Mombauer 2014:310 – 315). Auch wenn die Monografie die Ursachen für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges gesamteuropäisch betrachtet und nicht in die nationalstaatlichen Perspektiven eines blame game verfällt (Clark 2012:560), hat die Diskussion der Schuldfrage für den (bilingualen) Geschichtsunterricht viele Vorteile: Angesichts der katastrophalen Folgen des Ersten Weltkrieges ist es zutiefst menschlich, wenn Lernende nach einem oder mehreren Verantwortlichen fragen. Gerade hier sollte jedoch eine Problematisierung einsetzen, die auf monokausale Erklärungen verzichtet und die erinnerungspolitische Aufarbeitung des Ersten Weltkriegs und seiner Vorgeschichte als eine zentrale „politische Herausforderung der Gegenwart begreift (Münkler 2013:753 – 797).
In diesem Lernarrangement schlüpfen die Lernenden in die Rolle dreier zeitgenössischer Historiker und tauschen deren kontroverse Positionen zur Kriegsschuldfrage und ihre Perspektive auf die Julikrise 1914 in einer TV-Debatte aus.
Fachliche Voraussetzungen
Im bilingualen Fachunterricht sind die Kompetenzziele, anders als im reinen Englischunterricht, vor allem dominant fachlicher Natur (vgl. z.B. Böwing/Hallet 2017:5). Dies gilt besonders für eine differenzierte Auseinandersetzung mit der hochkomplexen Julikrise und der „verzwickten historiographischen Debatte (Mombauer 2013:11). Die fachunterrichtlichen Voraussetzungen für das hier vorgestellte Szenario einer Historikerdiskussion müssen dabei in den vorherigen Stunden gelegt worden sein. Bilinguale Lehrwerke und deutsche Geschichtsbücher für die Sekundarstufe I thematisieren den Ersten Weltkrieg im Anschluss an die Themen Deutscher Imperialismus und neue Bündniskonstellationen in Europa seit dem Regierungsantritt Wilhelms II. Die Lernenden müssen auch über eine chronologische Übersicht über den Ablauf der Julikrise verfügen, da sie nur auf Grundlage dieses historischen Orientierungswissens einzelne Quellen konkret einordnen können. Des Weiteren sollten vor dem Rollenspiel zentrale Themen und Begrifflichkeiten wie der Schlieffen-Plan des deutschen Generalstabs, die Modalitäten einer partiellen oder vollständigen Mobilisierung oder der berühmte Blankoscheck im Unterricht behandelt worden sein (Kasten 1).
1|Glossary and definitions of key terms
1|Glossary and definitions of key terms
Mobilization, to mobilize: In military terms the act of assembling and preparing troops for war, e.g. by calling soldiers of the reserve to arms or by transporting troops to areas where they might be needed. In a partial mobilization only parts of the armed forces are brought to a state of readiness for war while in a general mobilization all forces and resources are mobilized because of a...
Unterricht Englisch
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Englisch Nr. 155 / 2018

World War I

Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10