Johannes Miethner | Philipp Brandenburger | Dirk Groβ

Schulleitungen & Corona: Herausforderungen und Erkenntnisse

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Johannes Miethner | Philipp Brandenburger | Dirk Groβ

Um in Erfahrung zu bringen, wie die Schulen des Landes mit den durch die Schulschließungen bedingten Herausforderungen umgehen und um Hinweise für die künftige Ausrichtung von Unterstützungsangeboten zu erhalten, wurde das Pädagogische Landesinstitut vom rheinland-pfälzischen Bildungsministerium beauftragt, eine Befragung aller Schulleiterinnen und Schulleiter durchzuführen.
An der vom 15. bis zum 24. April 2020 laufenden Befragung beteiligten sich 1.209 Schulleiterinnen und Schulleiter. Dies entspricht einem Anteil von 74%. Die Daten der bundesweit ersten Schulleitungsbefragung sind repräsentativ und entsprechen in hohem Maße der Verteilung der Schulleitungen nach Schularten im Land (vgl. Pikowsky, Brandenburger, Groß & Miethner 2020).
Digitale Formate und Plattformen als eine zentrale Herausforderung des Fernunterrichts
Im Folgenden werden ausgewählte Ergebnisse dieser Befragung dargestellt. Dabei fokussieren wir auf die Ergebnisse zur Nutzung digitaler Lernformate und Lehr-Lern-Plattformen als eines der zentralen Themen, die als Folge der Schulschließungen unter den Beteiligten kontrovers diskutiert wurden. Den rheinland-pfälzischen Schulleiterinnen und Schulleitern wurden insgesamt vier Aussagen vorgelegt, die sich mit der Nutzung digitaler Lehr-Lern-Plattformen beschäftigen (vgl. Abb. ).
Die Nutzung digitaler Formate und Plattformen unterscheidet sich deutlich nach Schularten
Die Einschätzungen zu den in der Abbildung aufgeführten vier Aussagen werden über alle Schularten hinweg im Mittel deutlich unterschiedlich bewertet. Sowohl die Aussage zur Nutzung digitaler Lehr-Lern-Plattformen, wie z.B. Moodle (MW = 2,39), als auch die Aussagen zum gegenwärtigen Gelingen eines mit digitalen Lernformaten unterstützten Unterrichts (MW = 2,51) erfahren weder eindeutige Zustimmung noch eindeutige Ablehnung.
Hier lohnt sich der Blick auf die unterschiedlichen Schularten. Bei den Förderschulen (MW = 2,8 bzw. 2,05) und bei den Grundschulen (MW = 2,39 bzw. 2,12) ist man nach Einschätzung rheinland-pfälzischer Schulleiterinnen und Schulleiter mit der Umsetzung und der Nutzung digitaler Lernmethoden bzw. Plattformen gegenüber den Gymnasien (MW = 2,96 bzw. 3,26) und den Berufsbildenden Schulen (MW = 2,92 bzw. 3,05) weniger weit vorangeschritten.
In den offenen Antworten der Schulleiterinnen und Schulleiter wird deutlich, dass die mangelhafte digitale Ausstattung für viele Schulen ein großes Problem darstellt, wie dies exemplarisch eine Schulleitung anmerkt: „Es wird derzeit offensichtlich, wie groß grundsätzlich der Nachholbedarf in diesem Bereich ist, und lässt hoffen, dass in Zukunft mehr und schneller in digitale Medien investiert wird. Dabei wird nicht nur die unzureichende Ausstattung der eigenen Schule beklagt. Auch die digitale Ausstattung der Schülerinnen und Schüler, generell technische Probleme in der Fläche, wie z.B. kein oder nur unzureichender Zugang zum Internet oder das Fehlen geeigneter Kommunikations- bzw. Lernplattformen, werden von Schulleitungen als Problem benannt. Das Land Rheinland-Pfalz hat mit einer kostenfrei nutzbaren Videokonferenzlösung für alle Schulen sowie mit einer Ausleihe von Endgeräten für Schülerinnen und Schüler bereits nachgesteuert.
Die Digitalisierung erfährt einen gewaltigen Schub
Die Antworten der Schulleitungen auf die beiden anderen Aussagen deuten an, dass die Schließung der Schulen in Rheinland-Pfalz der „Digitalisierung von Schule und Unterricht einen gewaltigen Schub geben könnte, wie dies mittlerweile auch einige Studien zum Fernunterricht erkennen lassen (vgl. z.B. Eickelmann & Drossel 2020; Huber u.a. 2020). Demnach stimmen die Schulleiterinnen und Schulleiter folgenden Aussagen in der Tendenz eher zu: „Die Kolleginnen und Kollegen an meiner Schule setzen sich seit der Schulschließung verstärkt mit den Möglichkeiten digitaler Lehr-Lern-Formate auseinander und „Als Schulleiter möchte...
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Fakten zum Artikel
aus: On lernen digital Nr. 2 / 2020

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