Stefan Aufenanger

Schule selbst gestalten

© Johannes Zylka

Stefan Aufenanger

Kreativität und individualisiertes Lernen an der Alemannenschule Wutöschingen

Stefan Aufenanger führte das Gespräch mit Johannes Zylka , der einige Jahre Lernbegleiter an der Alemannenschule Wutöschingen war. An dieser Schule wurden nicht nur Lernräume neu organisiert, sondern auch Lernformen.
Aufenanger: Herr Zylka, was war der Anlass, die Schule neu zu gestalten?
Zykla: Der ganz konkrete Anlass war eine Studie aus dem Jahr 2009, aus der klar hervorging, dass die Alemannenschule in Wutöschingen im Jahre 2017 bzw. 2018 wegen fehlender Schüler keine Sekundarstufe mehr haben würde. Der Schulleiter hat den Bürgermeister über diese Studie informiert, der entschied, dass hier dringend etwas passieren müsse. Das war dann der Startschuss der Schulentwicklung.
Welche Prinzipien lagen der Innovation zugrunde? Was wollte man erreichen?
Der Schulleiter Stefan Ruppaner war schon immer etwas unzufrieden mit den Rahmenbedingungen, die man an regulären Schulen findet. Aufgrund seiner Erfahrung war er der Meinung, dass die traditionelle Schule Lernprozesse eher behindert als fördert. Ein wichtiges Prinzip war daher, die Autonomie der Lernenden zu unterstützen bzw. ihnen einfach ein Stück weit zu vertrauen und damit die Selbstverantwortung in den Vordergrund zu rücken. Dadurch folgen dann diverse andere Aspekte, wie die Steigerung der Motivation und Selbstwirksamkeit.
Für die selbstständige Arbeit der Schülerinnen und Schüler gibt es sogenannte Lernräume, die sehr kreativ gestaltet sind. Wie sehen diese aus?
Die Schule wurde in drei Lernhäuser umgestaltet. Im Erdgeschoss findet man jeweils eine Garderobe, einen Marktplatz, Input-Bereiche und ein Lernatelier . Im Eingangsbereich ziehen sich die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte und auch die Besucher ihre Straßenschuhe aus und angeschaffte Hausschuhe an, und gehen dann auf den Markplatz oder in einen der Input-Bereiche. Der Marktplatz ist ein kooperativer Lernbereich: Dort sitzen Kinder ganz verteilt, größtenteils ohne Aufsicht, und lernen. Die Input-Bereiche sind kleine, digital gut ausgestattete Klassenzimmer, in denen etwas präsentiert werden kann. Dort gibt es übrigens auch Stehtische, explizit keine Sitzgelegenheiten, weil die Inputs kurz und knackig sein sollen, also ausgelegt für eine Aufenthaltsdauer von maximal 20-25 Minuten. Sowohl die Kinder als auch die Lehrkräfte sind gezwungen, sich daran zu halten.
Die Lernateliers befinden sich im ersten Stock. Dort kann eine große Anzahl Kinder lernen, allerdings ist hier „Flüsterzone. Die Arbeitsatmosphäre ist dann ähnlich wie in einer Bibliothek. Da die Schülerinnen und Schüler autonom lernen, machen sie selten gleichzeitig dasselbe. Manchmal kommt ein Lernbegleiter vorbei und schaut, was sie tun. Aber in der Regel geschieht das Lernen eigenverantwortlich.
Damit das funktioniert, sind klare Regeln und Strukturen essenziell. Dazu wurde ein Graduierungssystem eingeführt mit vier Status: Neustarter, Starter, Durchstarter und Lernprofi. Der Status hat nichts damit zu tun, wie gut jemand ist, sondern wie zuverlässig und wie sehr sie oder er sich an die Regeln halten kann. Es kann durchaus sein, dass ein Lernprofi jemand, der sehr hohe Freiheitsgrade genießt, natürlich auch viele Pflichten hat auch zu Hause lernen darf. Es kann aber auch jemand Lernprofi sein, der den Hauptschulabschluss anstrebt und, was die Leistung angeht, nicht ganz vorne mitmischt. Weil einfach klar ist, sie oder er tut alles, was geht, und hat dadurch auch diverse Freiheiten.
Wir stellen fest, dass aufgrund dieser Freiheiten das Thema Kreativität ein ganz entscheidendes ist. Erst durch diese Freiheiten wenn ich also meine Pflichten im für mich passenden Tempo abgehakt habe kommt es zu kreativen Prozessen. Wenn man bedenkt, dass die Schule in Wutöschingen einmal Brennpunktschule war, dann ist diese Entwicklung ganz erstaunlich.
Haben bei der Schulplanung digitale Medien schon eine Rolle gespielt,...
On lernen digital
Sie sind bereits Abonnent?

Mein Konto

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

On lernen digital abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: On lernen digital Nr. 1 / 2020

Kreativität digital

Kennzeichnung Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "on. Lernen in der digitalen Welt" Hintergrund Schuljahr 1-13