Stefan Aufenanger

Schulbibliothek als Inkubator: das iCentre in Sidney

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Stefan Aufenanger

Wie die internationale Forschung deutlich macht, spielen Schulbibliotheken für die Leistungsqualität der Schülerinnen und Schüler eine bedeutende Rolle, auch wenn sich nicht immer ein eindeutiger Zusammenhang herstellen lässt (Gaus 2005). Eine der wenigen vorliegenden Studien in Deutschland (Richter 2014) kommt zu dem Schluss, dass die meisten Schulen in Deutschland zwar eine Schulbibliothek haben, diese aber häufig schlecht ausgestattet ist. So verfügen nur zehn Prozent der Schulen überhaupt über bibliothekarisches Personal, vielfach sind Eltern zur Betreuung gefragt. Nur wenige Büchereien besitzen eine Medienausstattung, die über schulrelevante Büchern hinausgeht, oder bieten außerunterrichtliche Angebote wie etwa Workshops oder Kurse an. Dass Schulbibliotheken auch anders aufgestellt sein können, zeigen viele Modelle im Ausland.
Von der Schulbibliothek zum „iCentre
Einen interessanten Ansatz verfolgt das Sydney Secondary College in Leichhardt, einem Vorort von Sydney in Australien. Es ist eine staatlich finanzierte, koedukative, duale, teilweise akademisch selektive und umfassende Realschule. Ab 2014 wurde die alte Schulbibliothek zu einem neuen Lernraum dem „iCentre umgestaltet, mit dem Ziel, für Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schülern einen Ort zu schaffen, der den Sinn für Innovation, Spiel, Basteln, Kreativität und Unternehmertum fördern und stärken kann. Das Ganze wurde als das Projekt „Bibliothek als Inkubator eingerichtet, um eine zukunftsorientierte Bibliothek zu schaffen. Der Begriff „Inkubator meint in unternehmerischem Kontext eine Abteilung, die sich mit Neuerungen beschäftigt, die zum Teil radikal sein können. Hier kann alles ausprobiert und erprobt werden, ohne dass sofort ein Erfolg nachgewiesen werden muss. Modelle können „ausgebrütet werden, die vielleicht auch quer zu den gängigen Angeboten stehen. Die oben genannte Schule hat sich auf den Weg gemacht, in diesem Sinne ihre Schulbibliothek als einen Ort zu verstehen, der eben nicht mehr nur Bibliothek ist, sondern darüber hinausgeht und Strukturen und Angebote so verändert, dass sie in Zukunft ein neues Modell für Schulbibliotheken darstellen.
Räume zum Diskutieren, Tüfteln und Rumhängen
Ein erster Schritt war die räumliche Umgestaltung gewesen. Normalerweise haben Schulbibliotheken Regale mit Büchern und Zeitschriften sowie Tische und Stühle. Die Bibliothek des Secondary College dagegen wurden in drei ganz unterschiedlich ausgestattete Zonen aufgeteilt. Ein Raum dient der Versammlung von maximal 30 Schülerinnen und Schülern, die dort wie um ein Lagerfeuer sitzen, diskutieren oder Präsentationen verfolgen können. Die Möblierung ist flexibel und stufenförmig gestaltet. Der zweite Raum ist eine Art Konversationsraum, wird aber Café genannt und soll ein Ort zum Lesen, Diskutieren oder einfach nur zum Rumhängen sein. Er verfügt über bequeme Sofas, Kissen, Ottomane und riesige Sitzsäcke. Ein weiterer Raum der sogenannte „inCubator wird eher als Atelier verstanden, ausgestattet mit allem, was man für kreative Tätigkeiten benötigt: Dazu gehören beschreibbare Tische und Wände sowie Whiteboards. Hier kommt man zusammen, um gemeinsam an Ideen zu stricken, Projekte zu entwerfen oder im Sinne eines Maker Space zu basteln. Überall stehen digitale Geräte wie Notebooks, Tablets zum Ausleihen sowie interaktive Whiteboards zur Verfügung. Für die „Maker Education gibt es Materialien, Geräte und Bastelsachen. Das Angebot ist sehr vielfältig und wird auch immer wieder ergänzt und geändert. Das Motto ist hier: Alles soll flexibel sein!
Flexibel lernen und arbeiten, auch mit digitaler Technologie
Flexibilität zeichnet auch die Arbeits- und Lernmethoden in diesen Räumen aus. Lehrpersonen kommen mit ihren Schülerinnen und Schüler hierhin, um in Gruppen oder zu Projekten zu arbeiten. Vor allem die Methode des „Design Thinking wird gerne verwendet, um kreative und innovative Projekte entweder unter den...
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Fakten zum Artikel
aus: On lernen digital Nr. 1 / 2020

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Kennzeichnung Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "on. Lernen in der digitalen Welt" Hintergrund Schuljahr 1-13