Stefan Aufenanger

Was hat Digitalisierung mit Demokratiebildung zu tun?

Stefan Aufenanger

Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) wählte für das Jahr 2020 zwar das Motto „Europa (er)leben und gestalten, zugleich hat aber die aktuelle Präsidentin der KMK, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig, in einem Interview betont, dass eine herausragende Aufgabe von Schule die Demokratiebildung ist. Diese muss auch im Kontext von Europabildung gesehen werden, denn Europa lebt von der demokratischen Grundidee, gleichzeitig ist sie aber in vielen Nationen gefährdet. Die KMK hatte dazu schon 2009 einen Beschluss mit dem Titel „Demokratie als Ziel, Gegenstand und Praxis historisch-politischer Bildung und Erziehung in der Schule verabschiedet und 2018 aktualisiert (KMK 2018). Darin heißt es, dass in einer Demokratie „die Bindung an Menschenrechte und Menschenwürde, Gewaltenteilung und Minderheitenschutz sowie die Verfahren des Rechtsstaats (S.2) entscheidend ist. Dazu gehören vor allem die Unantastbarkeit der Menschenwürde, die Achtung der Menschenrechte einschließlich der Kinderrechte, das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, Glaubens- und Gewissensfreiheit, die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz und in allen gesellschaftlichen Institutionen (S.3).
In diesem Kontext weist die KMK darauf hin, dass die Digitalisierung zwar eine positive Kraft in der Gesellschaft ist, aber zugleich „durch Fake News, Hate Speech oder Social Bots zur Einschränkung von Privatheit und Selbstbestimmung sowie der freiheitlich-demokratischen Entwicklung (S.3) führen kann. Der Schule wird im Rahmen von Demokratiebildung die besondere Aufgabe zuteil, genau diese Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft ihren Schülerinnen und Schülern zu vermitteln. Im digitalen Raum, und hier insbesondere in den sozialen Netzwerken, wird jedoch zunehmend Hass gegen Minderheiten und Andersdenkende geschürt oder es werden gefälschte Nachrichten gestreut um nur ein paar Beispiele zu nennen. Daher ist es wichtig, den Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Demokratiebildung herzustellen und deutlich zu machen. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen.
Empfehlungen der KMK zur Demokratiebildung in der digitalen Welt
Vermittlung von korrektem Sozialverhalten und Möglichkeiten der Teilhabe
Das KMK-Strategiepapier „Bildung in der digitalen Welt von 2016 unterstützt dieses Bestreben mit dem Hinweis, dass Kinder und Jugendliche durch eine pädagogische Begleitung Kompetenzen entwickeln können, die sie zu einem kritischen Umgang mit (digitalen) Medien befähigen (vgl. S.11). Mit den aufgeführten sechs Kompetenzbereichen gibt es dazu wichtige Anregungen. So finden sich dort unter dem Bereich „Kommunizieren und Kooperieren zwei Ansätze, die gut in das Programm der Demokratiebildung passen. Denn beim Zusammenarbeiten geht es darum, Umgangsregeln zu kennen und einzuhalten (Netiquette), also sich im digitalen Raum sozial zu verhalten (vgl. Kap.2.4). Ergänzt wird dieser Kompetenzbereich durch die Fähigkeit, „als selbstbestimmter Bürger aktiv an der Gesellschaft teil(zu)haben (Kap.2.5.2). Dies ist gleichermaßen wichtig für eine demokratische Gesellschaft, denn nur, wenn ihre Mitglieder sich engagieren und einbringen, können politische Entscheidungen auch als Folge eines politischen Willens verstanden werden. Und dies kann immer häufiger mithilfe digitaler Medien geschehen, da alle politischen Parteien sowie auch viele politischen Institutionen entsprechende Angebote auf Facebook, Instagram oder Twitter machen. Dies in der Schule zu besprechen und zugleich auf die dafür notwendige Netiquette aufmerksam zu machen gehört zu ihrem Auftrag im Rahmen einer digitalen Bildung.
Kritische Auseinandersetzung lernen
Aber auch der gesamte, unter dem Kapitel „Analysieren und Reflektieren des KMK-Strategiepapiers aufgeführte Bereich ist grundlegend für eine Demokratiebildung. Denn diejenigen Kompetenzen, die dort beschrieben sind, helfen Kindern und Jugendlichen, sich kritisch...
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Fakten zum Artikel
aus: On lernen digital Nr. 1 / 2020

Kreativität digital

Kennzeichnung Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "on. Lernen in der digitalen Welt" Hintergrund Schuljahr 1-13