Stefan Aufenanger

Modell für die Zukunft?

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Stefan Aufenanger

In der Folge coronabedingter Schließungen diskutierten viele Schulen, ob das Modell der Verbindung von Präsenz- und Fernunterricht mithilfe von Videokonferenzen und Onlinenangeboten manchmal als Blended Learning oder Hybridlernen bezeichnet nicht ein prinzipielles sein könnte. Denn viele Lehrer*innen haben während der Zeit geschlossener Schulen zu digitalen Medien gegriffen, um Unterricht einigermaßen aufrechtzuhalten. Sie benutzten dabei unterschiedliche Methoden, häufig etwa Videokonferenzsysteme, aber auch die traditionellen Lerntools wie etwa Moodle, its learning oder Ähnliches. Manchmal wurden auch nur PDFs verschickt.
Auch Schüler*innen haben das hybride Lernen sehr unterschiedlich erlebt. Manche konnten an virtuellem Unterricht teilnehmen, in dem die Lehrperson etwa in ein neues Themengebiet einführte oder anstehende Aufgaben besprach. Andere konnten auch kleine, intensiv betreute Gruppen bilden.
Lehrer*innen wie Schüler*innen haben also mit dem Angebot des digitalen Lernens relativ gute Erfahrungen gemacht. Trotzdem sei aber erwähnt, dass es auch Probleme gab, zum einen mit der technischen Ausstattung, zum anderen mit der Pädagogik bzw. Didaktik des Fernunterrichts. Dies sind jedoch keine unlösbaren Probleme und wären entweder durch ausreichende Zuwendungen in der Schule und im Haushalt der Schüler*innen sowie durch spezielle Lehrerbildung zu beheben. Die interessante Frage ist jedoch, ob dieses Modell auch weiterhin für die Schule taugt. Dazu sollen im Folgenden einige Modelle vorgestellt werden, die in anderen Ländern der Welt praktiziert worden sind. Deren Erfahrungen sind bedeutsam, denn dank ihnen können wir besser beurteilen, welche Vor- und Nachteile ein solches Modell hat.
Blended Learning in den USA
Eine Studie der Lehrergewerkschaft in Philadelphia/USA hat 5.900 Lehrer*innen nach dem bis dahin in Schulen praktizierten Modell des Hybridunterrichts befragt.1 Mehr als die Hälfte von ihnen präferierte jenes Modell, bei dem die Schüler*innen eine Woche „normalen Unterricht in der Schule von Angesicht zu Angesicht hatten und in der anderen Woche zu Hause online bereut wurden.
Die 2013 gegründete College Park Academy (CPA) ist eine der ersten öffentlichen „Bricks and Clicks-Charterschulen in den Vereinigten Staaten.2 Obwohl die CPA-Schüler*innen jeden Tag zur Schule gehen, ist ihr Lehrplan vollständig online, und ein Drittel ihrer Kurse wird in virtuellen Klassenzimmern unterrichtet. Lehrplan und Unterricht nutzen personalisiertes und aktives Lernen, sodass die Schüler*innen in ihrem eigenen Tempo arbeiten und aufholen können, falls sie zurückbleiben, und vorankommen, wenn sie bereit sind, voranzukommen. Damit diese Form von Schule funktioniert, müssen zwei wesentliche Voraussetzungen erfüllt sein.
Erstens: Jede Lehrkraft, jede/r Schüler*in besitzt ein Notebook, entweder ein eigenes oder ein Leihgerät von der Schule. Des Weiteren muss eine Lernplattform mit allen Inhalten und Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Schule, Eltern und Schüler*innen vorhanden sein. Letztere sind es gewohnt, die Lernmaterialien selbstständig zu erarbeiten und alles nach ihrem eigenen Lerntempo zu steuern. Sie sind es gewohnt, in diesem Blended-Learning-Modell zwischen Präsenzphasen in der Schule und Onlinephasen hin- und herzupendeln. Gleiches gilt auch für die Lehrkräfte, denen alle Materialien zum Unterrichten online zur Verfügung stehen und auf die sie jederzeit Zugriff haben. Auch sie können beide Phasen routiniert, sinnvoll und kompetent miteinander verbinden.
Zweitens: Auch das curriculare Angebot muss auf dieses Modell ausgerichtet sein. Das heißt: Die Lehrpläne sind so gestaltet, dass beide Lernbereiche ineinandergreifen. Es stehen für das Onlineangebot 65 virtuelle Kurse zur Verfügung, etwa zu Fremdsprachen, Naturwissenschaften, Kunst, Psychologie und sogar Entrepreneurship. Die Größe der Teilnehmergruppen reicht nach Interesse der Schüler*innen von fünf bis zu 50.
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Fakten zum Artikel
aus: On lernen digital Nr. 3 / 2020

Informatische Bildung

Kennzeichnung Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "on. Lernen in der digitalen Welt" Hintergrund Schuljahr 1-13