Stefan Aufenanger

DigitalPakt Schule –Stand der Dinge

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Stefan Aufenanger

Der DigitalPakt Schule sollte der Digitalisierung in Unterricht und Schule einen besonderen Schwung geben. Doch hörte man sich im Sommer 2020 in Schulen und bei den Schulträgern um, dann sind viele immer noch dabei, ihren Antrag erst zu formulieren oder Daten bei den einzelnen Schulen einzuholen. Und in den Ministerien ist man erstaunt, dass viele Bundesländer ihre Mittel noch gar nicht abgerufen haben. Weiterhin tauchen immer wieder Fragen auf, warum nur Technik finanziert würde, obwohl doch besonders die Fortbildung der Lehrer*innen zum pädagogisch sinnvollen Einsatz dieser Technik doch genauso wichtig sei. Um all diese Probleme nachvollziehen zu können, muss man die Konstruktion des DigitalPakts Schule verstehen und seine Entwicklung rekonstruieren.
Dass die deutschen Schulen in der Ausstattung mit und Nutzung von digitalen Medien im internationalen Vergleich hinterherhinken, wurde schon in der ersten PISA-Studie 2000 und allen folgenden deutlich sowie vor allem in der ICLS-Studie 2013. Demnach konnten nur 6,3 Prozent der Achtklässler auf ein Tablet zugreifen, während in der Vergleichsgruppe der EU dies 15,1 Prozent konnten; in Australien lag dieser Wert sogar bei 63 Prozent. Dies führt auch dazu, dass nur 9,1 Prozent der deutschen Lehrkräfte nach dieser Studie von 2013 Computer täglich nutzten, während der internationale Durchschnitt 32,6 Prozent betrug und in Ländern wie etwa Kanada oder Australien dieser Wert bei mehr als zwei Dritteln lag. Letzteres muss deswegen erwähnt werden, da allein die Verteilung von Geräten an Schulen ohne eine entsprechende Lehrer*innenfortbildung pädagogisch nicht sinnvoll ist. Darin liegt jedoch beim DigitalPakt Schule häufig ein Missverständnis, denn vielen ist nicht klar, was daraus eigentlich bezahlt werden kann bzw. darf.
Das eigentliche Problem des DigitalPakts Schule: Der Bund darf auf Basis des Grundgesetzes bezüglich Bildung nicht in die Hoheit der Länder eingreifen und somit keine Finanzierung in Schulen aus Bundesmitteln vornehmen. Man hat aber eine Lücke gefunden, und zwar im § 104c, der so geändert wurde, dass Investitionen in kommunale Bildungsinfrastruktur, insbesondere Ganztagsschul- und Betreuungsangebote, Digitalisierung und berufliche Schulen, möglich wurden. Ende 2018 hat sich der Bundestag auf eine entsprechende Veränderung dieses Paragraphen geeinigt. Der Bundesrat rief jedoch den Vermittlungsausschuss an, sodass erst im April 2019 die endgültige Version verabschiedet wurde. Die Finanzierungsmöglichkeiten des Bundes stellen so wurde immer wieder betont eine Ausnahme dar und beschränken sich ausschließlich auf medieninfrastrukturelle Maßnahmen wie etwa Breitbandanschlüsse für Schulen. Nicht in das Programm aufgenommen wurde etwa die Administration dieser Mediensysteme sowie die Fort- und Ausbildung von Lehrpersonen, um mit digitalen Medien pädagogisch angemessen arbeiten zu können. Aus diesem Grund waren und sind die Länder aufgerufen, eigene Mittel für die angegebenen Aufgaben zur Verfügung zu stellen, was von Land zu Land sehr unterschiedlich ausgefallen ist. Da von den Bundesmitteln eigentlich nur Breitbandanschlüsse, Server sowie interaktive Whiteboards gekauft werden dürfen, mussten und sollten alle weiteren Kosten entweder von den Schulträgern selbst also meist den Kommunen oder vom jeweiligen Land getragen werden.
Geld beginnt zu fließen
Und genau da kommt es zu Problemen, denn je nach Bundesland oder Kommune stehen dafür nicht immer genügend Mittel zur Verfügung. Zudem wurden Schulträger sowie Schulen aufgefordert, zu ihrem Antrag ein Medienentwicklungsplan bzw. ein Medienkonzept vorzulegen und die beantragten Geräte pädagogisch zu begründen. Bis die Länder auch entsprechende Organisationseinheiten zur Bearbeitung der Anträge eingerichtet hatten, verging weitere Zeit. Dies hatte zur Folge, dass bis Anfang 2020 nur wenige Mittel der vorgesehenen
5 Milliarden Euro abgerufen wurden.
Dann kam im März...
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Fakten zum Artikel
aus: On lernen digital Nr. 3 / 2020

Informatische Bildung

Kennzeichnung Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "on. Lernen in der digitalen Welt" Hintergrund Schuljahr 1-13