Günter Steppich

Schadsoftware und Cyberkriminelle

© Orn Rin/shutterstock.com

Günter Steppich

Passwörter, Hacker, Trojaner, Phishing & Co. als Unterrichtsgegenstand

Datenschutzkonforme Plattformen und Kommunikationswege sind eine wichtige Voraussetzung für digitales Lernen und Arbeiten. Aber was ist mit der Datensicherheit?

Jegliche Datensicherheit ist Makulatur, wenn Kenntnisse im Bereich Passwortsicherheit und Schutz vor Schadsoftware fehlen, denn vor missbrauchten Passwörtern oder von Trojanern kompromittierten Endgeräten schützt die EU-DSGVO nicht!
Schadsoftware, Kostenfallen und Urheberrechtsverstöße wurden bei meinen Lehrerfortbildungen und Elternabenden aus Zeitgründen zunehmend zum Randthema, weil sie „nur teuer werden, aber zumeist nicht die Psyche von Kindern und Jugendlichen verletzen. Themen wie Sexting, Cybergrooming oder Cybermobbing können dagegen massive Auswirkungen auf die Entwicklung, die körperliche und seelische Gesundheit sowie auf den Schulerfolg haben.
Dennoch sind solide Kenntnisse in diesem Bereich zunehmend wichtiger geworden, da immer mehr Menschen einen Großteil ihres Lebens digital verwalten und online stellen, v.a. auch Kinder und Jugendliche, deren persönliche Daten besonderen Schutz erfordern. Kenntnisse über IT-Sicherheit sind dabei oft spielentscheidend, da gekaperte Social-Media-Accounts auch in die oben genannten Themen hineinwirken. Mit einer einzigen Doppelstunde lässt sich eine Klasse in diesem Bereich bereits solide aufstellen! Diese wird idealerweise gehalten, wenn die Kinder sich erstmals in das Schulnetzwerk einloggen und sich dafür sichere Passwörter ausdenken müssen.
Fragt man zu Beginn dieser Unterrichtseinheit an meiner Schule zu Beginn der Klassenstufe 5 nach Ideen für die Erstellung von Passwörtern, werden v.a. Konzepte genannt, die leicht zu merken sind: Name des Haustiers, Lieblingspromi, -sportart oder -verein, gerne noch das eigene Geburtsdatum oder -jahr angehängt, der eigene Name rückwärts geschrieben, etc. Das verstößt gegen elementare Grundregeln.
Grundregeln der Passworterstellung
Ein gutes Passwort:
  • kann niemand erraten und
  • ist kein reales Wort, d.h., es findet sich in keinem Wörterbuch, da Passwortknackprogramme den Duden in wenigen Sekunden abarbeiten!
Als spaßigen Stundeneinstieg lasse ich die Kinder raten, welche Passwörter sich ihre Mitschüler wohl ausdenken würden, und nicht selten treffen die Vermutungen mitten ins Schwarze.
Viele Erwachsene sind diesbezüglich auch nicht besser aufgestellt: Als ich kürzlich einem Freund ein Tablet einrichtete und ihm bei der Übergabe das vorläufige Passwort nannte, das aus dem Namen seines Hundes und seinem Geburtsjahr bestand, war er entsetzt, woher ich denn „sein Passwort kenne! Sprich: Er nutzte ausschließlich und überall dieses eine triviale Passwort!
Hat man sich ein ordentlich obskures Passwort ausgedacht, muss dieses ausreichende Länge und Komplexität besitzen. Die Länge ist das deutlich wichtigere Merkmal, da jede zusätzliche Stelle den Rechenaufwand exponentiell steigert. Empfehlungen, Passwörter mit Ziffern und Sonderzeichen möglichst komplex zu gestalten, um auch damit die Anzahl der mathematischen Möglichkeiten zu erhöhen, sind nicht falsch, erschweren aber die Merkbarkeit. Wer erlebt hat, wie viel Zeit vergeht, bis sich eine fünfte Klasse mit selbst erstellten, superlangen und hochkomplexen Passwörtern in das Schulnetz eingeloggt hat, weiß einfachere, aber dennoch sichere Konzepte zu schätzen: Ein gutes Passwort ist lang genug (mindestens 10-stellig), nicht komplizierter als nötig UND gut zu merken!
Eine praktikable Alternative zum unknackbaren 25-stelligen Zahl-Sonderzeichen-Groß-und-Kleinbuchstaben-Ungetüm, das anfällig für Vergessen und Tippfehler ist, sind einfach zu merkende Sätze: „WoIstMeinJoghurt? „Mainz05IstSupercool! „IchLiebe99Luftballons! Gleichzeitig bietet das die einfache Möglichkeit, durch Austausch eines Wortes weitere Passwörter zu erzeugen, denn: Ein gutes Passwort benutzt man nur einmal!
Werden überall...
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Fakten zum Artikel
aus: On lernen digital Nr. 2 / 2020

IT-Sicherheit

Kennzeichnung Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "on. Lernen in der digitalen Welt" Praxis Schuljahr 5-13