Günter Steppich

Privatsphäre und Datenschutz

© First Glimpse Photography/shutterstock.com

Günter Steppich

Herausforderungen für den Unterricht

Der Autor berichtet über seinen Weg zum Jugendmedienschutzbeauftragten seiner Schule und den Datenschutzproblemen, denen sich die Institution Schule stellen muss.

Das „Web 2.0 wurde Anfang der 2000er v.a. durch die Weiterentwicklung der Skriptsprache PHP und deren Verbindung mit MySQL-Datenbanken ins Leben gerufen, das Netz wurde exponentiell interaktiver und multimedialer und plötzlich hatte jeder Privatmensch die Möglichkeit, Inhalte ins Netz zu stellen und mit anderen zu interagieren.
Unsere Schulwebsite hatten schon damals durch ein viel genutztes Forum und einen Chat ca.30.000 Besuche pro Monat. Alle Mitglieder der Schulgemeinde konnten dort persönliche Accounts anlegen, prompt hatten wir auch die ersten Vorfälle hinsichtlich Datenschutz, Privatsphäre und Mobbing und mussten das anfänglich offene Forum schon nach kurzer Zeit auf Registrierungspflicht umstellen.
Als mir im Frühjahr 2007 ein rasanter Abfall der Zugriffe auf die Schulwebsite auffiel, fand sich in der Statistik der Website die Ursache dafür: Das neue SchülerVZ zog unsere Klientel ab! Innerhalb kürzester Zeit verzeichnete diese Plattform über 100 Millionen monatliche Besuche! Wir stellten dabei fest, dass sämtliche Privatsphäreeinstellungen auf „öffentlich voreingestellt waren was heute immer noch bei sämtlichen US-amerikanischen App-Anbietern Standard ist.
Ich setzte mich prompt mit dem Jugendschutzbeauftragten des SVZ in Verbindung, dessen Antwort sich damals las wie die AGB der aktuellen Social-Media-Anbieter, denen es bei insbesondere für Kinder kritischen Einstellungen natürlich immer nur um „die Verbesserung des Benutzererlebnisses geht:
Für die standardmäßige Einstellung des offenen Profils haben wir uns entschieden, weil der Grundgedanke eines Social Networks natürlich die Vernetzung ist und diese durch die Einblickmöglichkeit in ein Profil erheblich erleichtert wird.
Das Problem, dass solche Einblicke u.a. auch eine Steilvorlage für Pädophile darstellen, spielte er herunter, damals wie heute eine kapitale Fehleinschätzung. Nach der Intervention von Landesdatenschutzbeauftragten wurden die Voreinstellungen auf „Nur meine Freunde geändert und entsprachen damit den Anforderungen des deutschen Datenschutzgesetzes. In den USA gibt es dagegen bis heute kein solches Gesetz, das Anbieter zu Datenschutz verpflichtet!
Mithilfe der Funktion „Super-Suche fanden wir in wenigen Minuten heraus, dass fast jeder zweite Account öffentlich einsehbar war, und in einer schulinternen Umfrage zum SVZ gaben nur 16% der Befragten an, dass ihre Eltern genau wüssten, was sie im Internet tun diese Quote hat sich bis heute nicht verbessert, denn Smartphones in Kinderhänden sind kaum zuverlässig zu kontrollieren
Daraufhin genehmigte mir die Schulleitung für jede Jahrgangsstufe von 5 bis 11 eine Doppelstunde in der Aula zum Thema: „Sicherheit im SchülerVZ. Die Erwartungshaltung der Kids im Vorfeld war klar und wurde mir über meine beiden Kinder auch zugetragen: „Was will der uns schon erzählen?! Der Effekt von 90 Minuten Vortrag zum Thema Privatsphäre, Datenschutz, Pädophile, Cybermobbing, Recht am eigenen Bild, Passwortsicherheit etc. war jedoch auch für mich verblüffend: Bereits am Tag danach war die Quote der offenen Profile auf 14% gefallen Mission erfüllt!
Pausenaufsichten verbrachte ich ab diesem Zeitpunkt mit der Beantwortung von Internetfragen, ich wurde Anlaufstelle für Onlineprobleme aller Art und mein Schulleiter erklärte mich kurzerhand zum Jugendmedienschutzbeauftragten der Schule. Damit war ich der wohl erste deutsche Lehrer in dieser Funktion und mir war dank dieser Veranstaltungen schlagartig bewusst, welches gewaltige Defizit schon damals in den meisten Familien in Sachen Medienerziehung bestand. Zum „Einstand bekam ich von meinem Chef dann eine zweistündige Gesamtkonferenz „geschenkt, in der ich das Kollegium zum Thema Jugendmedienschutz...
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Fakten zum Artikel
aus: On lernen digital Nr. 2 / 2020

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Kennzeichnung Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "on. Lernen in der digitalen Welt" Praxis Schuljahr 5-13