Günter Steppich

E-Mail, Messenger und Konferenztools

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Günter Steppich

Sichere Kommunikation in Schule und Unterricht

Die Corona-Krise hat das digitale Kommunikationsdebakel deutscher Schulen schonungslos offenbart: Die meisten Schulen standen in Sachen Onlinebeschulung vor dem Nichts.

Die Mindeststandards in zahlreichen anderen Ländern wie schulische E-Mail-Adressen für Lehrkräfte und Lernende sind bei uns Ausnahmen, von komplexen Lernplattformen ganz zu schweigen. Die HPI-Schul-Cloud ist ein positiver Ansatz, steckt aber noch in den Anfängen und wurde vom Ansturm der ersten Lockdown-Tage entsprechend überlastet. Auch in Sachen Funktionalität besteht großer Nachholbedarf gegenüber Marktführern wie z.B. MS Office365 mit Teams. Vielversprechende DSGVO-konforme Lösungen wie Jitsi und BigBlueButton, die von Schulen oder Medienzentren auch selbst gehostet werden können, kämpfen häufig mit schwachen Serverleistungen.
Viele Lehrkräfte nutzten ohne Überprüfung datenschutzrechtlicher Vorgaben unkritisch irgendwelche Tools, insbesondere den Videokonferenzdienst „Zoom, der immer wieder wegen Sicherheits- und Datenschutzproblemen in der Kritik steht. Negatives Highlight waren zuletzt Vorfälle, bei denen Unbekannte Pornos im Onlineunterricht einspielten!
Kern des Dilemmas ist, dass die EU, und insbesondere Deutschland, die Entwicklung in diesem Bereich gründlich verschlafen hat, während US-Anbieter, die in puncto Datenschutz generell skeptisch zu betrachten sind, den Markt dominieren.
Auch bei der dienstlichen Kommunikation per E-Mail gelten Datenschutzvorgaben. So muss man wissen, dass E-Mails zwar beim Transport verschlüsselt sind, auf dem Server für den Anbieter jedoch ebenso offen lesbar sind wie Postkarten für Briefträger!
Während in den EU-Staaten die Europäische Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) unter Strafandrohung dafür sorgt, dass Anbieter diesen Umstand nicht ausnutzen dürfen, um Informationen über ihre Kunden zu sammeln, existiert in den USA kein Datenschutzgesetz, das solche Zugriffe verbieten würde. E-Mails lassen sich zwar mit kostenloser Zusatzsoftware verschlüsseln, die Einrichtung ist aber komplex und erfordert, dass die Software auf Sende- und Empfangsseite eingesetzt wird.
Bei Android-Smartphones bietet es sich an, die bei der Einrichtung des Handys erstellte Google-Mailadresse zu nutzen. Die Kommunikation über diese Adresse ist allerdings nicht datenschutzkonform, denn Google liest laut seiner AGB E-Mails automatisiert mit, u.a. damit sie „personalisierte Suchergebnisse, personalisierte Werbung oder andere Funktionen bereitstellen können (s. https://tinyurl.com/y7b6eg37).
Das schließt die Verwendung für dienstliche Zwecke kategorisch aus, und das gilt auch, wenn man selbst einen deutschen oder EU-Provider nutzt, aber darüber mit Adressaten kommuniziert, die US-Anbieter nutzen denn auch dann werden ja alle Inhalte auf der Gegenseite mitgelesen!
An meiner Schule, der Gutenbergschule in Wiesbaden, erhalten alle Kinder der Klassenstufe 7 zu Beginn des zweiten Halbjahres ihre schulische E-Mail-Adresse, mit dem Hinweis, diese auf ihrem Smartphone, Tablet, PC oder auch am Familienrechner einzurichten und regelmäßig abzurufen. Bei der als lästig empfundenen, aber nötigen Einführung in die E-Mail-Nutzung kommt dann auch regelmäßig die genervte Nachfrage: „Können wir das nicht mit WhatsApp machen, das hat doch eh jeder?! Darauf gibt es nur eine mögliche Antwort: „NEIN! WhatsApp, der Quasi-Monopolist bei den Messengern, ist schlicht mit der EU-DSGVO nicht vereinbar. Es beginnt schon damit, dass man bei der Installation bestätigen muss, das Recht zu haben, sämtliche Kontakte aus dem Handyadressbuch regelmäßig mit den Servern von WhatsApp zu synchronisieren. Wer dem zustimmt, muss dafür laut DSGVO zuvor die schriftliche Erlaubnis aller Kontakte eingeholt haben. WhatsApp wiederum gibt diese Daten an seinen Mutterkonzern Facebook weiter, wo sie für Werbezwecke gespeichert und verarbeitet werden auch wenn der betreffende WhatsApp-Nutzer...
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Fakten zum Artikel
aus: On lernen digital Nr. 2 / 2020

IT-Sicherheit

Kennzeichnung Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "on. Lernen in der digitalen Welt" Praxis Schuljahr 5-13