Mandy Schiefner-Rohs

Digitaler Unterricht: Mehr als der Einsatz von Tablets, Whiteboards & Co.

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Mandy Schiefner-Rohs

Wie relevant das Thema Lehrerinnen- bzw. Lehrerbildung unter der Perspektive von Digitalität (s. Anm.1) ist, zeigte sich spätestens in der Situation der Schulschließungen durch die Corona-Pandemie. Hier wurde ziemlich schnell deutlich: Die Schulen in Deutschland sind hinsichtlich der technischen Ausstattung und der medienpädagogischen Kompetenzen der Lehrpersonen ganz unterschiedlich aufgestellt. Auf der einen Seite gibt es Schulen, die sich seit längerer Zeit mit Digitalisierung beschäftigen und sofort im Netz untereinander verschiedene Ideen zur Gestaltung eines digitalen Unterrichts über Twitter und andere soziale Medien teilten. Auf der anderen Seite kämpfen Schulen noch mit den Grundlagen des zeit- und ortsunabhängigen Lehrens und Lernens, etwa einer mangelnden Erreichbarkeit von Lehrpersonen per E-Mail. Worin sich aber alle Schulen gleichen: Die Basis für das Gelingen dieses Prozesses sind engagierte und professionell agierende Lehrkräfte.
Die aktuelle Situation unterstreicht nochmals die Wichtigkeit des Themas Digitalität (nicht nur) in der Lehrpersonenbildung. Dennoch ist es dort nach wie vor strukturell unterrepräsentiert. Im Lehramtsstudium ist der Erwerb medienpädagogischer Kompetenz oft nur marginal vorgesehen. In vielen Bundesländern gibt es nicht einmal einheitliche curriculare Standards (vgl. Monitor Lehrerbildung 2018).
Auch innerhalb der Fort- und Weiterbildung sind sowohl eine mangelnde didaktische Breite schwerpunktbezogener Fortbildungsangebote als auch eine mangelnde Teilnahme an diesen zu beklagen, worauf die ICILS-Studien hinweisen (vgl. Eickelmann et al. 2019). Und wenn digitale Medien in der Lehrpersonenbildung thematisiert werden, dann oftmals vor allem unter der (mediendidaktischen) Perspektive des Lehrens und Lernens mit digitalen Medien (vgl. Schiefner-Rohs 2012). Es ist und bleibt damit immer noch zufällig, wie intensiv sich (angehende) Lehrpersonen mit digitalen Medien und deren Implikationen für Lehren und Lernen sowie Schule in einer von Digitalität durchdrungenen Welt auseinandersetzen. Die Schulschließungen zeigen die Problematik nun überdeutlich.
Obwohl also das Thema spätestens seit der KMK-Strategie zur Bildung in der digitalen Welt aus dem Jahr 2016, der Qualitätsoffensive Lehrerbildung und unter Bedingungen des Digitalpakts auf der Agenda steht, bleiben sowohl die Umsetzungsformen an Hochschulen, Studienseminaren und Schulen als auch die „Erträge im Sinne einer veränderten Lehr-Lern-Kultur immer noch hinter den (hochschul-)politischen und pädagogisch-didaktischen Erwartungen zurück. Doch woran liegt das und wie liesse sich das verändern?
Um diese Fragen zu beantworten, ist ein tieferer Blick in das aktuelle Medienhandeln von (zukünftigen) Lehrpersonen nötig.
Aus Sicht der (angehenden) Lehrkräfte
An den Ergebnissen eines meiner Forschungsprojekte möchte ich dies deutlich machen. Zusammen mit Studierenden, Referendarinnen und Referendaren sowie Lehrpersonen führten wir 2019 Gruppendiskussionen durch. Ziel war es, mehr über die Rolle digitaler Medien im (pädagogischen) Alltag zu erfahren und erlebte Praxis von (angehenden) Lehrpersonen zu rekonstruieren. Interessanterweise haben sich in allen Diskussionsgruppen ähnliche Argumentationsfiguren gefunden. Alle berichteten von mangelnden Routinen im Umgang mit digitalen Medien in ihrem Studien- und Arbeitsalltag. Hier hatten sich bisher keine zufriedenstellenden Handlungspraktiken entwickeln können; es wurde zum Teil sogar als ein Mehraufwand und eine Störung des Alltags wahrgenommen. Zudem wurde die Effizienz von Digitalisierung im Unterricht und das einwandfreie Funktionieren der Technik infrage gestellt.
Digitale Medien brächten demnach vor allem bei Referendarinnen und Referendaren sowie Lehrpersonen bisherige Formen des Unterrichtens gehörig durcheinander. Sie würden zu Zusatzarbeit führen, die möglichst schnell überwunden werden müsste, um wieder „effizient arbeiten zu...
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Fakten zum Artikel
aus: On lernen digital Nr. 1 / 2020

Kreativität digital

Kennzeichnung Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "on. Lernen in der digitalen Welt" Hintergrund Schuljahr 1-13