Stefan Aufenanger

Corona: Homeschooling weltweit

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Stefan Aufenanger

In den letzten Monaten standen viele Schulen wegen der Corona-Krise vor der Frage, wie sich der Unterricht ohne Präsenzphasen gestalten lässt. Unter den Begriffen Fernunterricht, Fernlernen, Lernen auf Distanz oder Homeschooling sind ganz unterschiedliche Konzepte entwickelt worden. Während in Deutschland die meisten Schulen eine gewisse Zeit benötigten, sich auf den neuen Umstand fehlender Schülerinnen und Schüler in der Schule einzustellen und auch danach die Formen eines Onlineunterrichts nach ersten Befragungen recht rudimentär präsentiert (s. Anm.), haben andere Länder, konfrontiert mit den gleichen Problemen, zum Teil sehr innovative Lösungen gewählt. Einige dieser Modelle sollen im Folgenden vorgestellt werden, die dort entweder unter den Begriffen „Distance Learning oder „Remote Learning firmieren.
Aus Kanada
Die Weledeh Catholic School in Yelloknife ist eine Grund-/Mittelschule und liegt in einem Wohngebiet mit sehr armen Familien. Die Schulen wurden hier bis zum Ende des Schuljahrs wegen des Coronavirus geschlossen. Etwa 80 % der Schülerinnen und Schüler konnten die Onlineangebote wahrnehmen, die restlichen 20% waren zu Beginn wegen fehlender Computer zu Hause nicht erreichbar. Diesen Kindern, die eher aus bildungsfernen Familien stammen, wurden aber von der Schule preiswerte Chromebooks zur Verfügung gestellt, damit auch sie weiterhin am Unterricht teilnehmen konnten.
Eine Lehrerin beschreibt ihren „Unterricht: Sie nutzt das Programm Google Meet, um mit ihren Schülerinnen und Schülern in Kontakt zu bleiben. Diejenigen, die keinen digitalen Zugang haben so haben z.B. 10 % kein Internet , bekommen die Aufgaben und Materialien per Post geschickt. Die Lehrerin telefoniert mit ihnen oder schickt ihnen Textnachrichten. Am Anfang unterrichtete sie auch nur fünf Stunden in der Woche lediglich Rechnen und Lesen. Sie hat viele Kontakte zu den Kindern sowie zu ihren Familien und steht täglich für Gespräche zur Verfügung. Gerade bereitet sie sich darauf vor, auch „Gesundheit und „Wohlbefinden in ihr Unterrichtsangebot aufzunehmen und mit Themen aus dem Bereich Social Studies und Naturwissenschaft zu verbinden. Sie erwähnt auch, dass einige ihrer Schülerinnen und Schüler Probleme haben, einen Computer zu bedienen oder auch Dokumente zu öffnen.
Aus Australien
Eine öffentliche Schule in Melbourne ist hier einen anderen Weg gegangen. Auch dort musste schnell auf die verordnete Schulschließung reagiert werden und man begann zügig, Online-Angebote (Remote Learning) zu entwickeln. Eine Mutter berichtet, dass die Schule ihres zehnjährigen Sohns alles gut vorbereitet hatte. Sie wurde sogar von der IT-Abteilung der Schule angerufen, um auszuprobieren, ob online alles funktionierte. Drei Mal am Tag gab es von der Schule aus mit den Schülerinnen und Schülern Videokonferenzen. Jeden Morgen kamen so alle zusammen und besprachen die Lernaufgaben, die vorbereitet waren. Diese mussten dann im Laufe des Tages bearbeitet werden.
Aus Italien
In Italien begann alles etwas früher als im übrigen Europa. Schon Ende Februar kam es zu den ersten Schulschließungen und ab Mitte März gab es landesweit keinen Unterricht mehr. Jedoch waren die Schulen und vor allem die Lehrkräfte auf diese Situation nicht vorbereitet. So berichtet eine Familie aus Parma , dass es in den ersten beiden Wochen überhaupt keine Reaktion vonseiten der Schule ihrer Kinder gab. Erst in der dritten Woche bekamen die Schülerinnen und Schüler Aufgaben geschickt, die jedoch meist daraus bestanden, Kapitel in Schulbüchern zu bearbeiten und die Inhalte auswendig zu lernen. Die Umstellung auf einen Fernunterricht didattica a distanza fiel vielen Lehrkräften schwer. Dies hat u.a. damit zu tun, dass in Italien mehr als die Hälfte aller Lehrkräfte über 50 sind, die Lehrerbildung nicht besonders ausgebaut und die Verbreitung von digitalen Medien in Schulen im europäischen Vergleich minimal ist. Trotzdem gelang es dann...
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Fakten zum Artikel
aus: On lernen digital Nr. 2 / 2020

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Kennzeichnung Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "on. Lernen in der digitalen Welt" Hintergrund Schuljahr 1-13