Stephanie Schönenberg/Dirk Betzel

Wortbildungsgrundlagenartikel

Stephanie Schönenberg/Dirk Betzel

Wortbildung wozu und wie?

Nicht in dieser Extremform, aber dennoch: Wortbildungen begegnen uns jeden Tag und fallen uns häufig gar nicht auf. Schließlich sind sie hoch funktional. Das können Sie rasch selbst überprüfen, indem Sie z. B. einen beliebigen Artikel der Tageszeitung lesen und bewusst auf Wortbildungen achten (siehe die zwei Beispielartikel ) oder indem Sie zurück zum Editorial blättern. Alle Wörter in Kursivdruck sind Wortbildungen. Das gilt übrigens auch für diesen ersten Abschnitt.
Das Deutsche hat nahezu unbegrenzte Wortbildungsmöglichkeiten.
Die Sachperspektive
Wortbildung was ist das?
Wortbildung ist eine praktische Sache: Aus dem vorhandenen Material einer Sprache (aus Wortstämmen und Affixen) werden neue Wörter gebildet1. Aus einfachen Wörtern (hier gelb) werden durch bestimmte Methoden also komplexe Wörter (s.Darstellung ).
Aus komplexen können wiederum noch komplexere gebildet, wie das Beispiel zeigt:
Durch Wortbildung entstehen also neue Lexeme. Manche davon entstehen spontan (sog. Ad-Hoc-Bildungen, z.B. Montagsdebakel, Chaosgeburtstag, Fanmeile, Brexit), manche etablieren sich (z.B. Fanmeile, Brexit, Mauszeiger), sie werden zu stabilen Bildungen und finden so auch Einzug in Wörterbücher und das mentale Lexikon. Kurzum: Wortbildung dient der Wortschatzerweiterung.
Wortbildungen wozu?
Wortbildungen erweitern und bereichern den Wortschatz. Wir nutzen sie, um die Sprache an bestimmte Mitteilungsabsichten anzupassen, also ,
  • um etwas Neues ausdrücken zu können und um damit gesellschaftlichen Entwicklungen gerecht werden zu können (z.B. Mauszeiger, Druckerpatrone, schadstofffrei, Umweltzone, Brexit, Flugscham),
  • um etwas genauer ausdrücken zu können (Kuchen → Schokoladenkuchen, Schirm → Regenschirm/Sonnenschirm) (Präzision bzw. Restriktion)
  • um stilistische Vielfalt zu erzeugen, um etwas syntaktisch (mit unterschiedlichen Wortarten) variabel ausdrücken zu können, z.B. Nominalstil versus Verbalstil ():
  • Wir haben die Hoffnung wir hoffen,
  • Der Fäulnisgeruch entsteht durch Düngung
  • Es riecht faulig, weil gedüngt wird.
  • Eine Überprüfung der Noten durch den Lehrer wird verlangt. Es wird verlangt, dass der Lehrer die Noten überprüft. (Heringer 2014, S. 198)
  • Förderlich auf die Ergreifung von Maßnahmen zur Förderung von Mitarbeiterinnen wirkt sich die persönliche Nähe der für die betriebliche Frauenförderung relevanten Führungskräfte auf die Thematik aus. (Aus: Motivation betrieblicher Frauenförderung in österreichischen Privatunternehmen, Bettina Rosar, 2000, S. 89, Diplomarbeiten Agentur) versus: Wir ergreifen bestimmte Maßnahmen, um Mitarbeiterinnen zu fördern. Darauf wirkt sich positiv aus, wenn sich Führungskräfte, die für die betriebliche Frauenförderung zuständig sind, und die Mitarbeiterinnen persönlich nahe stehen.
Wortbildung ermöglicht also stilistische und grammatische Variation,
  • um besondere Wirkungen zu transportieren (Jugendsprache, Journalismus, Fachsprache ),
  • um ökonomisch zu sein, etwas kürzer ausdrücken zu können, was sich häufig aus den oben genannten Punkten ergibt.
Wortbildung wie? Formen der Wortbildung
Zu den wichtigsten Wortbildungstypen im Deutschen zählen Komposition, Derivation und Konversion (siehe Editorial). Wir beschränken uns in diesem Heft auf die beiden Typen Derivation und Komposition und beschreiben in Grundzügen, wie sie gebildet werden. Am Beispiel von Komposita werden gramma-tische und semantische Verhältnisse anschließend ausführlicher erläutert.
Derivation
Bei der Derivation wird an ein Basismorphem eine Anfügung vorgenommen (Präfix oder Suffix). Man unterscheidet dabei zwischen zwei Derivationsarten:
  • Anfügungen hinten: Suffigierung: glücklich, fruchtig, menschlich, lesbar, Heizung, Geheimnis, Lehrer, kellnern, fischen, blödeln, halbieren
  • Anfügungen vorne: Präfigierung: ankommen, mitko...

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Fakten zum Artikel
aus: Deutsch 5-10 Nr. 60 / 2019

Wortbildung

Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-10