Inga Harren

Wortbedeutungen in Sachtexten erschließen

Ein Anglerfisch. Die Tiefsee stellt einen interessanten Lerngegenstand für die Schüler-/innen dar. Die Motivation lässt sich aber auch hier über ein interessendifferenziertes Vorgehen noch steigern.
Ein Anglerfisch. Die Tiefsee stellt einen interessanten Lerngegenstand für die Schüler-/innen dar. Die Motivation lässt sich aber auch hier über ein interessendifferenziertes Vorgehen noch steigern. , © DiveSpin.com/shutterstock

Inga Harren

Beim Lesen von Sachtexten sind Schüler/-innen häufig mit einer Vielzahl unbekannter Begriffe konfrontiert oder mit Begriffen, die innerhalb eines Textes von einer bislang bekannten Bedeutung abweichen. Nicht immer ist eine Nachschlagemöglichkeit zur Hand und nicht immer hilft ein Wörterbucheintrag für die Bedeutungserschließung im jeweiligen Fall. Häufig ist es einfacher und unaufwendiger, die jeweilige Textstelle ohne eine weitere Quelle einfach noch einmal gründlich zu lesen und Hinweise im Text zu nutzen, um die Bedeutung zu erschließen oder sich ihr zumindest zu nähern (s. dazu auch Information zu Bedeutungen von Wörtern linguistisch betrachtet im Downloadbereich ). Auf dieser Basis kann dann entschieden werden, ob es für das Ziel des Lesens überhaupt notwendig ist, sich in der gegebenen Lesesituation weiter eingehend mit dem jeweiligen Wort zu befassen. Hinweise im Text, die genutzt werden können, um Wortbedeutungen zumindest annäherungsweise zu erschließen, sind dabei manchmal sehr offensichtlich, häufig benötigen sie jedoch ein sehr genaues und wiederholtes Lesen (Infokasten).
Nicht immer gleich nachschlagen Hinweise auf Wortbedeutungen in Texten nutzen
Nicht immer gleich nachschlagen Hinweise auf Wortbedeutungen in Texten nutzen
Ein Nachschlagen kostet mitunter viel Zeit, wird aber in schulischen Lehrwerken nicht selten als Königsweg der Bedeutungsklärung behandelt. Dabei wird aber häufig übersehen, dass neben der Nachschlagehandlung an sich weitere Kompetenzen notwendig sind. Diese umfassen u.a. das Entschlüsseln der sehr komprimiert formulierten Wörterbucheinträge als auch den Abgleich verschiedener abstrakt gefasster Bedeutungsvarianten mit dem jeweils vorliegenden Kotext (dem umgebenden Text) und dem Kontext (dem weiteren situativen Rahmen). Gleichzeitig müssen Schüler/-innen häufig auch solche Wörter in den Blick nehmen, die nur auf der Oberfläche bekannt erscheinen, aber im Text in einer nicht-prototypischen Bedeutung oder metaphorisch verwendet werden, so z.B. „den obersten Rand der Badewanne (AB 2a, Zeile 9) als veranschaulichende Beschreibung für die Tiefe von Küstengewässern in Relation zur Tiefsee. Um die Bedeutung klären zu können, müssen die Schüler/-innen das Zielwort analysieren können und Details des Textes verarbeiten, in dem das (unbekannte) Wort vorkommt. Wichtige Hinweise auf eine mögliche Bedeutung können u.a. aus folgenden Quellen gewonnen werden:
  • aus einzelnen Wortbausteinen (Morphemen),
  • aus Formulierungen vor/nach dem jeweiligen Wort im Text,
  • aus Verweisen innerhalb eines Textes sowie zwischen verschiedenen Texten,
  • aus visuellen Ressourcen, die mit einzelnen Textstellen korrespondieren (z.B. schematische Abbildungen).
Beim Lesen kann auch die Entscheidung getroffen werden, dass zwar kein vollständiges Erschließen der Bedeutung möglich ist, aber das erarbeitete Verständnis für das Leseziel hinreichend ist. Je nach Textstelle sind verschiedene Möglichkeiten denkbar, z.B.:
1. Eine Bedeutungsklärung ist nicht notwendig, denn es handelt sich um Eigennamen. Dies ist aus dem Kotext erschließbar.
2. Die Passage oder der Satz mit dem unbekannten Wort ist für das Verstehen der Aussage nicht zentral. Eine Bedeutungsklärung kann daher (vorläufig) vernachlässigt werden.
3. Aspekte der Bedeutung lassen sich aus dem Aufbau des unbekannten Wortes und seiner Bestandteile oder/und aus dem umgebenden Text erschließen. Diese reichen evtl. nicht aus, um eine vollständige Klärung der Wortbedeutung vornehmen zu können, sind aber ggf. hinreichend für das Leseverstehen.
4. Eine Bedeutungsdarstellung erfolgt mehr oder weniger explizit vor oder nach dem unbekannten Wort durch den Text selbst (z.B. „ein solches ... nennt man auch ...) oder durch visuelle Quellen im Text (z.B. eine korrespondierende Abbildung mit Beschriftung).
Den Anforderungen differenzierend begegnen
In diesem Unterrichtsvorschlag wird der Viefalt möglicher...

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Fakten zum Artikel
aus: Deutsch 5-10 Nr. 65 / 2020

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Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (2-10 Std.) Schuljahr 8-10