Yvonne Decker-Ernst

„Was macht ihr in eurer Freizeit?“

© Dudarev Mikhail/Fotolia

Yvonne Decker-Ernst

Systematische Wortschatzarbeit in Vorbereitungsklassen

Die Schülerinnen und Schüler erweitern ihren Wortschatz zum Thema „Freizeit . Sie vernetzen die neu erlernten Wörter und wenden sie produktiv an.

Auf Kindern und Jugendlichen, die erst in der Sekundarstufe nach Deutschland zuwandern, lastet ein hoher Erwartungsdruck. Möglichst schnell und selbstständig sollen sie sich in ihrem neuen Lebensumfeld orientieren, die geltenden Regeln und Konventionen verstehen und (sprach)aktiv am Gesellschaftsleben teilhaben. Hierfür benötigen sie ausreichend Zeit, Gelegenheit und Unterstützung.
Im Bereich Wortschatz ist zunächst ein Kernbestand an Wörtern notwendig, die verstanden und schließlich selbst produziert werden können (Verstehens- und Mitteilungswortschatz). Wortschatz betrifft alle Kompetenzbereiche des Deutschunterrichts er ist eine „Schaltstelle (Steinhoff 2009, S. 56) im Spracherwerb. Um neue Wörter verstehen und anwenden zu können, müssen sie mehrfach „umgewälzt, d.h. wiederholt und aus unterschiedlichen Perspektiven (Kontexten) betrachtet werden. Ein Auswendiglernen beliebig zusammengestellter Vokabellisten erscheint dabei wenig sinnvoll. Viel-mehr sollte der Wortschatz in größeren Einheiten (Netzwerken) erarbeitet werden, um im mentalen Lexikon (Langzeitgedächtnis) vernetzt abgespeichert zu werden. Je mehr Informationen und Wissen über ein Wort existieren, desto mehr Verbindungen werden bei dessen Abruf im Gedächtnis später aktiviert; die Abrufwahrscheinlichkeit und -geschwindigkeit werden dadurch erhöht. Bei Zwei- und Mehrsprachigen werden neue Wörter und ihre Bedeutung auch mit entsprechenden Wörtern, Vorstellungen und Konzepten in der Erstsprache abgeglichen (vgl. z.B. Micha-lak 2009, S. 35f.).
Nach Kühn (2010, S. 1252) darf die Wortschatzarbeit weder im DaZ- noch im muttersprachlichen Deutschunterricht an „isolierten Wörtern oder Sätzen erfolgen und rein sprachsystematisch angelegt sein, sondern an authentischen Texten. Sie muss mit mündlichen und/oder schriftlichen Texten beginnen und mit solchen auch wieder enden. Für die Wortschatzarbeit im Unterricht schlägt Kühn (2000, S. 14; 2010, S. 1252ff.) folgenden didaktischen Dreischritt vor:
  • 1. Rezeptive Wortschatzarbeit: Wörter und Formulierungen verstehen und erklären;
  • 2. Reflexive Wortschatzarbeit: Wörter vernetzen;
  • 3. Produktive Wortschatzarbeit: Wörter in mündlichen und schriftlichen Texten anwenden (vgl. hierzu auch Praxis Deutsch 218/2009).
Im Hinblick auf die Wortschatzarbeit in Vorbereitungsklassen sollte sichergestellt sein, dass alle Lernenden schrittweise einen Basiswortschatz in ähnlichen, für die Alltagskommunikation und -orientierung relevanten Sachfeldern erwerben. Zugleich muss die Wortschatzarbeit aber auch am individuellen Sprachstand (Bedarf) der Lernenden ausgerichtet sein. Beim Verstehen, Vernetzen und bei der Anwendung des Wortschatzes sind individualisierte Lernangebote erforderlich.
Intentionen
Mit dem vorliegenden Unterrichtsmodell wird exemplarisch am Sachfeld „die Freizeit gezeigt, wie sich o.g. Dreischritt für die Wortschatzarbeit in Vorbereitungsklassen nutzen lässt. Dabei wird der Lerngegenstand zum „Dreh- und Angelpunkt (vgl. Baurmann & Müller 2016, S. 7f.). Alle Lernenden erweitern ihr Sprachwissen und -können in einem gemeinsamen Themenfeld, das Lernen findet aber nicht im Gleichschritt statt, sondern wird zieldifferent (Material 1 ) und methodendifferent (Material 36 ) organisiert. Trotz Individualisierung muss auch in Vorbereitungsklassen gemeinsames Lernen stattfinden, z.B. durch gemeinsame Unterrichtsgespräche im Plenum, kommunikative und kooperative Formen der Kleingruppen- und Partnerarbeit (vgl. Baurmann & Müller 2016, S. 8).
Die Auswahl der Sachfelder sollte sich grundsätzlich an den Interessen, Alltagserfahrungen und am kommunikativen Bedarf der Lernenden orientieren. Die Wortschatzarbeit ist somit in sinnvolle Gesamtkontexte...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 263 / 2017

Deutsch als Zweitsprache

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 6-10