Hanna Fischer | Katja Hofmann

Von Grumbeeren, Erdäpfeln und Tartuffeln

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Hanna Fischer | Katja Hofmann

Regionalsprachliche Variation in Alltag und Werbung

Schülerinnen und Schüler verwenden viele regionalsprachliche Formen in ihrem Alltag, auch wenn deren Verwendung mitunter in der Schule als „falsch bewertet wird. In der Werbung dagegen erlebt der Gebrauch von Dialektwörtern einen Aufschwung. Das Erkunden und Reflektieren der Verwendung regionalsprachlicher Variation schärft den Blick auf ihre Funktionen.

Das vorrangige Ziel des Deutschunterrichts ist die Beherrschung der Standardsprache. Entsprechend steht die Einübung normgerechter Sprachverwendung im Zentrum des Unterrichts. Gleichzeitig wachsen viele Kinder in regionalsprachlichen Varietäten auf, die sich nicht nur in Wortschatz und Aussprache, sondern auch in Morphologie und Syntax systematisch von der Standardsprache unterscheiden, dabei aber eigenständige und gleichwertige Varietäten des Deutschen darstellen. Dialekt und Regiolekt sind in vielen Familien die Varietäten der informellen Alltagskommunikation, während die Standardsprache für die überregionale Kommunikation und für formelle Situationen gewählt wird. Dieser Unterschied ist den Schülerinnen und Schülern häufig noch nicht bewusst. Sie kennen demnach regionalsprachliche und standardsprachliche Varianten, müssen sich aber die situationsangemessene Verwendung bewusst machen. Diese ist erforderlich, da regionalsprachliche Formen je nach situativem Kontext unterschiedlich bewertet werden: z.B. als „nicht korrekt in der Klassenarbeit, als „familiär im Freundeskreis, als „unangemessen im Bewerbungsschreiben, als „authentisch in der Figurenrede oder als „originell in der Werbung. Ziel ist daher die Reflexion des eigenen Sprachgebrauchs. Lernende sollen zum einen die „Sprachen in der Sprache kennenlernen und zum anderen ihre Funktionen unterscheiden können (Bildungsstandards KMK).
Dialekt als kulturelles Symbol kleinräumiger Bezugswelten
Das Unterrichtsmodell geht diesem Ziel nach, indem die Lerngruppe zunächst dialektale Wörter und Ausdrücke in ihrem eigenen Umfeld erkundet und dadurch die Unterschiede zwischen Dialekt und Standardsprache, aber auch zwischen verschiedenen Dialekten, entdeckt. Dies erfolgt anhand einer Fragebogenstudie, die die Schülerinnen und Schüler mit einer Dialektsprecherin/einem Dialektsprecher durchführen. Dabei erfragen sie auch, in welchen Situationen welche Varietät favorisiert wird. In einem zweiten Schritt wird beispielhaft die Verwendung von Dialektwörtern in der Werbung reflektiert. Dort wird Dialekt verwendet, um auf die Regionalität und damit auf die besondere Qualität eines Produkts hinzuweisen und ein Gefühl von Vertrautheit entstehen zu lassen. Dieser emblematischen Funktion von Dialekt in der Werbung steht der Trend der Globalisierung gegenüber. Dialekt wird aufgrund seiner geografischen Begrenztheit zum kulturellen Symbol kleinräumiger Bezugswelten, die in der Identitätsbildung der Lernenden von Bedeutung sind (vgl. Basisartikel). Das Bewusstmachen der regionalen Varietäten und ihrer kontextspezifischen Funktionen sind wesentliche Bestandteile der Sprachkompetenz, die den Schülerinnen und Schülern eine flexible und situationsangemessene Varietätenwahl ermöglicht und gleichzeitig die eigene Identität stärkt.
Intentionen
Durch die Gegenüberstellung von dialektalen und standardsprachlichen Formen soll für die regionalsprachliche Variation sensibilisiert werden. Die Lernenden erkunden den Dialekt, der im eigenen Umfeld gesprochen wird, und reflektieren die Situationsgebundenheit der Dialektverwendung. Die Analyse des Beispiels der Dialektverwendung in der fannia-Werbung bildet die Grundlage für die verallgemeinernde Reflexion der Funktion von Dialektgebrauch in den Medien. Die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass dialektale Ausdrücke in der Werbung gezielt eingesetzt werden, um ein Produkt mit den positiv bewerteten Konzepten Regionalität, Heimat und Vertrautheit aufzuwerten.
Unterricht
Dialekte...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 275 / 2019

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