Nils Bahlo, Zeynep Kalkavan-Aydın & Beate Weidner

„Und?“

Mithilfe des Diskursmarkers "und" werden selbstinitiierte Fragen gestellt oder andere zum Weitersprechen animiert.
Mithilfe des Diskursmarkers "und" werden selbstinitiierte Fragen gestellt oder andere zum Weitersprechen animiert., © Jörn Buchheim/Fotolia

Nils Bahlo, Zeynep Kalkavan-Aydın & Beate Weidner

Sprachreflexive Übungen zur Konjunktion und im Mündlichen

Der Unterschied von geschriebener und gesprochener Sprache kann für Lerner und Lernerinnen des Deutschen eine Herausforderung sein. Begegnen Sie diesen Schwierigkeiten am Beispiel von und.

Als prominente Konjunktion wird und schon im frühen Lernstadium als „nebenordnendes Bindewort vermittelt. Konjunktionen, die als Diskursmarker verwendet werden, sind insbe-sondere in Arbeitsmaterialien eher unterrepräsentiert. Im Sinne des Language Awareness-Ansatzes möchten wir am Beispiel und aufzeigen, dass Lerner des Deutschen durchaus auch Besonderheiten des Mündlichen lernen sollten, wenn grammatische Einheiten ihre ursprünglichen Bedeutungen und Funktionen verlieren und stattdessen andere, z.B. gesprächsorganisatorische Funktionen im Gespräch annehmen.
Intentionen
In alltagssprachlichen Diskursen stößt man oft auf sprachliche Phänomene, die schriftsprach-lich nicht realisiert werden. Zu ihnen gehören u.a. die sogenannten „Diskursmarker, die auch als „Konnektoren, „Gesprächspartikeln oder „Operatoren bezeichnet werden. Für Beobachtungsaufgaben scheint zunächst interessant zu sein, dass die topologische Stellung von Diskursmarkern meist auffällig durch ihre linksperiphere „Vor-Vorfeld-Position markiert ist (z.B. Und? Was willst du mir damit sagen?). Charakteristisch für die funktional recht unterschiedlichen Diskursmarker sind weiterhin a) ihre Weglassbarkeit, d.h. die Äußerung wird ohne sie nicht ungrammatisch und b) ihr metapragmatischer projizierender Charakter, da sie Folgeäußerungen erwartbar machen, Verstehensanweisungen an das Gegenüber geben etc. (Auer/Günthner 2003). Diskursmarker sind oftmals mit anderen Wortarten homophon und teilen sich, wenn auch semantisch verblasst, bestimmte Charakteristika ihrer ursprünglichen Wortarten: Da sowohl Diskursmarker als auch Konjunktionen in der linken Peripherie stehen können, müssen wir im Fall unseres und vermehrt auf pragmatisch-funktionale ggf. auch prosodische Kriterien zur Bestimmung zurückgreifen (pro-sodisch: für die Gliederung der Rede bedeutsame sprachlich-artikulatorische Erscheinungen wie Intonation, Pausen). So hat das „Diskursmarker-und aus syntaktischer Sicht nicht mehr die Aufgabe, Teilsyntagmen miteinander zu verknüpfen. Die Funktion besteht vielmehr darin, selbstinitiierte Fragen zu stellen oder andere zum Weitersprechen zu animieren (z.B. Und? Was hat er dann gemacht?). In diesem Rahmen wird eine vorangegangene Äußerung als in inhaltlicher und pragmatischer Hinsicht unvollständig dargestellt. Der Diskursmarker eröffnet eine Leerstelle, die es mit Informationen zu füllen gilt. Mit anderen Worten: Er projiziert eine grammatische Fortführung, die in der Füllung der Leerstelle enden soll. Die semantisch-pragmatische Funktion des Diskursmarkers liegt hier also in der Gesprächsorganisation, da Sprecherinnen und Sprecher diese Leerstelle selbst füllen, oder durch die Vergabe des Rederechts füllen lassen können.
Unterricht
Das Modell ist auf insgesamt drei Unterrichtsstunden ausgelegt. Je nach didaktischer Reduktion kann die Unterrichtseinheit im Hinblick auf die einzelnen Aufgaben erweitert oder verkürzt werden. Zur Sensibilisierung auf die Verwendung von Konnektoren im Mündlichen wird zunächst mit zwei Erzählungen begonnen. In Material 1 (a) wird und als typischer Satz-Verknüpfer verwendet. Im Gegensatz dazu wird in Material 1 (b) die Konjunktion weggelassen die Erzählung bleibt jedoch inhaltlich die gleiche. Auch syntaktisch gibt es keine Veränderungen. Im zweiten Unterrichtsbeispiel soll von dieser grammatischen Eigenschaft der Konjunktion weggeführt werden, indem und in einem Dialog in verschiedenen Verwendungsmög-lichkeiten vorkommt. Eine Besonderheit stellt schließlich das und als Diskursmarker dar, das nicht mehr die ursprüngliche grammatische Funktion einnimmt.
und als Satzverknüpfer in Erzählungen
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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 263 / 2017

Deutsch als Zweitsprache

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 6-8