Cornelia Lorenz

Semmel, Brötchen oder Schrippe?

Reibekuchen, Deutscher oder Reibedatschi?
Reibekuchen, Deutscher oder Reibedatschi?, © TwilightArtPictures/stock.adobe.com

Cornelia Lorenz

Bedeutung und regionale Verteilung von Varianten

Bereits im Urlaub machen Lernende die Erfahrung, dass Gegenstände andere Bezeichnungen haben können als die, die ihnen vertraut sind. Das Modell macht diese Variation zum Thema und untersucht die regionalsprachlichen Hintergründe.

Bezeichnungen von Gegenständen des Alltags sind hervorragend geeignet, regionale Unterschiede im Sprachgebrauch schon in der Grundschule zum Thema zu machen: Kauft man in der Bäckerei am Urlaubsort nun Wecken, Brötchen, Schrippen oder Semmeln? Und isst man zu Karneval (oder Fasching oder Fastnacht) Berliner, Krapfen, Kräppel oder Pfannkuchen? Oft haben dabei verschiedene Bezeichnungen eine ähnliche Bedeutung (Basisartikel, S.3). Es kann aber auch vorkommen, dass das gleiche Wort in verschiedenen Regionen Unterschiedliches bezeichnet: Pfannkuchen z.B. bezeichnet in Berlin das runde in Fett gebackene Hefegebäck, das in anderen Regionen Berliner, Kräppel oder Krapfen genannt wird (Elspaß/Möller 2003ff.: Berliner/Krapfen). In vielen Regionen im deutschsprachigen Raum bezeichnet Pfannkuchen aber stattdessen einen von beiden Seiten gebratenen Fladen aus Eiern, Milch und Mehl (Elspaß/Möller 2003ff.: Pfannkuchen).
Die Bezeichnungen können sich wandeln: Bestimmte Bezeichnungen verdrängen andere, die dann seltener verwendet werden. Die Nennung von Bezeichnungen, wie z.B. Möhre und Karotte, auf Verpackungen, kann einen solchen Sprachwandel beschleunigen und zur Verdrängung anderer Bezeichnungen, wie z.B. Gelbe Rübe und Wurzel, beitragen (Elspaß/Möller 2003ff.: Möhre/Karotte).
Intentionen
Die Schülerinnen und Schüler machen bereits im Urlaub, in den Medien oder auch in ihrem Umfeld die Erfahrung, dass Gegenstände mehr als eine Bezeichnung haben können. Das Modell macht diese Variation zum Thema und zeigt auf, dass diese vielfach einen regionalsprachlichen Hintergrund hat.
Die Schülerinnen und Schüler führen zunächst Umfragen durch und untersuchen die Bezeichnungsvariation in ihrem Nahbereich. Sie recherchieren anschließend auf Dialektkarten, in welchen Regionen die Bezeichnungen, die sie ermittelt haben, schwerpunktmäßig verwendet werden. Sie entdecken, dass es teilweise noch weitere Bezeichnungen gibt. Grundlage ist der Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA), dessen Karten im Internet zur Verfügung stehen. Ihnen lassen sich regionale Verteilung und Bedeutung der Bezeichnungen entnehmen.
Unterricht
Das Unterrichtsmodell eignet sich für die 4. Klasse. Als Nachschlagewerk dient der über Internet frei zugängliche AdA (Elspaß/Möller 2003ff.).
Einstieg
Als Einstieg ins Thema fragt die Lehrkraft nach der Bezeichnung für Feldsalat, z.B. indem sie ein Bild davon zeigt. Nachdem die Schülerinnen und Schüler eine oder mehrere Bezeichnungen, z.B. Feldsalat oder Ackersalat, genannt haben, erklärt die Lehrkraft, dass dieser Salat regional unterschiedlich benannt wird. Dazu zeigt sie zunächst die regionale Verteilung der verschiedenen Bezeichnungen im AdA (Elspaß/Möller 2003ff.: Feldsalat) und erläutert den Atlas anhand der Karte. Sie weist die Klasse auf die Bezeichnung Rapunzel hin, mit der die meisten vermutlich eher das gleichnamige Märchen als den Salat verbinden. Vielleicht liest die Lehrkraft das Märchen (Brüder Grimm 18121815: Kapitel 134) auch vor, das immerhin zu einem Drittel vom gleichnamigen Salat handelt: Zwei Mal drängt Rapunzels Mutter während der Schwangerschaft ihren Mann dazu, diesen Salat aus dem Garten einer Zauberin zu stehlen. Schließlich wird der Mann von der Zauberin ertappt, die das Kind einfordert und später Rapunzel nennt.
Um die Schülerinnen und Schüler mit dem AdA vertraut zu machen, bietet sich das überregional bekannte Wort naschen an, zu dem es eine ganze Reihe kleinräumig verwendeter Varianten gibt. Die Schülerinnen und Schüler nähern sich dem Thema anhand von Impulsfragen: Wie kann man für naschen noch sagen? Die genannten Varianten werden an der Tafel gesammelt....

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 275 / 2019

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