Barbara Reidelshöfer

„Schulfrei für Fridays for Future? So ein Quatsch!“

Fridays for Future-Demonstration als Möglichkeit zur kritischen Diskussion im Unterricht nutzen
Fridays for Future-Demonstration als Möglichkeit zur kritischen Diskussion im Unterricht nutzen , © picture alliance/imageBroker

Barbara Reidelshöfer

Kritikfähigkeit im Rollenspiel

Abwertende Reaktionen auf geäußerte Meinungen sind im (Schul-)Alltag und inder öffentlichen Gesprächskultur häufig der Normalfall. Ausführliche, differenzierteBegründungen, die auch die Meinung des Gegenübers adäquat aufgreifen, sind einewesentliche Zielsetzung dieses Unterrichtsmodells.

In dem vorliegenden Unterrichtsmodell setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Fridays for Future-Protesten auseinander und diskutieren im Rollenspiel, inwiefern eine Teilnahme daran sinnvoll ist.
Das Unterrichtsmodell schließt an Kompetenzen der begründeten Stellungnahme und des einfachen Erörterns an, das heißt, Grundlagen zur Argumentation wie Argumentationsaufbau und einfache Argumentationsstrategien sind bereits erworben. Das Konfliktrollenspiel als Methode ist bereits aus anderen Kontexten (z.B. Fremdsprachenunterricht) bekannt.
In der inszenierten Diskussion soll nun vor allem die Entwicklung der Argumentationsfähigkeit sowie die Kompetenz der Kritikfähigkeit fokussiert werden, die zum einen durch eine gründliche inhaltliche Auseinandersetzung vorbereitet wird. Zum anderen wird sie aber auch durch Scaffolding sprachlich unterstützt. Nach der Durchführung wird die Diskussion mithilfe von Beobachtungsaufträgen reflektiert, um zu verdeutlichen, wodurch sich Kritikfähigkeit inhaltlich wie sprachlich-kommunikativ manifestiert.
Fridays for Future
Fridays for Future hat sich 2019 zu einer internationalen Jugendbewegung mit enormem Sendungsbewusstsein und Geltungsanspruch entwickelt. Klimawandel, Klimaschutz und politische Debatten haben Einzug in deutsche Klassenzimmer gehalten und bieten nicht nur für den Deutschunterricht vielfältige Anknüpfungspunkte. Bundespräsident Steinmeier rief im März 2019 dazu auf, das Engagement „innerhalb der Schule natürlich als Thema im Schulunterricht und natürlich auch außerhalb der Schulzeit1 fortzuführen.
Die Initiatoren organisieren weiterhin (Schüler-)Streiks, häufig an schulpflichtigen Freitagen. Damit rufen sie sehr unterschiedliche Reaktionen in Politik und Gesellschaft hervor. Der Umgang mit den Fridays for Future-Protesten variiert stark: von Bundesland zu Bundesland, aber auch von Schule zu Schule. Androhung der Entlassung und andere Sanktionen werden ebenso umgesetzt wie geschlossene Schulteilnahmen an Demonstrationen.
Diese Kontroversität sowie die starke Betroffenheit der Jugendlichen lassen das Thema zu einem Idealfall für den Deutschunterricht werden. Denn der Unterricht kann damit eine Problemstellung aufgreifen, zu der letztlich fast jeder eine dezidierte, durchaus auch widersprüchliche Position haben dürfte, was in ergebnisoffene Diskussionen münden kann.
Intentionen
Mit dem vorliegenden Unterrichtsmodell wird bewusst an die Alltagskultur und Lebenswirklichkeit der Lernenden angeknüpft, um ihre Kritikfähigkeit zu entwickeln. Denn eine Meinung z.B. zur Teilnahme an einer Fridays for Future-Demonstration ist zwar bei den meisten vorhanden, allerdings sollen die Schülerinnen und Schüler darüber hinaus ihre eigenen Werte- und Normvorstellungen anderen Anforderungen gegenüberstellen und mit verschiedenen Positionen abgleichen und begründen. Im Rollenspiel (vgl. Mückel 2016, S. 9)müssen sie ggf. eine Position einnehmen, die nicht der eigenen entspricht. Um dies inhaltlich bewältigen zu können, recherchieren sie gezielt Informationen und Argumente, die sie im Team prüfen, ergänzen und ordnen.
Die im Rollenspiel angelegte Distanzierung von ihrer eigenen Haltung hilft ihnen dabei, sachangemessen zu argumentieren und ein Problem mehrperspektivisch zu betrachten. Sie werden mit verschiedenen Ansichten konfrontiert und schulen dabei ihre Fähigkeit, aufmerksam und genau zuzuhören, um sich auf die Äußerungen anderer einzulassen und mit ihnen konstruktiv umzugehen. Die Rollen-Meinung begründet zu vertreten und gleichzeitig auf Gesprächsbeiträge spontan eingehen zu können, ist eine hohe Kompetenz, für...
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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 279 / 2020

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Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 8-9