Carsten George

„Op Kölsch jitt et för alles e Wood …“1

Die Band Lupo bei einem Auftritt
Die Band Lupo bei einem Auftritt, © Lupo: Marcel Fromme

Carsten George

Kölsche Lieder untersuchen

Kölsch ist medial sehr präsent. Karneval, aber auch Bands wie Bläck Föös und BAP, tragen viel zu seiner Bekanntheit und Beliebtheit bei. Die Lerngruppe nimmt die Musikkultur in den Blick und entdeckt verschiedene Merkmale und unterschiedliche Ausprägungen des Dialekts.

Gegenstand des Modells ist das Kölsch, d.h. die stark dialektal geprägte Stadtvarietät von Köln. Im Unterschied zu anderen Varietäten ist Kölsch medial deutschlandweit relativ präsent. Ein Grund ist der Kölner Karneval, dessen mediale Übertragung auch das Kölsch überregional bekannt gemacht hat. Auch Musik auf Kölsch insbesondere Karnevalsmusik – hat zur Bekanntheit beigetragen.
Ist Kölsch auch überregional bekannt, so ist es als standardferne Varietät für Nichtsprecher*innen nicht leicht verständlich. Dies betrifft insbesondere seine lautlichen, prosodischen und lexikalischen Eigenschaften, die es im Laufe der Geschichte entwickelt hat und die sich immer wieder verändert haben. Dialektologische Untersuchungen versuchen, diese Entwicklungen im Einzelnen nachzuzeichnen. Für die Zwecke des Deutschunterrichts ist es sinnvoller und einfacher, das heutige Kölsch zu fassen, indem man es in seinen Unterschieden zum Standarddeutschen beschreibt. So geht auch das Modell vor.
Das Unterrichtsmodell ist konzipiert für die Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe. Ein Einsatz ist im Kontext der Behandlung von Sprachvarietäten und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung passend. Das Modell baut auf den Kompetenzen auf, die in vorhergehenden Jahrgangsstufen erworbenen wurden: Vorausgesetzt wird, dass die Schüler*innen die Beschreibungsebenen der Sprache (Phonologie, Morphologie, Syntax, Lexik) kennen, Basiswissen im Bereich der Sprachvariation besitzen und dass sie die soziokulturelle Bedingtheit und Bedeutung sprachlicher Verhältnisse und Entwicklungen erfassen. Das Modell entwickelt die Fähigkeit, Sprachvarietäten in verschiedenen Erscheinungsformen (hier Dialekt bzw. Regionalsprache) vergleichend zu beschreiben und deren gesellschaftliche Bedeutsamkeit zu beurteilen (vgl. KLP Deutsch Sek II NRW 2014).
Merkmale des Kölsch (bzw. des Rheinischen) in ihrer Abweichung vom Standarddeutschen
Merkmale des Kölsch (bzw. des Rheinischen) in ihrer Abweichung vom Standarddeutschen
(vgl. Cornelissen 2019, S.112ff.)
Die Liste konzentriert sich auf Eigenschaften, die in den schriftlichen Liedtexten erkennbar sind. Prosodische Eigenschaften etwa werden nicht berücksichtigt. Beispielwörter werden mit den Buchstaben des Alphabets wiedergegeben, nur punktuell werden phonetische Zeichen genutzt. Die Schreibweise folgt weitgehend dem Kölschen Wörterbuch2, weicht aber im Einzelfall ab, um lautliche Besonderheiten etwas deutlicher zu markieren.
Aussprache der Vokale
  • Wo im Standarddeutschen ein Monophthong erscheint, findet sich teilweise ein Diphthong. Dies sind Diphthonge, die es im Standarddeutschen nicht gibt: boue (bauen), nöi (neu), Schnej (Schnee).
  • Wo standardsprachlich ein Diphthong erscheint, findet sich teilweise ein Monophthong: Huus (Haus), Emmer (Eimer), Lück (Leute), Zigg (Zeit).
  • Die Qualität betonter Vokale weicht teilweise vom Standarddeutschen ab (Vokalsenkung): wooste (wursten), Doosch (Durst), Wäch (Weg), Höhner (Hühner).
  • Auch die Vokallängen weichen ab. Vokale werden teilweise länger als im Standarddeutschen gesprochen: maache (machen), laache (lachen), Daach (Dach); teilweise sind sie kürzer: jevve (geben), zemlich (ziemlich), zälle (zählen).
Aussprache der Konsonanten
  • Der Nasal [n] wird auslautend als [ŋ] realisiert, d.h. velarisiert: Wing (Wein), ming (mein), Rhing (Rhein); bei Wörtern mit nachfolgendem Verschlusslaut [t]/[d] wird dieser ebenfalls velarisiert: hinge (hinten) (vgl. Cornelissen 2019, S.114).
  • Der ich-Laut ([ç]) wird zu einem Laut, der der Aussprache des sch ähnelt ([ʃ]/[ɕ]): wischtisch (wichtig), isch (ich), dörsch (durch).
  • Wo im Standarddeutschen der...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 275 / 2019

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