Stefan Jeuk

Neu in Deutschland

Stefan Jeuk

Deutsch lernen in Vorbereitungsklassen

In jüngerer Zeit kommen vermehrt Kinder und Jugendliche ohne Deutschkenntnisse an unsere Schulen. Häufig besuchen diese Schülerinnen und Schüler Einsteigerklassen. In diesem Heft wird die besondere Lehr- und Lernsituation der neu eingewanderten Kinder und Jugendlichen näher betrachtet, und es werden praxiserprobte Unterrichtsvorschläge unterbreitet.

Einwanderung von Kindern und Jugendlichen
Die Zahl mehrsprachig aufwachsender Kinder und Jugend-licher in den deutschsprachigen Ländern nimmt seit den 1960er-Jahren kontinuierlich zu, nach dem Mikrozensus 2015hatten mehr als 20% der Schülerinnen und Schüler in Deutschland einen Migrationshintergrund. Da die Kategorie „Migrationshintergrund nur die Einwanderungsgeschichte der Familien erfasst, nicht aber ihren Sprachgebrauch, ist anzunehmen, dass die Zahl der mehrsprachigen Schülerinnen und Schüler in Deutschland deutlich höher ist. Für das Jahr 2015 geht das Mercator-Institut davon aus, dass 100000 Kinder und Jugendliche nach Deutschland eingewandert sind (Massumi u.a. 2015), für 2016 wird von ca. 300000 schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen ausgegangen, die neu nach Deutschland eingewandert sind. Das sind ungefähr 3% der Schülerinnen und Schüler in Deutschland.
Viele Konzepte für neu eingewanderte Kinder und Jugendliche sehen vor, dass die Schüler nach einem Jahr intensiver Unterstützung beim Erwerb der deutschen Sprache in eine Regelklasse kommen. Der Unterricht in diesen Vorbereitungsklassen und Sprachfördergruppen ist somit eine Vorbereitung auf den Regelunterricht und muss anschlussfähig an diesen sein. Dem Deutschunterricht kommt hierbei eine besondere Aufgabe zu, denn zum einen wird von Deutschlehrkräften Expertise im Hinblick auf die Unterstützung der Sprach-aneignung erwartet, zum anderen sind die Gegenstände des Deutschunterrichts (z.B. Gespräche, Erzählungen, Texte) auch Gegenstände der Sprachförderung. Eine Unterstützung beim Zweitspracherwerb und beim Unterricht in der Zweitsprache muss jedoch weit über ein Jahr hinausgehen. Hier sind z.B. Konzeptionen eines „sprachsensiblen Fachunterrichts (Kniffka/Roelcke 2016) zu nennen, die berücksichtigen, dass Zweitspracherwerb in allen Fächern über die gesamte Schulzeit hinweg unterstützt werden muss .
Modelle der Beschulung
Schulorganisatorisch gibt es verschiedene Möglichkeiten der (sprachlichen) Förderung neu eingewanderter Kinder und Jugendlicher (siehe Abb. 1, S. 6). Auf der einen Seite stehen Modelle, in denen über einen bestimmten Zeitraum spezielle Klassen eingerichtet werden (Vorbereitungsklassen, Übergangsklassen, sogenannte parallele Modelle). Auf der anderen Seite stehen integrative Modelle, bei denen die neu eingewanderten Kinder und Jugendlichen ab dem ersten Schultag in die Regelklasse gehen, z.B. im Fachunterricht, und zusätzlich Sprachförderung bekommen. Welche Modelle an den Schulen umgesetzt werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Häufig wird in musisch-ästhetischen Fächern von Beginn an integrativ unterrichtet, andere Modelle sehen einen stufenweisen Übergang vor, bei dem die neu eingewanderten Schülerinnen und Schüler nach und nach in den Fachunterricht integriert werden (vgl. Decker 2013, S. 164). An Grundschulen sind eher teilintegrative und integrative Modelle vorzufinden, das Klassenlehrerprinzip kommt dem entgegen. In der gymnasialen Oberstufe und in berufsbildenden Schulen gestaltet sich die Einbindung der neu eingewanderten Schülerinnen und Schüler aufgrund der vorgeschriebenen Fächer und Stundentafeln besonders schwierig (Massumi u.a. 2015, S. 61, siehe Abb. 1).
Der Vorteil einer vorübergehenden Segregation ist, dass ein an die sprachlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler angepasstes Vorgehen ermöglicht wird und sie nicht gezwungen sind, im Unterricht mit rudimentären Sprachkenntnissen zu kommunizieren. Zudem finden sie hier einen geschützten Rahmen, in dem auf ihre Bedürfnisse...
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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 263 / 2017

Deutsch als Zweitsprache

Methode & Didaktik Schuljahr 5-10