Anne Hilbert

Kreisförmiges Schreiben = kreisförmiges Denken?

Anne Hilbert

Zeitwahrnehmung und Sprache im Science-Fiction-Film Arrival

Eine fremde Sprache ohne Vorstellung von Chronologie Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich mit einer filmischen Umsetzung der Sapir-Whorf-Hypothese.

Als Science-Fiction-Meilenstein1 gilt der 2016 erschienene Film Arrival von Denis Villeneuve. Das Szenario gleicht zunächst einem typischen Invasionsfilm: Zwölf muschelförmige Ufos landen auf der Erde und das US-Militär engagiert die Sprachwissenschaftlerin Louise Banks (Amy Adams), die mit den Aliens, sogenannte Heptapoden, kommunizieren soll. Als diese immer mehr als Bedrohung wahrgenommen werden, droht die Situation weltweit zu eskalieren. Doch in diesem „brillante[n] Film über unsere Zukunft2 geht es um mehr; statt Effektgewitter zieht die Linguistik den Zuschauer in ihren Bann: Das Entschlüsseln der kreisförmigen Logogramme der Heptapoden ist eine spannende Detektivarbeit, und letztendlich ermöglicht das Verstehen dieser zirkulären Sprache der Hauptfigur Banks schon bald ein nicht lineares und damit nicht mehr chronologisches Denken. Die Komposition des Films vor allem die Gestaltung der Erzählchronologie trägt dem Rechnung: Vermeintliche Analepsen (Flashbacks) erweisen sich am Filmende als Prolepsen (Flashforwards) und verblüffen den Zuschauer.
Der Film bezieht sich explizit auf die Sapir-Whorf-Hypothese (vgl. dazu den Basisartikel, S. 8) und interpretiert sie deterministisch: Die Grammatik der Heptapoden kennt keine Chronologie und entsprechend kennt auch ihre Zeitwahrnehmung keine Chronologie. Eine solche Zeitwahrnehmung, in der Gegenwart und Zukunft gleichzeitig vorhanden sind, ist schwer vorstellbar und fiktiv. Dennoch bietet die fiktive Erzählhandlung des Films eine gelungene Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Zeitwahrnehmung und Sprache, die unterrichtlich genutzt werden kann. Science-Fiction-Filme sind zudem bei Jugendlichen beliebt.
Intentionen
Ausgehend vom Film und gestützt durch zusätzliches Text- und Bildmaterial regt das Unterrichtsmodell die Reflexion darüber an, wie Zeitlichkeit durch die Sprache bzw. Grammatik konstruiert wird. Die Analyse verschiedener Werbeplakate zum Film, die den Einstieg bildet, sensibilisiert die Schülerinnen und Schüler dafür, dass Sprache und Bild unmittelbar das Denken anregen und Erwartungen wecken. Der Umgang mit verschiedenen Medien dem Film, dem Sachtext, dem Filmplakat vertieft zudem die Kompetenzen der Schüler im Bereich Arbeit mit Texten und Medien. Zusätzlich erwerben sie Kenntnisse in der Filmanalyse.
Unterricht
Einstieg über Filmplakate
Um sich dem Thema der Konstruktion von Vorstellungen durch Sprache bzw. Bilder zunächst allgemein zu nähern, betrachten die Schülerinnen und Schüler die verschiedenen Filmplakate, die den Film vor bzw. nach Erscheinen beworben haben (Material 1). Die Unterschiedlichkeit der Filmplakate, die denselben Film bewerben, regt die Lernenden zum Austausch darüber an, wie Filmplakate in der Kombination von Bild und Text Erwartungen erzeugen. Die Lernenden untersuchen in Gruppen jeweils eines der Plakate und beschreiben, welche Wirkung es entfaltet und welche Erwartungen an den Film es weckt. Bei der anschließenden Präsentation (im Plenum oder in Form eines Gruppenpuzzles) wird deutlich:
  • Plakat 1 lässt aufgrund der abge-bildeten bzw. genannten Schauspieler und der Kleidung sowie dem Militärhubschrauber einen genre-typischen Science-Fiction-Film erwarten.
  • Plakat 2 gibt in der schlichten Darstellung einer Art schwarzen Muschel in einer kargen Eislandschaft wenig Hinweise auf den Film. Die Wirkung ist ruhig und geheimnisvoll, nicht bedrohlich.
  • In Plakat 3 lässt der Helm der Hauptdarstellerin bereits erahnen, dass es sich um einen Science-Fiction-Film handelt. Es gibt aber noch keine bildlichen Hinweise auf Aliens. Es wirkt ebenfalls nicht bedrohlich.
Der Film wird nun im Ganzen geschaut. Sollte bei den Schülerinnen und Schülern noch kein Vorwissen...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 267 / 2018

Sprache – Denken – Wirklichkeit

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 11-13