Katharina Böhnert & Ilka Lemke

Haten, hashtaggen, posten, liken

Allzeit bereit zum Posten und Liken – laut JIM-Studie 2016 entfällt mit 41% der größte Anteil der Internetnutzung auf kommunikative Aspekte.
Allzeit bereit zum Posten und Liken – laut JIM-Studie 2016 entfällt mit 41% der größte Anteil der Internetnutzung auf kommunikative Aspekte. , © mehmetcan–/ stock.adobe.com

Katharina Böhnert & Ilka Lemke

Kommunikationspraktiken in den Social Media und ihre sprachliche Realisierung als Gegenstand im Deutschunterricht

Am Beispiel der Kommunikation in den Sozialen Medien werden Schülerinnen und Schüler für die Verknüpfung von Sprache, Denken und Wirklichkeit sensibilisiert.

Neue Medien sind ein fester Bestandteil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Wie die jährlich vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest durchgeführte JIM-Studie zeigt, steigen insbesondere Social Media-Plattformen1 wie facebook, Instagram, YouTube oder Snapchat in der Beliebtheit (vgl. Jim-Studie, S. 29). Fast zwei Drittel (64%) aller Internetnutzer unter den befragten Jugendlichen nennen YouTubeals ihr „liebstes Internetangebot, aber auch Instagram, Snapchat und vorwiegend bei älteren Jugendlichen facebook werden pro Woche von ihnen „täglich/mehrmals pro Woche genutzt (ebd. ,S. 32). Veränderte technische Kommunikationsbedingungen haben Auswirkungen auf die Sprachproduktion und -rezeption: „Netzsprache bzw. Sprache in computervermittelter Kommunikation ist in den letzten Jahren zu einem beständigen Gegenstand sprachwissenschaftlicher Untersuchungen geworden (z.B. Schlobinski 2012, Dürscheid 2016). Gerade die Kommunikation von Jugendlichen wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Der Sprachgebrauch in den Neuen Medien wird dabei nicht selten als „Sprachverfall umgedeutet und in diesem Kontext mit Attributen wie „Fetzensprache (dpa-Interview mit Hans Zehetmaier 2012, zit. in Schlobinski 2012, S. 34) belegt.
one-to-many-Kommunikation
Neben den sprachlichen Besonderheiten der computervermittelten digitalen Kommunikation ist jedoch auch interessant, wie sich Kommunikationspraktiken selbst durch die spezifischen Kommunikationsbedingungen von Social Media und deren stetig steigender Bedeutung und Verankerung im Alltag verändert hat. Grundannahme des vorliegenden Modells ist, dass sich hier ein Wandel von Kommunikation abzeichnet, der sich anhand verschiedener sprachlicher Neuschöpfungen und Neukonzeptualisierungen skizzieren lässt. Insbesondere auf dem unter Jugendlichen beliebtesten Social Media-Kanal, der Videoplattform YouTube, steht die one-to-many-Kommunikation im Vordergrund; Ziel ist es, mit einem Video möglichst viele Follower anzusprechen und Likes zu erzielen, um die eigene Reichweite zu steigern und so das mediale Image zu profilieren. So besteht die Möglichkeit, einen eigenen YouTube-Channel zu betreiben, auf dem beliebig Videos zu einem bestimmten Thema (Beauty, Sport, Do it yourself (DIY) etc.) oder zum Zweck der Alltagspartizipation geladen werden können, in der Absicht, eine steigende Zahl an Abonnenten zu gewinnen. Die Interaktion zwischen YouTubern und Followern findet hier weitgehend monodirektional statt: Nachdem ein Video geschaut wurde, besteht die Möglichkeit, dieses mit einem virtuellen Button „Daumen nach oben respektive nach unten zu bewerten. Neben dem deutschen gefällt mir/gefällt mir nicht werden zur Bezeichnung dieser Praktiken die englische Konstruktion(to) like/(to) dislike verwendet: etwas liken (weniger gebräuchlich: disliken). Für besonders starke Abneigungsbekundungen hat sich demgegenüber der Begriff haten (to hate) etabliert. Beide sind in das deutsche Flexionssystem intergiert (ich like, wir haten), Unsicherheiten bestehen lediglich hinsichtlich der Schreibweise (du lik(e)st, ich habe gelik(e)t). Zusätzlich zum Liken bzw. Disliken des Beitrags können unter dem Video Kommentare hinterlassen werden, die sich häufig jedoch in formelhaften Zuneigungs- oder Abneigungsbekundungen erschöpfen und von dem YouTuber nicht als Fortführung eines Dialogs realisiert, sondern eher selten beantwortet werden. Die Funktion der Kommunikationspraxis auf YouTube-Channels besteht also für den YouTuber weniger darin, sich mit Abonnenten auszutauschen, als vielmehr die Aufmerksamkeit auf die eigene Person zu lenken und hierdurch Bestätigung bzw....

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 267 / 2018

Sprache – Denken – Wirklichkeit

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-13