Friederike Pronold-Günthner

Jetzt verstehe ich, was da gemeint ist!

Mit einem solchen Lesefächer lassen sich Strategien langfristig und individuell einüben und festigen.
Mit einem solchen Lesefächer lassen sich Strategien langfristig und individuell einüben und festigen., Illustration: Thies Schwarz

Friederike Pronold-Günthner

Verstehenshürden in Nachrichtentexten identifizieren und bewältigen

Nachrichten begegnen den Jugendlichen in unterschiedlichen medialen Formaten: Das Angebot reicht von (über-)regionalen Zeitungen in Printform über digitale Nachrichtenmagazine (z. B. Focus online, Spiegel online) und Fernsehnachrichten bis hin zu YouTube-Beiträgen. So vielfältig die Formate sind, so unterschiedlich ist auch die Qualität verschiedener Nachrichtentexte.
Interessanterweise haben die Jugendlichen durchaus ein Gespür für die Vertrauenswürdigkeit von Nachrichten. So konnte die JIM-Studie 2018 zeigen, dass regionale Print-Tageszeitungen bezogen auf Nachrichtenangebote nach der Tagesschau bzw. den Tagesthemen Platz 2 auf der Vertrauenswürdigkeitsskala einnehmen. Andererseits nimmt das Lesen von Tageszeitungen bei der Medienbeschäftigung der 1219-Jährigen einen geringen Stellenwert ein. Nur 10 % bzw. 11 % der Jugendlichen lesen täglich bzw. mehrmals pro Woche Zeitung; dies wird auch durch Online-Angebote der Zeitungen nicht kompensiert. Die in den letzten Jahren zu beobachtende Politisierung der jungen Generation (die z. B. an der Fridays-for-Future-Bewegung sichtbar wird), zeigt jedoch, dass dies nicht an fehlendem Interesse für gesellschaftliche und politische Themen liegt.
Dass sich Jugendliche weniger über die etablierten (Print-)Medien informieren, liegt sicherlich auch daran, dass Nachrichtentexte meist sehr voraussetzungsreiche Texte sind, die zahlreiche Verstehenshürden für jugendliche Leser enthalten. Das können Schwierigkeiten auf Wort- oder Satzebene sein. Oft werden Nachrichten aber auch deshalb nicht vollständig verstanden, weil den Schülern entsprechende Konzepte fehlen, die für das Erschließen der Gesamtbedeutung nötig sind. Unter „Konzepten versteht man umfangreichere Wissensstrukturen, die aufgerufen werden müssen, um die Leerstellen, die ein Text enthält, zu ergänzen. Dabei reicht es nicht aus, nur den Begriff zu „übersetzen, sondern der Leser muss umfangreicheres Vorwissen zum Thema bzw. Weltwissen aktivieren. Wenn beispielsweise der Begriff „Nahost-Politik fällt, reicht es nicht aus, zu wissen, welche Länder als der Nahe Osten bezeichnet werden (eben nicht Tschechien oder Polen, obwohl das begrifflich naheliegend wäre); vielmehr muss der Leser wissen, welche Krisen es zwischen welchen Staaten gab und auf welche Weise sich die westliche Welt hierbei eingemischt hat. Schülern fehlt aber oft dieses Hintergrundwissen und sie kennen keine Strategien, um es sich schnell und einfach zu beschaffen. Das Gefühl, die Texte nicht vollständig zu verstehen, führt leicht zu einer Abwehrhaltung gegenüber Nachrichten, sie werden als langweilig und uninteressant abgestempelt. Gerade im Zeitalter von Fake News und „alternativen Fakten ist es jedoch unabdingbar, Nachrichtentexte aus seriösen Quellen verstehen und sie bezüglich ihrer Aussagen und Inten-tionen verorten zu können. Deshalb geht es in diesem Beitrag darum, wie Schüler die Verstehensprobleme in Nachrichtentexten identifizieren und sie nach den zugrundeliegenden Ursachen kategorisieren lernen können. Abhängig davon erwerben die Schüler Strategien, um mit diesen Problemen selbstständig umzugehen und so das Textverständnis zu verbessern.
Einstieg: Bezug zur Lebensrealität der Jugendlichen herstellen
Für die Einstiegsphase bietet sich eine Umfrage unter den Schülern an, in der sie zu ihrem Nutzungsverhalten in Bezug auf Nachrichten befragt werden. Dazu präsentieren Sie zentrale Nachrichtenthemen aus den vergangenen Wochen (z.B. Fridays-For-Future-Demonstrationen, 30 Jahre Mauerfall, Proteste in Hongkong, usw.) mit ihren Schlagzeilen an der Tafel oder auf einem Plakat. Die Schüler markieren mit farbigen (Klebe-)Punkten, wie viel Wissen sie zu diesen Nachrichten gesammelt haben (grün: weiß genau über das Thema Bescheid; gelb: habe ein bisschen etwas davon mitbekommen; rot: habe nichts von dieser Nachricht mitbekommen)....

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Fakten zum Artikel
aus: Deutsch 5-10 Nr. 61 / 2019

Leseförderung

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 8-10