Sinnvolles Betonen

Merksätze für sinnvolles Betonen

Vielleicht haben Sie auch schon einmal eine Schülerin oder einen Schüler aufgefordert, einen Text „betont vorzulesen“, damit er oder sie dem Text Leben einhaucht. Und obwohl Betonung für Lernende ein Begriff ist, stellt sich diese Aufgabe gar nicht so einfach dar. Denn: Was ist eigentlich Intonation? Welche Wörter hebt der Sprecher hervor? Welche Wirkungen haben Betonungen? Mit diesen Übungen und Merksätzen zeigen Sie Ihrer Lerngruppe, wie Betonungen die Aufmerksamkeit des Zuhörers auf die wesentlichen Schlüsselwörter lenken, die er zum Textverstehen benötigt.

Intonation: Ich möchte jetzt gerne hier raus und heimgehen, um mich ins Bett zu legen.
Mit diesem Übungssatz kann man das richtige Betonen üben.

Intonation lässt sich sehr gut an folgender Beispielsituation üben, die Sie Ihren Schülerinnen und Schülern wie folgt schildern: Du bist mit Freunden in einer Pizzeria. Da wird einer der Freunde müde und möchte sofort heim. Dazu geben Sie folgenden Bespielsatz:

„Ich möchte jetzt gerne hier raus und heimgehen, um mich ins Bett zu legen.“

Lassen Sie die Lernenden die Wirkung von Betonungen ausprobieren, sodass sie selbstständig herausfinden, welche Wörter betont werden müssen, damit ein Zuhörer die Botschaft versteht.

Merksatz 1 erschließt sich quasi von selbst:

1. Betonungen stellen immer das heraus, was du einer anderen Person vermitteln willst.

Beispiel: „Ich möchte jetzt gerne hier raus und heimgehen, um mich ins Bett zu legen.“

Die Schüler sollten den Merksatz zur Übung auf weitere Beispiele anwenden, bevor sie mit Merksatz 2 die Wirkung von Überbetonungen erfahren:

2. Setzte innerhalb eines Sinnschrittes immer nur eine Haupt- und eine Nebenbetonung. Werden zu viele Wörter betont, ist die wichtigste Information nicht mehr erkennbar und der Zuhörer schaltet ab.

Beispiel: „Ich möchte jetzt gerne hier raus und heimgehen, um mich ins Bett zu legen.“

Einteilung in Sinnschritte:

1. Sinnschritt: „Ich möchte jetzt gerne hier raus und heimgehen/

2. Sinnschritt: „um mich ins Bett zu legen.“

Markierung der Haupt- und Nebenbetonungen in den Sinnschritten:

„Ich möchte jetzt gerne hier raus und heimgehen/

um mich ins Bett zu legen.“

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit (Strategie), einen Text in Sinnschritte einzuteilen, in denen Haupt- und Nebenbetonungen eine ordnende Funktion übernehmen (Merksatz 3).

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3. Das Gehirn ist „von Natur aus“ neugierig und langweilt sich schnell. Deswegen betonst du immer die neue Information am stärksten.

Beispiel für Überbetonung von bereits Bekanntem:

„Ich möchte jetzt aus der Pizzeria, also ich würde gerne raus und heimgehen. Und bei mir zu Hause würde ich mich gerne ins Bett legen, weil ich müde bin und deswegen schlafen will.

Im letzten Schritt verlassen Sie die klaren Regeln und eröffnen den Lernenden den Raum der „künstlerischen Mitbestimmung“ als Sprecher. Dies demonstrieren Sie am letzten Beispielsatz, indem es zur abrupten Wende der „Pizzeria-Situation“ kommt (Merksatz 4):

4. Für die Art der Intonation hast du interpretatorische Freiheiten: Du lenkst den Zuhörer auf das, was du besonders wichtig findest.

Beispiel: „Ich möchte jetzt gerne hier raus und heimgehen, um mich ins Bett zu legen, aber nicht, weil ich müde bin und schlafen will, sondern ich möchte unbedingt noch meinen Krimi fertig lesen.“

Diese Möglichkeiten üben die Schülerinnen und Schüler an ausgewählten Gedichten. Gerne können Sie dafür die Gedichte dieser Ausgabe nutzen: Gedichte erschließen


Literatur: Dieser Beitrag beruht auf Kerstin Hillegeist (2012): „Raus – heim – Bett“. In: Deutsch 5-10: Gedichte erschließen; https://www.friedrich-verlag.de/shop/gedichte-erschliessen-1

Fakten zum Artikel
Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 6-8
  • Thema: Deutsch, Sprachgebrauch
  • Autor/in: Kerstin Hillegeist | Redaktion
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