Grundler/Gätje/Woitkowski

„hier seht ihr den Zusammenhang ja“

Was für die Präsentierenden selbsterklärend erscheint, ist es für die Zuhörer nicht zwangsläufig.
Was für die Präsentierenden selbsterklärend erscheint, ist es für die Zuhörer nicht zwangsläufig., © iStock.com/DragonImages

Grundler/Gätje/Woitkowski

Komplexe Graphiken in Präsentationen erklären

Das Titelzitat dieses Beitrags stammt aus einer Schülerpräsentation, als die präsentierende Schülerin eine Folie mit einem Balkendiagramm zeigt, das die Bevölkerungsentwicklung Südamerikas zeigt. Nach wenigen Sekunden klickt sie ohne weiteren Kommentar zur nächsten Folie weiter. Die zuhörende Klasse hat wahrscheinlich nur einen Bruchteil der Informationen der Graphik aufnehmen können, geschweige denn diese kognitiv verarbeitet eine häufig bei schulischen Präsentationen zu beobachtende Situation.
Das Präsentieren in der Schule macht sich nicht nur das Prinzip Lernen durch Lehren zu eigen, indem die Schüler ein Thema so aufbereiten, dass sie ihrer Klasse Wissen vermitteln und dieses dadurch selbst besser durchdringen, sondern fokussiert das Präsentieren auch als einen eigenen Lerngegenstand. Die Entwicklung und das Halten einer Präsentation umfasst bekanntlich alle Kompetenzbereiche des Deutschunterrichts. Dazu gehört das Sprechen zu anderen bzw. das Rezipieren von Präsentationen, das Verfassen funktionaler Texte auf Folienslides oder ggf. auch Plakaten. Ebenso wird das Leseverstehen, v.  a. bei der Textrecherche, eingefordert und Sprachbewusstheit hinsichtlich eines adressatengerechten Vortrags, aber auch einer adressatengerechten Gestaltung der Folien erwartet. Eine spezifische Anforderung des Präsentierens ist es jedoch, scheinbar Evidentes, wie etwa ein komplexes Schaubild, eine graphische Darstellung eines Sachverhalts, verbal zu erklären. So reicht es natürlich nicht aus, komplexe Schaubilder und diagrammatische Darstellungen im Präsentationsvortrag „für sich sprechen zu lassen, wie es in der Überschrift ausgedrückt wurde.
Im Zentrum der Unterrichtseinheit steht die bewusste Heranführung der Schüler, graphisch repräsentierte Sachverhalte im Sinne eines Erklären was zunächst als Erklärgegenstand zu konstituieren. Dazu gehört allerdings auch, eine Auswahl relevanter Aspekte zu treffen. Nur damit kann die Komplexität des Sachverhalts i.S. eines Erklären wie und warum zerlegt und synthetisiert werden, um sie dann für den Adressaten in der Gesamtheit aller Elemente einfacher zugänglich zu machen.
Schaubilder sind erklärbedürftig
Situieren Sie die vorgeschlagene Unterrichtseinheit in eine Zeit im Schuljahr, in der die Schüler Präsentationen selbst vorbereiten und durchführen. Steigen Sie dazu mit der Folie 7 ein und fordern Sie die Klasse auf, über ihre eigenen Bedürfnisse zur Erklärung von Schaubildern als Betrachter nachzudenken. Wahrscheinlich werden sie sich mehrheitlich für eine mittlere Erklärbedürftigkeit aussprechen: Die Erfahrung, dass die Darstellungen auf Schaubildern i.  d.  R. nicht selbsterklärend sind, haben die Schüler meist schon gemacht langatmige Erläuterungen allerdings widersprechen wiederum der Charakteristik von Graphiken, die ja gerade durch Abstraktion und graphische Zeichen Komplexität so reduzieren, dass ihre Aussage vergleichsweise ganzheitlich und rasch erfassbar ist.
Softwaregestütztes Präsentieren
Softwaregestütztes Präsentieren
Softwaregestütztes Präsentieren in der Schule hat zweierlei didaktische Implikationen: Einerseits soll es dazu dienen, Schülern das Präsentieren als Arbeitstechnik zu vermitteln. Es ist dann der Lerngegenstand. Andererseits wird die Präsentation selbst zum Ereignis, bei dem die Lernenden unter der Nutzung von Visualisierungen ihren Mitschülerinnen und -schülern Lerninhalte sprachlich vermitteln. Dies ist nicht immer ganz einfach, insofern Einzelelemente kopräsent in dem Schaubild erscheinen, die in einer spezifischen Rezeptionsform entschlüsselt werden müssen, um verstanden zu werden. Semantisch komplex aufgeladene statische Graphiken müssen also während der Präsentation wieder sprachlich dynamisiert werden. Nur so kann der Zuhörer erreicht werden, die Inhalte der so stattfindenden Erklärung verankert (vgl. Neumeister, Grundlagen) werden. Hinsichtlich...

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Fakten zum Artikel
aus: Deutsch 5-10 Nr. 59 / 2019

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Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 8-10