Katja Holdorf & Björn Maurer

„Hallo – das bin ich …“

In theaterpädagogischen Übungen erwerben die Schülerinnen und Schüler Sprachroutinen, um sich gegenseitig vorzustellen.
In theaterpädagogischen Übungen erwerben die Schülerinnen und Schüler Sprachroutinen, um sich gegenseitig vorzustellen., © privat

Katja Holdorf & Björn Maurer

Zugewanderte Kinder und Jugendliche nutzen die Videokamera als sprachunterstützendes Instrument des Selbstausdrucks

Erste positive Spracherfahrungen sammeln, auch ohne umfangreiche Sprachkenntnisse: Das gelingt in einem Vorstellungsvideo über sich selbst.

Ankommen, sich einfinden, Umgebung sowie Mitschülerinnen und Mitschüler kennenlernen: Kinder und Jugendliche, die neu nach Deutschland kommen, stehen vor vielen Herausforderungen. Diese können sie umso besser bewältigen, je mehr Interesse und Wertschätzung ihnen als Person mit ihren Eigenschaften und Fähigkeiten entgegengebracht wird. Hierfür braucht es nicht nur Zeit und ein zugewandt-offenes Verhalten seitens der Lehrperson und der Klassenkameradinnen und Klassenkameraden. Die jungen Neubürger/-innen müssen auch in die Lage versetzt werden, sich mitzuteilen, etwas von sich zu zeigen, ihre Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen. In den ersten Tagen fehlen in der Regel jedoch die hierfür erforderlichen sprachlichen Mittel.
Die Einführung von Sprachroutinen (vgl. Nauwerck 2012, S. 96) wie „Ich heiße, „Ich komme aus …”, „Ich bin Jahre alt ist zu Beginn sinnvoll, weil damit der Grundstein für die Partizipation an der Gesellschaft auch ohne sprachliche Vorkenntnisse gelegt wird. Die Lernenden können die Satzstrukturen noch nicht bilden und sprechen sie einfach nach. Inhaltlich taugen diese Routinen jedoch nur begrenzt dazu, wirklich interessante Dinge über sich selbst mitzuteilen. Noch schwieriger wird es, wenn positive Eigenschaften oder Fähigkeiten zum Ausdruck gebracht werden sollen. Es fehlen sprachliche Mittel zu Kreativität oder Individualität.
Für den Aufbau eines positiven Selbstbilds der Lernenden sollte die Lehrperson neben den erwähnten Sprachroutinen auch Arrangements anbieten, die die Ausdrucksfähigkeit der Schülerinnen und Schüler zusätzlich unterstützen durchaus auch ohne Sprache. Dadurch steigen die Chancen, mehr über die neuen Schülerinnen und Schüler zu erfahren. Die Lehrperson kann somit eher auf deren individuelle Bedürfnisse und Fähigkeiten eingehen.
Intentionen
Die folgenden theaterpädagogischen Übungen und das Kernprojekt „Vorstellungsvideo setzen genau an dieser Stelle an. Mithilfe der Darstellungsformen „Theater und „Video wird ein Unterrichtssetting geschaffen, das die Ausdrucksfähigkeit der Schülerinnen und Schüler körpersprachlich und visuell unterstützt. Sie bekommen die Möglichkeit, sich mit einem kurzen Video den anderen und der Lehrperson vorzustellen. Es geht darum, sich in der Gruppe kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Außerdem soll das nötige Körper- und Selbstbewusstsein entwickelt werden, um sich später im Video mitzuteilen und neben den Sprachroutinen auch den Körper und andere Hilfsmittel selbstverständlich einzusetzen.
Bewegte Bilder sind meist sprach- und kulturübergreifend verstehbar. Sie dienen als Brücke zwischen den Sprachen und sind prädestiniert, um Aspekte von sich zu zeigen, wo die Sprache (Sprachfähigkeit) noch an ihre Grenzen stößt. Die meisten Ankommenden nutzen Smartphones und haben dadurchbereits produktive Erfahrungen mit audiovisuellen Medien gemacht (vgl. Kutscher 2015), die sie mit Freunden und Familienangehörigen im Heimatland austauschen. Diese Erfahrungen können in den Unterricht einfließen und dazu beitragen, dass sich die Lernenden gleich zu Beginn kompetent fühlen. Das motivationale Potenzial der Arbeit mit digitalen Medien, respektive Video, unabhängig von kulturellen Zugehörigkeiten ist aus Studien hinlänglich bekannt (vgl. Trüby 2016).
Unterricht
Der Unterricht beginnt mit drei theaterpädagogischen Aktivitäten (Material 1 ), die aufeinander aufbauen und die Schülerinnen und Schüler über rein körpersprachlicheHandlungen zum ersten, einfachen Sprachgebrauch führen. Die Aktivitäten bieten ein Setting für explizit nachahmende Übungen mit Sprachroutinen zum Vorstellen. Bewusst wird dabei mit, aber auch ohne Sprache gearbeitet.
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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 263 / 2017

Deutsch als Zweitsprache

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 2-4