Kerstin Alber & Janina Kemmler

Fußballtor oder Fußballschläger?

© imago sportfotodienst

Kerstin Alber & Janina Kemmler

Quantitative und qualitative Wortschatzerweiterung durch strategiebasierte Wortschatzarbeit

Mit den hier vorgestellten Übungen erweitern Schülerinnen und Schüler, die erst seit Kurzem Deutsch lernen, ihren produktiven Wortschatz. Der Anlass ist dabei ein Sportfest.

Ein Wort prägt sich besonders gut ein und kann schnell für die Sprachproduktion genutzt werden, wenn es im mentalen Lexikon mit anderen Wörtern vielfältig vernetzt ist (vgl. Juska-Bacher & Jakob 2014, S. 61). Das Unterrichtsmodell der strategiebasierten Wortschatzarbeit verfolgt das Ziel, auf spielerische Weise die Verbindungen zwischen den Wörtern zu üben. Schülerinnen und Schüler, die erst seit wenigen Wochen Deutsch lernen, profitieren von dieser Konzeption besonders, weil sie neue Wörter nicht isoliert, sondern in Verbindung mit anderen Wörtern erwerben.
Zwischen Wörtern mit einem ähnlichen Anfang, einem ähnlichen Ende und einem ähnlichen Rhythmus bestehen phonologische Verbindungen (vgl. Aitchison 1997, S. 188). In der Wortschatzarbeit sollte den Schülern die Möglichkeit gegeben werden, in vielfältiger Weise mit den lautlichen Aspekten eines Wortes zu experimentieren, z.B. durch phonologische Abrufhilfen („das Wort fängt so an: /h/) sowie Übungen zur Vernetzung von Einträgen mit ähnlichen Klangeigenschaften („das Wort klingt wie …“, „das Wort reimt sich auf …“).
Morphologischen Verbindungen kommt eine wichtige Rolle beim Erwerb der deutschen Sprache zu. Im Spracherwerb zeigt sich das Experimentieren mit den morphologischen Verbindungen in den Wortneuschöpfungen der Kinder (z.B. Fenstersaubermacher). Auch Lernende mit noch sehr geringen Deutsch-kenntnissen nutzen morphologische Strategien (Fußballball).
Zu den semantischen Verbindungen zählen die Über- und Unterordnung (Sportgeräte ➔ Ringe), die Nebenordnung (Turnbank, Ringe, Kasten), die Synonymie (Turnhalle ➔ Sporthalle), die Antonymie (hoch ➔ niedrig), außerdem die Teil-Ganzes-Beziehung (Fuß ➔ Körper) sowie die Troponymie bei den Verben (rennen ➔ laufen). Die Förderung der semantischen Verbindungen bildet den Schwerpunkt der lexikonorientierten Wort-schatzarbeit (vgl. Ulrich 2014), die in den Schulbüchern weit verbreitet ist.
In der Sprachproduktion treten Wörter nicht isoliert auf, sondern sie folgen in Äußerungen aufei-nander und erfordern einander. Sind die syntaktischen Verbindungen zwischen Einträgen im mentalen Lexikon gut ausgebildet, dann lassen sich angefangene Sätze und Phrasen mühelos vervollständigen (der Fußballspieler hat ein Tor geschossen). Im Spracherwerb unterstützen syntaktische Verbindungen in Form von Routineformeln den Einstieg in die Sprache (vgl. Alber 2016). Von daher sollte die Wortschatzförderung für Schüler mit noch sehr geringen Deutschkenntnissen die syntaktischen Verbindungen wesentlich stärker als bisher berücksichtigen.
Intentionen
Bei Schülern mit noch sehr geringen Deutschkenntnissen fällt die große Diskrepanz zwischen einem relativ großen rezeptiven und einem geringen produktiven Wortschatz auf. Eine erfolgreiche Wortschatzarbeit für diese Schüler muss zu einem frühen Erwerbszeitpunkt das Ziel haben, den produktiven Wortschatz zu erweitern. In der vorgestellten Unterrichtseinheit erhalten die Lernenden die Möglichkeit, neue Wörter vielfältig zu verarbeiten und zu erproben, damit diese in der Folge sicher eigenständig gebraucht werden können.
Unterricht
Die Unterrichtseinheit kann im Kontext eines Sportfestes durchgeführt werden, das für die neu ankommenden Schüler veranstaltet wird („Willkommenskultur) oder im integrativen Unterricht in Verbindung mit dem Sportunterricht. Die Lehrkraft liest den Text „Das Sportfest (Material 1 ) laut vor, während die Schüler mitlesen und die Illustrationen betrachten können. Mithilfe kleiner Kärtchen (Material 2 )werden zwei Gruppen ausgelost (Gruppe „Springseil und Gruppe „Turnbank), welche in den folgenden vier Spielen gegeneinander antreten...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 263 / 2017

Deutsch als Zweitsprache

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 4-7