Okay oder o.k.? – Die Wanderlust der Sprachen

In der aktuellen Diskussion über die Allgegenwart der Anglizismen, vor allem im Bereich der Medien und der Werbung, wird ein Aspekt meist ausgeblendet: Auch die deutsche Sprache hat eine große Wanderlust und mit den sogenannten Germanismen Eingang in viele Sprachen gefunden.
Ihnen widmet sich Bettina Dobes Artikel Diese deutschen Wörter werden im Ausland benutzt und geht dabei über die sonst übliche Auflistung der Begriffe „Kindergarten und „Gesundheit hinaus. Vielmehr beleuchtet sie Ursachen und Formen des gegenseitigen Wort-Austausches zwischen den Sprachen und erhellt diese mit vielfältigen Beispielen.
In der Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Fundstück können die Schülerinnen und Schüler neue Erkenntnisse über Germanismen gewinnen und zugleich Strategien der Texterschließung trainieren bzw. festigen. So bietet es sich an, nach einem ersten globalen Lesen Kategorien zu entwickeln, welche das Phänomen Germanismen strukturieren. In der historischen Dimension lassen sich die Migrationsbewegungen im 18. und 19. Jahrhundert (Deutsche Auswanderer in die USA, nach Russland etc.), der Zweite Weltkrieg, der Kolonialismus, darüber hinaus aber auch die Arbeit deutscher Missionare als Faktoren ausmachen. Die räumliche Dimension zeigt auf, wie die Nähe (Grenzgebiete, Handelsplätze) tdes Deutschen zu anderen Sprachen in Europa eine Übernahme von Begriffen begünstigt. Hier lässt sich wiederum vermuten, dass die weiter zunehmende Internationalisierung von Mediennutzung und Handel (sowie Werbung) als Katalysator wirkt und die räumliche Distanz virtuell reduzieren kann. Die sozial-situative Dimension kommt z.B. im Bereich der Fachsprachen zum Tragen. Hier werden Begriffe für neuartige Phänomene oftmals direkt übernommen. Mag dies heute für viele englische Begriffe im Bereich der Medienentwicklung gelten, galt dies historisch (o.g. Dimension) für Germanismen, die im Bereich Naturwissenschaft und Technik exportiert wurden und sich bis heute halten. Und egal, ob Gourmet oder Street-Kitchen-Fan: Das Essen war schon immer ein Weg für Begriffe in andere Sprachen. Entscheidend in allen Bereichen ist: Gibt es in der eigenen Sprache bereits einen treffenden Begriff für das zu bezeichnende Objekt oder wird z.B. eine neue Nuance erfasst? Stellt das übernommene Wort eine Bereicherung der eigenen Sprache dar, hat es Bestand.
Bezüglich der Merkmale der Germanismen selbst lässt sich herausstellen, dass diese meist der jeweiligen Aussprache, Grammatik und Schreibweise angepasst werden. Zudem können sich die semantischen Felder der übernommenen Begriffe wandeln (Angst) oder sich deren Bedeutung sogar ändern (arubaito). Das abschließende Beispiel (o.k.) illustriert anschaulich einen weiteren Aspekt der wandernden Wörter: den Re-Import von Germanismen.
Es bietet sich an, das komplexe Zusammenwirken der einzelnen Dimensionen und Merkmale im Anschluss an die Texterschließung zu visualisieren. Hierfür eignet sich beispielsweise eine Concept Map, die strukturierende Elemente mit Symbolen oder gegenständlichen Darstellungen kombiniert, sodass die Schülerinnen und Schüler sich über ihre Erkenntnisse zum Thema Germanismen austauschen und dabei auf die jeweilige Darstellung beziehen können. Die Ergebnisse und die entwickelten Kategorien lassen sich dann auf Verwendung von Wörtern aus anderen Sprachen im eigenen Sprachgebrauch beziehen. Dies schlägt eine Brücke zum Ausgangspunkt, den Anglizismen, und ermöglicht einen differenzierteren Blick auf aktuelle Phänomene des Sprachwandels.
Vertiefend ließe sich im Sinne einer textkritischen Auseinandersetzung eine Überprüfung von im Text genannten Germansimen und den zugehörigen Erläuterungen in Auftrag geben. Diese könnte arbeitsteilig durchgeführt werden und so auch verschiedene Sprachinteressen der Lernenden aufgreifen.
Rasmus Frederich
Diese deutschen Wörter werden im Ausland benutzt
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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 275 / 2019

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