Corona-Krise! – Corona-Sprache?

Abb. 1: Mindmap zu häufigen Wörtern rund um „Corona“ (aufgefunden über Alert-Dienste); erstellt von Julia Hofmann
Abb. 1: Mindmap zu häufigen Wörtern rund um „Corona“ (aufgefunden über Alert-Dienste); erstellt von Julia Hofmann, © Christine Möhrs: Ein „Wortnetz“ umspinnt sich um Corona. 2020.
In den letzten Wochen und Monaten wurde der Alltag in unserer Gesellschaft durch die weltweite Ausbreitung der Krankheit Covid-19 nachhaltig verändert. Nachdem uns zum Jahreswechsel nur Nachrichten über ein neuartiges Coronavirus erreichten, vollzog sich eine rasche Entwicklung der Ereignisse, bis es im März zu unvorhergesehenen Eingriffen in unser Leben kam. Und selbst nach der erneuten Öffnung von Schulen, Geschäften usw. bleiben viele sichtbare Zeichen neuer gesellschaftlicher Handlungsformen, z.B. das bewusste Abstandhalten, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung beim Einkauf und natürlich neue Unterrichtsformen.
Auch unsere Sprache hat sich im Laufe dieser kurzen Zeit merklich gewandelt. Es haben viele neue bzw. durch Zusammensetzungen neu gebildete Begriffe Eingang in unseren sprachlichen Alltag gefunden. Gleiches gilt für Begriffe, die zuvor im Bereich der Fachsprachen verortet waren. Dieses Phänomen beleuchtet Christine Möhrs Artikel Ein Wortnetz entspinnt sich um „Corona. Dabei bildet die Grafik (siehe Abb1 ) zum Begriffsfeld von „Corona(-Krise) die unterschiedlichen Bereiche ab, in denen sich sprachliche Entwicklungen vollzogen haben: Die Bezeichnung des Virus und der verursachten Krankheit, die Beschreibung der Ausbreitung (Epidemie ) sowie die Benennung der gesellschaftlichen Auswirkungen (Lebensmittelversorgung, Homeoffice …) und die Maßnahmen zur Eindämmung (Kontaktverbot, Social Distancing ).
Dieses Begriffsnetz kann im Unterricht als Einstieg genutzt werden und in Einzelarbeit ergänzt werden. Diese Ergänzungen können dann zu einem gemeinsamen Wortnetz zusammengeführt und nach inhaltlichen Zusammenhängen sortiert werden (Abb.2 ). Das gibt den Lernenden auch die Möglichkeit, ihr eigenes Erleben der letzten Wochen zu verbalisieren und in einen begrifflichen Kontext einzubetten. Deshalb sollte dem Prozess Zeit gegeben werden.
In einem zweiten Schritt kann die Struktur des Wortnetzes und die Herkunft der Begriffe anhand ausgewählter Beispiele betrachtet werden. Dies ließe sich z.B. auch in Online-Arbeitsgruppen durchführen, die gemeinsam einen Begriff oder eine Kategorie untersuchen.
a) Begriffe aus Fachsprachen, die in den allgemeinen Diskurs aufgenommen werden
Hier treten v.a. die Bereiche Medizin (Reproduktionsrate, Aerosol ...) sowie Logistik (Versorgungsengpass) in den Vordergrund. Neben der Herkunft könnte thematisiert werden, wie eine unscharfe Füllung der Begriffe durch das Laienpublikum und die Medien ein Missverstehen von Wissenschaft und Öffentlichkeit bewirken und somit falsche Vorstellungen wecken kann.
b) Anglizismen (Shutdown, Lockdown, Homeschooling …)
Es gibt mehrere Faktoren, die die Nutzung von Anglizismen befördert haben. Zum einen geht die weltweite Verbreitung des Virus mit einer internationalen Berichterstattung und Präsenz im Internet einher. Zum anderen mussten für einige Maßnahmen Begriffe gefunden werden, die weniger negativ konnotiert waren als die vorhandenen. So wurde in der politischen Kommunikation dem „Shutdown der Vorzug vor Begriffen wie „Ausgangssperre gegeben, der negativer wirkt und die Maßnahmen nur ungenau beschreibt. Der aus den USA übernommene Begriff „Shutdown bedeutet ursprünglich, dass öffentliche Einrichtungen wegen einer Haushaltssperre schließen. Er hat sich mittlerweile aber international bezüglich der Corona-Maßnahmen etabliert. Nichtsdestotrotz zeigt sich hier eine Bedeutungsverzerrung, die auch für andere Anglizismen typisch ist.
c) Wortzusammensetzungen, v.a. mit dem Begriff Corona
Am umfangreichsten ist der Bereich der Komposita, die Christine Möhrs in ihrer Grafik nach Bedeutungskontexten sortiert. Hierbei fällt auf, dass es v.a. im Bereich der emotionsumschreibenden Wörter zu vielen Neuschöpfungen kommt. Zudem zeigt sich, wie produktiv Wortzusammensetzungen sind. Diese Wortneuschöpfungen lassen sich relativ leicht bilden, da die einzelnen Elemente bekannt sind. Zugleich wird ein Begriff...

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Fakten zum Artikel
aus: Praxis Deutsch Nr. 282 / 2020

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Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 8-13