Dirk Betzel/Stephanie Schönenberg

*Ferechnungsstelle – komplexe Wörter richtig schreiben

Dirk Betzel/Stephanie Schönenberg

Die Schreibung komplexer Wörter wie Betttuch, verraten oder Klugheit kann auch für Sekundarstufenschüler noch eine Herausforderung darstellen. Im Zweifelsfall kann die richtige Schreibung solcher oder ähnlicher Formen hergeleitet werden. Dies setzt jedoch voraus, dass Schüler den Bau komplexer Wörter grundlegend verstehen. Rechtschreibung und Wortbildung hängen also eng miteinander zusammen und werden nachfolgend gemeinsam in den Blick genommen.

Einstieg
Beginnen Sie mit dem Text auf AB 1 (Fridays for Future). Er enthält sechs Rechtschreibfehler, die drei Fehlertypen zugeordnet werden können: a) gleiche Konsonanten an der Morphemgrenze (*Schuleiter, *entäuscht), b) v-Schreibung (*forgeschoben, *fersprechen) und c) Auslautverhärtung innerhalb komplexer Wörter (*lephaft, *Kuntgebung) (siehe Infokasten). In Aufgabe 1 werden die Schüler aufgefordert, die Fehler im Text zu finden und zu überlegen, weshalb sie passiert sein könnten. In diesem einleitenden Unterrichtsschritt müssen sie nicht alle Fehler erkennen oder bereits erklären, da eine systematische Erarbeitung im Anschluss erfolgt. Allerdings gewinnen Sie anhand der Schüleräußerungen einen Einblick, welche Fehler von welchen Schülern bemerkt werden und für welche Rechtschreibbereiche bereits Herleitungsstrategien verfügbar sind. Diesen Überblick können Sie für die spätere Arbeit mit den Materialien nutzen.
Morphologisches Prinzip
Morphologisches Prinzip
Das morphologische Prinzip besagt, dass gleiche Morpheme in allen Kontexten gleich geschrieben werden. Kurz gesagt: Einmal so, immer so. Das gilt auch, wenn das gleiche Morphem aufgrund seiner Position im Wort anders gesprochen wird: z.B. die Helden (gesprochen: [hɛldən]) und der Held (gesprochen: [hɛlt]). In der Schrift werden solche lautlichen Veränderungen nicht abgebildet, man spricht in diesem Zusammenhang von Morphemkonstanz. Das ist insbesondere für das Lesen von Vorteil, weil Leser auf diese Weise Morpheme schnell identifizieren können. Das morphologische Prinzip überformt somit systematisch phonographisch-silbische Schreibungen (z.B. nicht *Helt, sondern Held), damit zusammengehörige Formen für den Leser erkennbar bleiben.
Für Schüler stellt die Morphemkonstanzschreibung bei komplexen Wortformen (= Wortbildungen und flektierte Wörter) oftmals eine besondere Herausforderung dar. Hierauf liegt der Schwerpunkt der Arbeitsmaterialien. Beispiele:
Nichtberücksichtigung der Auslautverhärtung
Im Deutschen werden stimmhafte Plosive (b, d, g) im Silbenendrand stimmlos artikuliert (p, t, k). Bei morphologisch einfachen Wörtern können Schüler ein Wort verlängern, um sich im Zweifelsfall die richtige Schreibung herzuleiten: Hel? → Hel-den. Bei komplexen Wörtern kann Auslautverhärtung auch im Wortinnern auftreten, wenn ein Plosiv im Silbenendrand steht: z.B. gesprochen: Felthase. Eine einfache Verlängerung (Felthasen) hilft hier nicht weiter. Schüler müssen das Wort zunächst segmentieren (Felt + Hase) und anschließend verlängern (Fel-der), um zur korrekten Schreibung Feldhase zu gelangen. Bei komplexen Wörtern kann also eine zweiteilige Strategie erforderlich sein.
Schreibung an der Morphemgrenze
Treffen bei Ableitungen ent+täuschen oder bei Zusammensetzungen Schul+leiter gleiche Laute an der Morphemgrenze aufeinander, hört man in der Regel nur einen Laut (gesprochen: entäuschen / Schuleiter). Für die richtige Schreibung müssen Lernende das Baumuster der Wörter durchschauen, um sich im Zweifelsfall die Schreibung herleiten zu können.
Schreibung von Affixen (= Präfixe und Suffixe)
Affixe sind im mentalen Lexikon gespeichert. Schreiber müssen also wissen, dass beispielsweise das Präfix ver- nicht *fer oder *fea geschrieben wird. Gleiches gilt für Suffixe. Auf dieser Grundlage lässt sich die f/v-Schreibung im Deutschen erfassen. Der Laut [f] wird normalerweise als verschriftet, es sei denn, es handelt sich um die Präfixe ver- oder vor-...

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Fakten zum Artikel
aus: Deutsch 5-10 Nr. 60 / 2019

Wortbildung

Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-10